Kurt Masur | Bildquelle: dpa

Zum Tod von Kurt Masur Trauer von New York bis Leipzig

Stand: 20.12.2015 04:16 Uhr

Auch New York trauert um den Dirigenten Kurt Masur, der im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Mehr als ein Jahrzehnt lang leitete Masur das New York Philharmonic Orchestra. Er setzte Standards und beeindruckte mit einem "tiefen Glauben an Musik als Ausdruck von Humanität".

Von Kai Clement, ARD New York

Im Jahr 1991 kam er in die "neue Welt": Kurt Masur wurde Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra, anfangs noch parallel zu seinem Wirken in Leipzig beim Gewandhausorchester. Es sei die Krönung seines Lebens gewesen, so sagte der Stardirigent in einem Interview mit dem Talkshow-Moderator Charlie Rose im Jahr 2002.

"Das Angebot kam als eine Überraschung. Dann aber dachte ich: Das macht mich wieder jung. Du kannst dich nicht mehr ausruhen, fängst ein neues Leben an", erinnerte sich Masur.

Die Erwartungen an ihn waren enorm. Aber Masur erfüllte sie. Die "New York Times" schreibt in ihrem Nachruf, er habe das Orchester geradezu verwandelt. Damals sei es nur noch dem Namen nach ein Weltklasse-Klangkörper gewesen, Konzerte aber geradezu schludrig geworden. "Sie waren fantastische Solisten. Dann aber gingen sie heim und dachten nicht mehr aneinander", beschrieb Masur das Orchester.

Star-Dirigent Kurt Masur ist im Alter von 88 Jahren gestorben
tagesthemen 23:10 Uhr, 19.12.2015, Gabor Halasz/Paul Pietraß, MDR

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Hingabe füreinander

Anderthalb Jahre lang hatten die New Yorker nach einem neuen Dirigenten gesucht und Absagen von Stars wie Claudio Abbado kassiert. Dann kam er, der "Gigant mit dem wirren Bart", wie die Zeitung ihn nennt. Masur freundete sich nicht nur mit den als unfreundlich geltenden New Yorkern an.

Vor allem gab er dem Weltruf der New Yorker wieder eine Grundlage: Sorgfältige Proben, Disziplin, vor allem aber eines: "Zu Beginn haben wir mehr und mehr Vertrauen entwickelt. Das Orchester vertraute mir, ich vertraute dem Orchester. Wir arbeiteten zusammen, nicht nur musikalisch, es war auch eine Hingabe füreinander und das ist sehr selten."

Die New Yorker geben nun den Tod ihres Dirigenten der Jahre 1991 bis 2002 mit "größter Trauer" bekannt. Inspirierend sei Masur gewesen, vor allem müsse man seinen "tiefen Glauben an Musik als Ausdruck von Humanität" würdigen. Das schreibt der Präsident der Philharmoniker. Er erinnerte dabei an das Brahms-Requiem nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Masurs Amtszeit habe nicht nur einen Standard gesetzt, ihr Vermächtnis wirke bis heute fort. Die New Yorker und Masur: eine glückliche Partnerschaft.

New Yorker Philharmoniker trauern um Kurt Masur
K. Clement, ARD New York
20.12.2015 04:09 Uhr

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