Zitat aus der Rede von Martin Luther King

50 Jahre nach der Rede Martin Luther Kings "Wir müssen weiter träumen"

Stand: 27.08.2013 19:51 Uhr

"Ich habe einen Traum" - die Vision des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King gehört zu den berühmtesten politischen Reden, die je gehalten wurden. Kings Rede am 28. August 1963 rüttelte die amerikanische Öffentlichkeit auf. Es war der Wendepunkt auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA. 50 Jahre später redet an gleicher Stelle Barack Obama, der erste schwarze US-Präsident.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Ethelbert Miller ist Schriftsteller und Professor an der Howard-University in Washington, einer der besten Universitäten im Land für junge Afro-Amerikaner. Auf die Frage, ob es den Schwarzen in den USA heute besser als vor 50 Jahren geht, sagt Miller: "Eindeutig ja!"

Er erklärt: "Meine Eltern hatten den Traum, dass mein Leben besser würde als ihres. Und wenn ich meinen Sohn und meine Tochter sehe, bin ich sicher, dass ihr Leben besser sein wird als meins." Millers Kinder konnten gleichberechtigt mit weißen Kindern aufwachsen und kamen in den Genuss einer guten Schulausbildung: "Wenn ich an ihre Schulen denke, an ihre Freunde: Sie sind viel integrierter als ich es war. Meine Welt war viel stärker nach Rassen getrennt."

Erkundungsreise in den alltäglichen Rassismus
morgenmagazin 07:30 Uhr, 28.08.2013, Karin Dohr, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Hände haltend wie Brüder und Schwestern"

Als Martin Luther King seine berühmte Rede in Washington hielt, war die Hauptstadt eine geteilte Stadt: im Südosten die Schwarzen, im Nordwesten die Weißen. Heute empfindet Miller Washington schon fast als multikulturelle Stadt. Die Zahl der gemischten Ehen ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich angestiegen.

Vor 50 Jahren waren Verbindungen zwischen Schwarz und Weiß in vielen Bundesstaaten verboten. Kings Traum, "dass eines fernen Tages schwarze Jungen und Mädchen mit weißen Jungen und Mädchen Hände haltend wie Brüder und Schwestern zusammensitzen", diesen Teil des Traumes sieht Miller verwirklicht.

Afroamerikaner 50 Jahre nach Kings Rede
M. Ganslmeier, ARD Washington
26.08.2013 13:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Hätte 1963 jemand Martin Luther King gesagt, dass in 50 Jahren ein wiedergewählter schwarzer Präsident an den "Marsch auf Washington" erinnert, King hätte das nicht geglaubt, ist sich Miller sicher. Die brutale Rassentrennung von damals ist überwunden. Bei der Gleichberechtigung hat es große Fortschritte gegeben.

Defizite bei Schulbildung und Einkommen

Aber beim "Marsch auf Washington" ging es nicht nur um Bürgerrechte, betont Miller, sondern auch um bessere Jobs und mehr wirtschaftliche Chancen für Schwarze. Und da habe sich Kings Traum noch immer nicht erfüllt: "Da müssen wir weiter träumen. Kings Rede war ein Protest für Jobs und Chancengleichheit. 2013 haben wir immer noch die gleichen Herausforderungen."

Seit Mitte der 70er-Jahre lag die Arbeitslosenrate der Afro-Amerikaner stets doppelt so hoch wie die der Weißen. Zwölfeinhalb Prozent von ihnen sind heute ohne Job. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Wohlstandsabstand zwischen Schwarz und Weiß sogar vergrößert. Weiße US-Bürger verdienen im Schnitt 90.000 Dollar pro Jahr - Afro-Amerikaner nur die Hälfte.

Erinnerung an den "Marsch auf Washington": Ein Mann hält ein Plakat mit der Aufschrift "Meine Stimme zählt". (Bildquelle: AFP)
galerie

Erinnerung an den "Marsch auf Washington": Ein Mann vor einem Denkmal Martin Luther Kings hält ein Plakat mit der Aufschrift "Meine Stimme zählt".

Eine Entwicklung sorgt Miller jedoch besonders: Die Schulen in ärmeren Stadtteilen sind schlechter ausgestattet und haben schlechtere Lehrer. Darunter leiden vor allem die schwarzen Kinder. Deshalb ist der Hochschullehrer strikt gegen die Abschaffung der Förderprogramme für afro-amerikanische Studierende: "Das Spielfeld ist hier längst nicht eben. Wenn man Faktoren wie Armut, Ausbildung und Arbeitslosigkeit betrachtet, haben wir noch längst keine Chancengleichheit."

Recht auf Chancengleichheit und ähnliche Lebensbedingungen

Würde Martin Luther King heute noch leben, würde er an eine Forderung im ersten Teil seiner Rede anknüpfen, sagt Professor Miller: "Wir sind heute in die Hauptstadt gekommen, um einen Scheck einzulösen." Das Recht auf Chancengleichheit und ähnliche Lebensbedingungen, das in der Unabhängigkeitserklärung formulierte "Streben nach Glück" - dieses Versprechen sehen viele Afro-Amerikaner immer noch nicht eingelöst.

Genau dies wird der erste schwarze Präsident Amerikas, Barack Obama, in den Mittelpunkt seiner Rede zum Jahrestag stellen. An genau jenem Ort auf der Mall in Washington, an dem auch Martin Luther King vor 50 Jahren vor 250.000 Zuschauern sprach.

Und nicht nur King schaut ihm dabei über die Schulter, sondern auch das steinerne Antlitz von Abraham Lincoln, jenes Präsidenten also, der vor 150 Jahren die Sklaverei in Amerika abschaffte. Ein symbolträchtiges Ereignis für ganz Amerika.

1/15

50 Jahre Marsch für Jobs und Freiheit auf Washington

50 Jahre Marsch auf Washington für Jobs und Freiheit

Marsch auf Washington

"I have a dream - ich habe einen Traum": an der Stelle, wo der Bürgerrechtler und Prediger Martin Luther King am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington seine berühmte Rede hielt, sind diese Worte in den Stein gemeiselt. (Foto: AFP)

Darstellung: