Amerikaner feiern 50 Jahre "Marsch auf Washington"

Zitat aus der Rede von Martin Luther King

Gedenkfeier am Lincoln Memorial

50 Jahre "Marsch auf Washington"

Es war der 28. August 1963, als Martin Luther King seine berühmte Rede: "I have a dream" hielt. Aus diesem Anlass versammelten sich nun zehntausende Amerikaner vor dem Lincoln Memorial in Washington. Denn 50 Jahre danach haben die USA mit Barack Obama zum ersten Mal einen schwarzen Präsidenten, doch Diskriminierung und Rassenhass gibt es noch immer. Jüngstes Beispiel: der Fall Trayvon Martin.

Von Andreas Horchler, HR-Hörfunkstudio Washington

Lincoln Memorial in Washington (Bildquelle: AFP)
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Vor dem Lincoln Memorial in Washington werden am Mittwoch - dem Haupttag der Feierlichkeiten - die Ex-Präsidenten Carter und Clinton sowie der amtierende Präsident Obama sprechen.

Schon seit Tagen wird in der US-Hauptstadt an die berühmte Rede von Martin Luther King vor 50 Jahren erinnert, am Samstag versammelten sich zehntausende Amerikaner vor dem Lincoln Memorial. Denn Kings Traum ist nur bedingt Wirklichkeit geworden. Das zeigte sich erst vor einigen Monaten: Im Februar 2012 hatte der private Wachmann George Zimmerman  den 17-jährigen Afroamerikaner Trayvon Martin erschossen. Ein Geschworenengericht in Florida sprach Zimmerman im Sommer  2013 frei. Er habe in Notwehr gehandelt. Das Gericht verneinte jeden rassistischen Zusammenhang mit der Tat. Bürgerrechtler riefen mit den Parolen der 1960er-Jahre zu Demonstrationen im ganzen Land auf. Keine Gerechtigkeit, kein Frieden.

Präsident Obama gab sich nachdenklich und emotional. Trayvon Martin - vor 35 Jahren hätte er das sein können, sagte der Präsident. Der Fall müsse im Kontext der Geschichte, der Erfahrungen der Afroamerikaner gesehen werden, sagte der Präsident. Die Geschichte der Schwarzen in den USA verschwinde nicht einfach so.

Der Traum von Martin Luther King

Die Demonstranten, die 50 Jahre Marsch auf Washington feiern, selbst der Präsident - sie alle haben ein Vorbild. Am riesigen Lincoln Memorial wurde vor 50 Jahren ein Traum zu einem berühmten Text: "I have a dream". Martin Luther King träumte am 28. August 1963 vor einer viertel Million Menschen davon, dass die USA zu ihrer Bestimmung fänden und endlich den Anspruch der Gründerväter einlösten, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden.

Amerikaner feiern 50 Jahre "Marsch auf Washington"
tagesschau 09:55 Uhr, 25.08.2013, Karin Dohr, ARD Washington

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Präsident John F. Kennedy war auf die Bürgerrechtler zugegangen. "Diese Nation", so Kennedy, "mit all ihren Hoffnungen wird so lange nicht ganz frei sein, bis alle ihre Bürger frei sind."

250.000 Menschen kamen zum "Marsch auf Washington". Sie skandierten Parolen, sangen, hörten den Reden von Studenten-Vertretern, Gewerkschaftern und Kirchenleuten zu - und blieben friedlich.

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50 Jahre Marsch für Jobs und Freiheit auf Washington

50 Jahre Marsch auf Washington für Jobs und Freiheit

Marsch auf Washington

"I have a dream - ich habe einen Traum": an der Stelle, wo der Bürgerrechtler und Prediger Martin Luther King am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington seine berühmte Rede hielt, sind diese Worte in den Stein gemeiselt. (Foto: AFP)

Die entscheidenden letzten fünf Minuten

Martin Luther King, der keineswegs unumstrittete Pfarrer aus Georgia, hatte für seinen Redebeitrag die letzten fünf Minuten erhalten. Einer der Menschen am Lincoln Memorial war Raymond Kemp, damals Theologiestudent unmittelbar vor der Ordination. Elf Minuten, nachdem Baptistenpfarrer King mit seiner Ansprache begonnen hatte, passierte etwas Außergewöhnliches.

Kemp erinnert sich: "Irgendjemand rief von hinten - ich bin mir nicht sicher, ob es Mahalia Jackson war -, jedenfalls rief jemand: 'Sag es ihnen, Martin, sag es ihnen!' Und das ist die Stelle, an er sein Manuskript verlässt und sagt, woran Sie und ich uns am besten erinnern, an dieses faszinierende Stück Redekunst."

"Ich habe einen Traum", skandierte King, "dass eines Tages die Söhne ehemaliger Sklaven und die Söhne ehemaliger Sklavenbesitzer auf den roten Hügeln von Georgia gemeinsam am Tisch der Brüderlichkeit Platz nehmen können."

50 Jahre Marsch auf Washington
A. Horchler, HR Washington
24.08.2013 09:55 Uhr

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Dieser Text gehört wohl zu den bekanntesten Reden der Welt. Nados Iyob, deren Eltern aus Afrika in die USA gekommen sind, hat eine Vorstellung davon, was vor 50 Jahren auf der National Mall in Washington geschehen ist: "Schwarze und weiße Kinder, die Hände halten - das ist wahr geworden. So weit sind wir schon gekommen. Aber wir haben noch einen Weg, einen kleinen Weg vor uns. Das ist enttäuschend, aber mit der Zeit werden wir das Ziel erreichen."

Stand: 24.08.2013 12:18 Uhr

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