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Ausland
Volkszorn über Preiserhöhungen in Marokko
Gestiegene Lebensmittelpreise in Marokko

"Bürger sind in jämmerlicher Lage"

Auch in Marokko leiden die Menschen unter den teils enormen Erhöhungen der Lebensmittelpreise. Ihr Zorn richtet sich vor allem gegen die Monopolisten auf dem marokkanischen Markt. Ihnen wird vorgeworfen, ihre Stellung brutal auszunutzen.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Sie stehen vor dem Parlament in Rabat und schreien. Strecken leere Milchtüten in den Himmel und schütteln sie im Takt. Es sind ein paar Hundert Demonstranten, die sich hier versammelt haben – unter den prüfenden Blicken der marokkanischen Polizei.

"Die Zwischenhändler sind die Nutznießer"

Demonstranten in Marokko (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Marokkanische Verbrauche demonstrieren gegen die gestiegenen Lebensmittelpreise. ]
"Die Bürger sind in einer jämmerlichen Lage. Sie sind zu allem bereit“, so Larbi Abibi von AMDH, einer Menschenrechtsorganisation. Er organisiert die Demonstrationen mit. Für ihn ist nicht nur der Weltmarkt an den Preiserhöhungen schuld. Mitverantwortlich seien auch die wenigen Konzerne, die den Markt in Marokko kontrollieren. "Die Kleinbauern verkaufen ihr Gemüse im Großmarkt, und bekommen zum Beispiel für ein Kilo Tomaten zwei, drei Dirham. Aber im Laden um die Ecke müssen Sie sechs Dirham bezahlen. Die Zwischenhändler sind mit ihren Spekulationen die Nutznießer."

"Die Großhändler in Marokko haben zuviel Macht"

Die marokkanische Regierung hat angekündigt, Preiskontrollen zu starten. So sollen Unternehmen davon abgehalten werden, die Preissteigerungen auszunutzen. Auch Driss Benali, Wirtschaftsprofessor in Rabat, sagt: Die Großhändler in Marokko haben zuviel Macht. "Man liberalisiert die Märkte in Ländern, in denen auch liberale Spielregeln gelten. Diese Spielregeln sind in Marokko nicht klar. Jene, die eine Monopolstellung besitzen, bestimmen die Regeln. Bei uns herrschen nicht die Regeln des Marktes."

Eine marokkanische Familie im Supermarkt (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Eine marokkanische Familie wählt Waren in einem Supermarkt aus. ]
Einige Produkte werden allerdings vom marokkanischen Staat reglementiert. Zucker, Benzin oder Mehl zum Beispiel. So darf ein Brot nicht mehr als 2 Dirham kosten, umgerechnet 20 Cent. Für viele Marokkaner ist das die Schmerzgrenze. Als im Herbst wegen der hohen Weizenpreise das Brot um ein Drittel teurer wurde, kam es zu heftigen Protesten. In der Stadt Sefrou warfen Demonstranten Schaufenster ein und setzten Autos in Brand. 300 Menschen wurden verletzt, Dutzende davon schwer. Der Staat steuerte gegen – die Preise für Brot sanken wieder auf Normalniveau. "Als das Brot so teuer war, konnte ich es mir nicht leisten“, sagt die Marokkanerin Keltum. "Ich habe für meine Familie in jenen Wochen selbst Brot backen müssen. Jetzt kaufe ich es wieder.

Finanzminister kündigt Reform an

In Zeiten der Preisexplosionen schlägt die Subventionspraxis aber immer tiefere Löcher in den Staatshaushalt. Der Umfang der Zuschüsse hat sich in Marokko in den vergangenen sechs Jahren verfünffacht. So kann es nicht weitergehen, meint auch der Finanzminister des Landes, Salaheddine Mesouar. Und hat für den Sommer eine Reform des Subventionssystems angekündigt. Denn von den Zuschüssen profitieren vor allem jene, die am meisten konsumieren – die Reichen, die sich auch höhere Preise leisten könnten.

Stand: 14.04.2008 20:50 Uhr

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