Protest vor dem Kapitol in Washington gegen das US-Waffenrecht | Bildquelle: AP

"Marsch für unser Leben" Weltweiter Protest gegen US-Waffenrecht

Stand: 24.03.2018 03:22 Uhr

Sechs Wochen nach dem Massaker an einer Schule in Parkland mit 17 Toten wird der Protest gegen die US-Waffengesetze lauter. Beim "Marsch für unser Leben" wollen Hunderttausende weltweit demonstrieren.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington

Seit Tagen sind die Schüler der Marjorie Douglas Stoneman High School schon in der US-Hauptstadt unterwegs, um die Großveranstaltung vorzubereiten. Zu erkennen sind sie an ihren rotbraunen T-Shirts, die angesichts der kalten Temperaturen in Washington allerdings unter Jacken verschwunden sind. Die Stoneman-Schüler trafen sich mit Vertretern örtlicher Schulen und Hinterbliebenen von Opfern durch Waffengewalt.

"Schießereien können nicht Normalität bleiben"

Der Schüler Sam Zeif im Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS
galerie

Parkland-Schüler Sam Zeif sprach bereits im Weißen Haus

Bei Medienauftritten ist Sam Zeif, Stoneman-Aktivist der ersten Stunde, nur sechs Wochen nach dem Attentat auf seine Schule schon ein alter Hase. Im Fernsehsender CNN fasste er die Forderungen der Schüler noch einmal zusammen: "Wir wollen gar nicht den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, aber dort ist von einer gut geregelten Miliz die Rede und nicht von 300 Millionen willkürlich im Land verteilten Waffen", sagte Zeif. "Wir wollen den Leuten ihre Waffen gar nicht streitig machen, es geht uns um bestimmte Tötungsmaschinen, die bei Zivilisten nichts zu suchen haben."

Für seine Mitschülerin Lizzie Eaton geht es darum, bei dem Protestmarsch Solidarität zu finden und nach vorne zu schauen: "Wir wollen mit anderen Schülern in Kontakt kommen, aber auch mit älteren Menschen, unser Leid teilen und zeigen, dass diese vielen Schießereien nicht unsere Normalität bleiben können."

Vorbereitungen in Washington für den "Marsch für unser Leben" | Bildquelle: AFP
galerie

Aktivisten bei den Vorbereitungen zum "Marsch für unser Leben"

Nicht nur Schüler auf der Straße

Und in der Tat - nicht nur Schüler werden heute durch Washington marschieren. Die 86-jährige Tina Hobson etwa hat ihren Pensionärsklub mobilisiert. Die Damen wollen als "Grannies for Gun Control" - Omas für mehr Waffenkontrolle - für ihre Enkel einstehen. Nördlich der National Mall, an der die Museen und Denkmäler der Hauptstadt liegen, ist das Regierungsviertel weiträumig abgesperrt.

An der Protestmeile liegt auch das Weiße Haus, doch dort werden die Rufe der Demonstranten ungehört verhallen. Denn US-Präsident Donald Trump verbringt das Wochenende, an dem es rund um seinen Wohnsitz unruhig werden wird, lieber in seinem Golfhotel Mar-a-Lago in Florida.

"Diese Bewegung bewirkt etwas"

Am Freitag unterzeichnete der Präsident einen 1,3 Billionen Dollar Haushaltsplan, der auch einige moderate Maßnahmen für schärfere Waffengesetze umfasst. Dem demokratischen Kongressabgeordneten Ted Deutch geht das nicht weit genug. Der Politiker aus Florida will mit den Schülerinnen und Schülern aus Parkland auf die Straße gehen: "Diese Kinder werden etwas bewegen. Und ja, die Waffenlobby NRA wird weiter quertreiben und sich gegen jegliche Regulierung stemmen", glaubt der Politiker. "Aber diese Bewegung bewirkt etwas, zum Beispiel bei Unternehmen. Erst gestern hat etwa Citibank die Statuten geändert, dass man mit ihrer Kreditkarte Waffen nur noch eingeschränkt kaufen kann. Immer mehr Unternehmen fallen von der NRA ab und ändern ihre Haltung zu Waffen."

Angehörige erinnern vor dem "Marsch für unser Leben" an die bei dem Massaker getötete Schülerin Alyssa Alhadeff. | Bildquelle: AP
galerie

Angehörige erinnern in Washington vor dem "Marsch für unser Leben" an die bei dem Massaker getötete Schülerin Alyssa Alhadeff.

Gesponsert wird der "Marsch fürs Leben" auch von zahlreichen Unternehmen wie der liberalen Eiscremefirma "Ben & Jerrys", dem Taxidienst "Lyft" oder der Dating App "Bumble".

Auch Prominente von Steven Spielberg bis George Clooney haben großzügig gespendet. Social Media-Stars wie Kim Kardashian oder Cardi B posteten unterstützende Statements unter dem Hastag #marchforourlives. Vor dem Kapitol in Washington dabei sein werden heute etwa die Sängerinnen Miley Cyrus und Ariana Grande sowie Justin Timberlake.

Erst der Anfang?

Nicht nur in Washington, sondern an 800 Orten weltweit wird demonstriert, wie die Initiative "Everytown for Gun Safety" bekannt gegeben hat. Proteste sind auch in München, Berlin und Hamburg geplant.

Julia Cordover, Schülerin aus Parkland, glaubt, dass das erst der Anfang ist: "Der nächste Schritt wird sein, junge Leute dazu zu ermuntern, sich als Wähler zu registrieren und so ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Die Generationen der Zukunft müssen den Wandel auf den Weg bringen."

Marsch für unser Leben: Protest gegen US-Waffengewalt
Gabi Biesinger, ARD Washington
24.03.2018 00:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 24. März 2018 die tagesschau um 01:45 Uhr und WDR5 um 06:12.

Darstellung: