"March for Science" in Sydney | Bildquelle: REUTERS

"March for Science" Wissenschaftler gegen "alternative Fakten"

Stand: 22.04.2017 12:13 Uhr

Weltweit demonstrieren Wissenschaftler beim "March for Science" für eine unabhängige Forschung. Vor allem in den USA sorgen sie sich, unter Trump nicht mehr frei forschen zu können - zum Beispiel bei Themen wie Klimawandel oder Impfungen.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Zehntausende werden in mehr als 300 Städten in den USA erwartet, um gemeinsam für eine unabhängige Wissenschaft auf die Straße zu gehen. Sie sind alarmiert von den Einschränkungen, die Wissenschaftler unter der neuen US-Regierung bereits zu spüren bekommen, so Jonathan Overpeck, Klimaforscher an der University of Arizona: "Wir sehen, dass es eine Zensur dessen gibt, was Forscher, die für Regierungsorganisationen arbeiten, öffentlich oder im Internet sagen können."

Die Organisatoren des "March for Science" betonen, dass sie unparteiisch sind - unpolitisch ist die Demo aber nicht: Den Forschern bereitet die Kürzungsliste von Donald Trump Sorgen. Der US-Präsident ist kein Vorkämpfer für Wissenschaftler. So sind in seinem Haushaltsplan nicht nur deutliche Kürzungen vorgesehen bei Behörden wie der Environmental Protection Agency, die Klimaforschung finanzieren - der Rotstift wird auch im Gesundheitssektor angesetzt: Overpeck zufolge schockieren die Wissenschaftler die riesigen Kürzungen, die für das National Institute of Health angekündigt wurden. "Die sind der Motor hinter Forschungen im Gesundheitsbereich. Die vorgesehenen Kürzungen sind gigantisch", beklagt Overpeck. 20 Prozent des Budgets sollen gekappt werden.

Impfgegner Trump

Trumps Aussagen zum Klimawandel und zur Sicherheit von Impfungen ließen die Forscher aufhorchen, denn der US-Präsident ist ein Impfskeptiker. Obwohl mehrere Untersuchungen zu dem Ergebnis kamen, dass es zwischen Impfungen bei Kindern und Autismus keinen Zusammenhang gibt, warnt Trump genau davor.

"March for Science"

Weltweit wollen sich mehr als 600 Städte an der Aktion beteiligen - unter anderem in Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Dänemark, Island, Indien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Panama, Norwegen, Portugal, Südafrika, Südkorea, Uganda und der Schweiz.
In Deutschland soll es Aktionen in mindestens 18 Städten geben - in Berlin, Bonn, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Koblenz, Köln, Leipzig, München, Münster, Rostock, Stuttgart, Tübingen - sowie auf der Nordseeinsel Helgoland.

Trumps Haltung zur Forschung bringt ungewöhnlich viele Wissenschaftler so sehr auf, dass sie auf die Straße gehen und sich laut und deutlich zu Wort zu melden. Klimaforscher Overpeck hält die Politik der neuen US-Regierung nicht nur für demoralisierend, sondern wirklich für beunruhigend für Wissenschaftler. "Schließlich ist Forschung wichtig für unsere Wirtschaft und die anderer Länder." Zudem würden die Forscher daran arbeiten, Probleme der Menschheit zu lösen, so Overpeck.

Kritik an Protesten von Kollegen

Einige Wissenschaftler sehen die Proteste allerdings auch kritisch. Sie betonen, Wissenschaft müsse frei von politischer Leidenschaft sein. Ihre Sorge: die Demos könnten als parteiischer Angriff auf Trump und seine Anhänger verstanden werden.

Der "Women’s March" im Januar ist Vorbild für den "March for Science". Dennoch ist sich Overpeck nicht sicher, wieviele Menschen letztlich wirklich mit Plakaten demonstrieren gehen werden. Overpeck hofft, dass keine Demonstrationsmüdigkeit aufkommt. "Denn die Menschen haben noch anderes zu tun und wenn es jede Woche eine Demo gibt, könnte es schwer werden, dass weiter marschiert wird. Aber ich sehe, dass viele wirklich brennen - von Wissenschaftlern bis zu den Durchschnittsamerikanern mit ihren Kindern."

Auf der Seite der Organisatoren des "March for Science" gibt es auch Tipps für Forscher, die bei der US-Regierung angestellt sind, wie sie sich an den Protesten beteiligen können. Mehr und mehr Wissenschaftler engagieren sich inzwischen auch politisch, einige kandidieren sogar für politische Ämter.

Über dieses Thema berichtete DRadio Kultur am 22. April 2017 um 12:18 Uhr

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