Regierungssoldaten in der umkämpften philippinischen Stadt Marawi | Bildquelle: AFP

Kämpfe auf den Philippinen Armee befreit Marawi von Islamisten

Stand: 30.05.2017 15:07 Uhr

Nach einer Woche hat das Militär die Stadt Marawi im Süden der Philippinnen wieder unter Kontrolle gebracht. In einigen Stadtteilen halten sich allerdings noch islamistische Kämpfer versteckt. Fast alle 200.000 Bewohner waren geflohen.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Die philippinische Armee spricht von einem Erfolg: Nach einer Woche des Kampfes habe das Militär die Stadt wieder unter Kontrolle, sagte General Restituto Padilla, "unter kompletter Kontrolle - bis auf einige Bereiche".

In diesen Bereichen Marawis halten sich immer noch islamistische Kämpfer versteckt, in Häusern verschanzt, die Straßen mit Sprengsätzen gespickt. Mit Hubschraubern und Bodentruppen hat sich die Armee im Rest der Stadt vorgearbeitet und Viertel um Viertel befreit. Tausende Menschen waren noch eingeschlossen und hatten Angst zwischen den Fronten zu sterben.

Immer noch Schüsse

Ein Bewohner sagt, er sei dankbar, dass die Soldaten da sind. Doch aus anderen Vierteln sind immer noch Schüsse zu hören. Eine Frau berichtet, dass sie fliehen will: "Nach der schrecklichen Erfahrung, hier eingeschlossen zu sein, will ich nur weg", sagt sie. Fast alle 200.000 Bewohner Marawis sind geflohen, haben in umliegenden Orten Schutz gesucht. Hilfslieferungen sind unterwegs, viele haben nur das, was sie am Leibe tragen, viele sind unter widrigsten Bedingungen geflohen.

Nach der Geburt geflohen

Tarhati Mustari, eine junge Frau, die ihr neugeborenes Kind im Arm hält, hat sich direkt nach der Geburt auf den Weg gemacht. "Die Reise war so weit und anstrengend, dass ich krank geworden bin", sagt sie. Zum Glück gebe es hier Medikamente. "Ich hoffe, all das wird bald vorbei sein."


Damit der Terror den Flüchtlingen nicht folgt, hat das Militär strenge Sicherheitskontrollen eingerichtet. Denn es gab Warnungen, dass einige der Islamisten sich unter die fliehenden Bewohner der Stadt mischten, um ihr Zerstörungswerk auch an anderen Orten der südphilippinischen Insel Mindanao fortzusetzen.

Militärpanzer fährt durch die umkämpfte Stadt Marawi | Bildquelle: AFP
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Panzer des philippinischen Militärs fährt durch die umkämpfte Stadt Marawi

Angriffe zielen auf Christen


Die Gefechte hatten am Dienstag vor einer Woche begonnen, als die Armee den örtlichen Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) festnehmen wollte. Er sollte sich in Marawi versteckt halten. Daraufhin griffen die Rebellen ein Krankenhaus an, hissten die IS-Fahne und nahmen Christen als Geiseln. Ihr ursprüngliches Ziel sei es gewesen, Marawi niederzubrennen und während des islamischen Fastenmonats Ramadan möglichst viele Christen zu töten, sagte ein Armeesprecher.


Mehrere Rebellengruppen im Süden der Philippinen haben sich im vergangenen Jahr dem IS angeschlossen. Auch ausländische Kämpfer waren dazugestoßen. Experten fürchten, dass die Terrororganisation jetzt ein erstarkendes Sammelbecken bietet und auf Mindanao seine Präsenz verstärken wird.

Islamisten-Gefechte in Südphilippinen
L. Bodewein, ARD Singapur
30.05.2017 12:05 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 30. Mai 2017 um 08:39 Uhr im Deutschlandfunk.

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