Charles Manson (Archiv)  | Bildquelle: AP

Sektenführer und Mörder Charles Manson ist tot

Stand: 20.11.2017 10:20 Uhr

Er war Sektenführer und einer der berüchtigsten Mörder der USA: Nun ist Charles Manson im Alter von 83 Jahren gestorben. 1969 sorgte Manson weltweit für Entsetzen, als seine Anhänger die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate sowie sechs weitere Menschen töteten.

Der US-Sektenführer und Kriminelle Charles Manson ist tot. Er starb am Sonntagabend in einem Krankenhaus in Kern County, wie die kalifornische Gefängnisbehörde mitteilte. Manson wurde 83 Jahre alt.

Charles Manson gehörte zu den bekanntesten Kriminellen der amerikanischen Justizgeschichte. Er hatte nach eigener Aussage eine schwierige Kindheit. Die Mutter ging ins Gefängnis, als er fünf Jahre alt war. Er habe gelernt, niemanden etwas zu glauben, so Manson. Als junger Mann fiel er zunächst als Kleinkrimineller auf: Diebstahl, Betrug, später auch Zuhälterei. Er ging ins Gefängnis, kam auf Bewährung wieder frei.

Charismatischer Kommunenanführer

Ende der 1960er-Jahre ging er nach San Francisco. Es war die Zeit von Flower Power und Hippiekommunen. Manson versammelte eine Sekte um sich, die sogenannte Manson Family. Ihre Ansichten waren rassistisch geprägt.

1969 sorgte die Sekte weltweit für Entsetzen, als Mansons Anhänger die schwangere Schauspielerin Sharon Tate - die damalige Ehefrau von Regisseur Roman Polanski - brutal ermordeten. Mit ihr starben noch vier Gäste in ihrer Villa bei Los Angeles. In der folgenden Nacht wurden die Supermarktketten-Besitzer Leno und Rosemary LaBianca in deren Haus getötet.

Sharon Tate und Roman Polanski an ihrem Hochzeitstag im Januar 1968 | Bildquelle: AFP
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Sharon Tate und Roman Polanski an ihrem Hochzeitstag im Januar 1968

Todesstrafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt

Manson war nicht selbst am Tatort, wurde aber nach einem langen, spektakulären Mordprozess als Drahtzieher verurteilt. Als Mörder hat sich Manson selbst nie gesehen, erklärte er immer wieder in zahlreichen Interviews, die er im Gefängnis gegeben hat. "Ich habe niemanden umgebracht", sagte er. "Ich habe Leute, die das für mich erledigen. Ich muss es nur denken".

Im Frühjahr 1971 erhielten Manson und seine engsten Anhänger die Todesstrafe. Nach Aussetzung der Todesstrafe in Kalifornien wurde das Strafmaß später in lebenslange Haft umgewandelt.

Charles Manson kurz vor seinem 80sten Geburtstag. Das Hakenkreuz, das sich Manson vor Jahrzehnten auf die Stirn tätowieren ließ, ist noch deutlich zu erkennen. | Bildquelle: REUTERS
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Das letzte Foto von Charles Manson: Das Hakenkreuz, das er sich vor Jahrzehnten auf die Stirn tätowieren ließ, ist noch deutlich zu erkennen.

Mansons Mitangeklagte Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten im Jahr 1970. | Bildquelle: AP
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Mansons Mitangeklagte Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten.

Im Prozess sagte Manson aus, er habe einen "Rassenkrieg" anzetteln wollen, der seiner Meinung nach in dem Beatles-Song "Helter Skelter" vorhergesagt wurde. Im Laufe der Haft ließ er sich ein Hakenkreuz auf die Stirn tätowieren.

Seine Anhänger kamen ihm auch im Gefängnis nicht abhanden: Weibliche Mitglieder, wie seine Mitangeklagten Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten, hielten während des Prozesses loyal zu Manson, den sie als "Jesus Christus" verehrten. Viele Frauen schrieben ihm Liebesbriefe. 2014 hatte Manson sogar nochmal Pläne zu heiraten, daraus wurde aber offenbar nichts. Auch in der Popkultur gibt es zahlreiche Referenzen - der Rockmusiker Marilyn Manson benannte sich unter anderem nach ihm.

Keine Schuldgefühle

Reue verspürte Manson auch Jahrzehnte später nicht. Es gebe keinen Grund sich schuldig zu fühlen, so Manson. Er habe nichts gemacht, wofür er sich schämen müsste. "Ich hätte noch mehr Menschen töten sollen. So um die 500, dann würde ich mich jetzt besser fühlen. Dann hätte ich auch das Gefühl, der Gesellschaft was geboten haben." In vielen Interviews inszenierte sich Manson mal ungehalten, mal aggressiv oder verrückt. Zog Grimassen, schrie oder tanzte.

Manson saß zuletzt im Staatsgefängnis von Kalifornien in Corcoran ein. Eine Freilassung auf Bewährung wurde ihm bereits ein Dutzend Mal verwehrt. Die nächste Bewährungsanhörung war für das Jahr 2027 angesetzt. Bereits längere Zeit hatte er gesundheitliche Probleme und war gerade erst in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Dort starb er nach Behördenangaben eines natürlichen Todes.

Mit Informationen von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Charles Manson in Kalifornien gestorben
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
20.11.2017 09:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. November 2017 um 07:15 und 08:15 Uhr in den Nachrichten.

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