Verteidigung: Informant Manning handelte mit guten Absichten

Plädoyer der Verteidigung im Wikileaks-Prozess

Manning handelte mit "guten Absichten"

Mit den Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist der Prozess gegen Wikileaks-Informant Bradley Manning zu Ende gegangen. Die Verteidigung stellte den 25-Jährigen als naiven jungen Mann mit guten Absichten dar.

Der Soldat sei kein Verräter, sondern habe mit seinen Enthüllungen "eine weltweite Diskussion" über den Irakkrieg anstoßen wollen, sagte sein Anwalt David Coombs in seinem Schlussplädoyer. Manning habe gehofft, "dass sich auf Grundlage dieser Informationen die Dinge ändern würden".

Während seiner Stationierung im Irak habe Manning nach eigenen Angaben "schreckliche Dinge" miterlebt, sagte Coombs. Dem Soldaten liege sein Land am Herzen. Er habe gewollt, dass die US-Bürger die Wahrheit über Vergehen ihres Landes im Irak erfahren. Sein Mandant sei jung und naiv gewesen und bereit, den Preis für seine Handlungen zu zahlen.

Plakat fordert die Freilassung von Bradley Manning (Bildquelle: REUTERS)
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Ein Plakat fordert die Freilassung von Whistleblower Manning

Manning, der zwischen November 2009 und Mai 2010 in der irakischen Hauptstadt Bagdad stationiert war, hatte dort hunderttausende Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Darunter Protokolle der Kriege im Irak und in Afghanistan, Videoaufnahmen von Kriegsgräueln sowie Depeschen von US-Diplomaten aus aller Welt.

Der Soldat räumte die Weitergabe der Dateien ein und bekannte sich einer Reihe minder schwerer Anklagepunkte schuldig, darunter unerlaubte Aufbewahrung von Geheimdokumenten. Den Hauptvorwurf der Feindesunterstützung bestritt er dagegen.

Präzedenzfall Manning: Urteil kommende Woche
R. Sina, WDR Washington
27.07.2013 07:33 Uhr

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Vorwurf der "Unterstützung des Feindes"

Mit dem Teilgeständnis hatte Manning gehofft, einen Vergleich mit einer Haftstrafe von höchstens 20 Jahren erzielen zu können. Doch die Richterin Denise Lind hatte sich vergangene Woche geweigert, den besonders schweren Vorwurf der "Unterstützung des Feindes" fallenzulassen.

Die Anklage warf Manning in ihrem Schlussplädoyer vor, er sei "kein Enthüller, sondern ein Betrüger". Der 25-Jährige habe "mit dem Wissen, der Fähigkeit und dem Wunsch" gehandelt, den USA "bei ihren Kriegsanstrengungen zu schaden", sagte Militärstaatsanwalt Ashden Fein.

Das Schicksal des Whistleblowers liegt nun in den Händen von Richterin Lind. Bis Mitte kommender Woche soll sie entscheiden, in welchen der 21 Anklagepunkte der Soldat schuldig ist. Danach wird das Strafmaß festgelegt. Dass Manning hinter Gitter kommt, gilt als sicher.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juli 2013 um 12:00 Uhr.

Stand: 27.07.2013 01:29 Uhr

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