Bradley Manning wird abgeführt (Bildquelle: picture alliance / dpa)

Geteilte Reaktionen auf das Manning-Urteil Von "guter Tag" bis "unfairer Prozess"

Stand: 31.07.2013 14:25 Uhr

Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning ist in fast allen der mehr als 20 Anklagepunkte für schuldig erklärt, im am schwersten wiegenden Anklagepunkt jedoch überraschend freigesprochen worden. Das US-Militärgericht in Fort Meade erklärte den 25 Jahre alten Obergefreiten im Punkt "Unterstützung des Feindes" für nicht schuldig.

Trotz des umfassenden Schuldspruchs nahm die Verteidigung Mannings das Urteil positiv auf. "Heute ist ein guter Tag", sagte Verteidiger David Coombs laut einem Bericht der "Washington Post". "Dies ist ein riesengroßer Erfolg." Manning stünde aber weiterhin unter Beschuss.

Der Anwalt von Wikileaks-Informant Manning, David Coombs (r.). (Bildquelle: AP)
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Mannings Anwalt Coombs sprach von einem "riesengroßen Erfolg", ...

Julian Assange äußert sich in der ecuadorianischen Botschaft in London zu dem Manning-Urteil. (Bildquelle: AP)
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... Wikileaks-Gründer Assange von einem unfairen Prozess.

Assange: "Nie ein fairer Prozess"

Wikileaks-Gründer Julian Assange meldete sich aus der ecuadorianischen Botschaft in London zu Wort und beschuldigte die US-Regierung, eine Politik des "nationalen Sicherheits-Extremismus" zu betreiben. Manning sei die "wichtigste journalistische Quelle, die die Welt jemals gesehen hat" und das Urteil gegen ihn ein gefährlicher Präzedenzfall. "Dies war nie ein fairer Prozess", sagte Assange

Die Familie Mannings teilte in einem vom "Guardian" veröffentlichten Schreiben mit: "Brad liebte sein Land und war stolz, dessen Uniform zu tragen." Der Schuldspruch sei enttäuschend, doch es sei auch erfreulich, dass Manning auch nach Auffassung der Richterin den Feinden der USA niemals habe helfen wollen.

Amnesty International: "Er wollte das Richtige tun"

Eine Gruppe von Unterstützern des Wikileaks-Informanten Manning demonstriert vor dem Gerichtsgebäude in Fort Meade. (Bildquelle: AP)
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Manning-Unterstützer protestierten vor dem Gerichtsgebäude.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International reagierte mit Kritik. Im Kampf um die nationale Sicherheit habe die US-Regierung mit dem Prozess gegen Manning die falschen Prioritäten gesetzt. "Es scheint, dass er das Richtige tun wollte: rechtswidriges Verhalten der Regierung mit glaubwürdigen Beweisen aufdecken."

Nathan Fuller, der den Prozess für das Unterstützernetzwerk "Bradley Manning Support Network" beobachtete, zeigte sich überrascht und erleichtert angesichts des Freispruchs im am schwersten wiegenden Anklagepunkt. Trotzdem sei es ungeheuerlich, dass Manning möglicherweise Jahrzehnte im Gefängnis verbringen müsse. Demonstranten protestierten vor dem Gerichtsgebäude und forderten auf Schildern "Freiheit für Bradley Manning".

Mehr als 100 Jahre Gefängnis drohen

Mit dem Richterspruch droht Manning laut der Enthüllungsplattform Wikileaks eine Höchststrafe von 136 Jahren Gefängnis, eine vorzeitige Entlassung ist rechtlich aber möglich. Heute sollen die Beratungen über das Strafmaß beginnen, das voraussichtlich noch im August verkündet werden soll.

Für schuldig befand die Richterin den Angeklagten unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls. Auch wegen der Weitergabe eines Militärvideos, das im April 2010 für Aufsehen gesorgt hatte, wurde Manning für schuldig erklärt. Es zeigt, wie bei einem US-Hubschrauberangriff im Irak zehn Menschen getötet werden, darunter zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Größtes Datenleck der US-Geschichte

Manning (Bildquelle: dpa)
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Für die Weitergabe geheimer Dokumente drohen Manning Jahrzehnte hinter Gittern.

Manning war zwischen November 2009 und Mai 2010 in der irakischen Hauptstadt Bagdad stationiert. Dort hatte er 700.000 geheime Dokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt - und damit das größte Datenleck der US-Geschichte verursacht. Unter den Dokumenten waren Protokolle der Kriege im Irak und in Afghanistan, mehr als 250.000 vertrauliche Depeschen von US-Diplomaten aus aller Welt sowie Videoaufnahmen von Kriegsgräueln.

Manning wurde im Mai 2010 verhaftet. In dem seit Juni laufenden Prozess räumte er die Weitergabe der Dateien ein und bekannte sich in zehn weniger schweren Anklagepunkten schuldig, darunter unerlaubte Aufbewahrung von Geheimdokumenten, Spionage und Computerbetrug. Den Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes bestritt er dagegen.

Wikileaks-Informant Manning in 19 von 21 Punkten schuldig gesprochen
nachtmagazin 00:00 Uhr, 31.07.2013, Christian Blenker, ARD Washington

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Verräter oder Weltverbesserer?

Für die Militär-Staatsanwaltschaft sowie Teile von Politik, Medien und Öffentlichkeit ist Manning ein Verräter, der mit den Enthüllungen sensibler Dokumente bewusst seinem Land schaden wollte. So erklärte die Staatsanwaltschaft, die Informationen gefährdeten die nationale Sicherheit und Geheimdiensteinsätze der USA.

Mannings Unterstützer halten den jungen Soldaten dagegen für einen mutigen Kämpfer für Transparenz. Seine Verteidigung schilderte ihn zuletzt als "jungen und wohlmeinenden Bürger". Sie sieht die gut gemeinte, wenn auch naive Intention, die öffentliche Debatte über das diplomatische und militärische Vorgehen der USA in Afghanistan und dem Irak zu vertiefen.

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