Manning (Bildquelle: AFP)

Urteil im Fall Manning Schuldig, aber keine Todesstrafe

Stand: 07.08.2013 08:45 Uhr

Die Todesstrafe ist abgewendet: Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning ist vom US-Militärgericht in Fort Meade vom Vorwurf der "Unterstützung des Feindes" freigesprochen worden. Dies war der schwerwiegendste der 21 Anklagepunkte gewesen.

In 19 Punkten sprach Richterin Denise Lind den 25-Jährigen dagegen schuldig. Damit droht dem Obergefreiten eine Freiheitsstrafe von mehr als hundert Jahren. Mit dem Strafmaß will sich das Gericht ab Mittwoch befassen.

Größtes Datenleck der US-Geschichte

Manning (Bildquelle: dpa)
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Dem Wikileaks-Informanten Manning drohen mehr als hundert Jahre Haft.

Manning war zwischen November 2009 und Mai 2010 in der irakischen Hauptstadt Bagdad stationiert. Dort hatte er 700.000 geheime Dokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt - und damit das größte Datenleck der US-Geschichte verursacht. Unter den Dokumenten waren Protokolle der Kriege im Irak und in Afghanistan, mehr als 250.000 vertrauliche Depeschen von US-Diplomaten aus aller Welt sowie Videoaufnahmen von Kriegsgräueln. Eines dieser weitergegebenen Videos zeigt einen Hubschrauberangriff auf eine Menschenmenge 2007 in Bagdad. Unter den Opfern waren auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Manning wurde im Mai 2010 verhaftet. In dem seit Juni laufenden Prozess räumte er die Weitergabe der Dateien ein und bekannte sich in zehn weniger schweren Anklagepunkten schuldig, darunter unerlaubte Aufbewahrung von Geheimdokumenten, Spionage und Computerbetrug. Den Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes bestritt er dagegen.

Wikileaks-Informant Manning in 19 von 21 Punkten schuldig gesprochen
nachtmagazin 00:00 Uhr, 31.07.2013, Christian Blenker, ARD Washington

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Verräter oder Weltverbesserer?

Für die Militär-Staatsanwaltschaft sowie Teile von Politik, Medien und Öffentlichkeit ist Manning ein Verräter, der mit den Enthüllungen sensibler Dokumente bewusst seinem Land schaden wollte. So erklärte die Staatsanwaltschaft, die Informationen gefährdeten die nationale Sicherheit und Geheimdiensteinsätze der USA.

Mannings Unterstützer halten den jungen Soldaten dagegen für einen mutigen Kämpfer für Transparenz. Seine Verteidigung schilderte ihn zuletzt als "jungen und wohlmeinenden Bürger". Sie sieht die gut gemeinte, wenn auch naive Intention, die öffentliche Debatte über das diplomatische und militärische Vorgehen der USA in Afghanistan und dem Irak zu vertiefen.

Wikileaks: "Sicherheitsextremismus der Regierung"

Plakat fordert die Freilassung von Bradley Manning (Bildquelle: REUTERS)
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Proteste gegen Manning-Prozess: Ein Plakat fordert die Freilassung des Whistleblowers.

Wikileaks verurteilte den Schuldspruch von Manning. Dies zeige den "gefährlichen, nationalen Sicherheitsextremismus der Regierung" von Präsident Barack Obama, schrieb die Organisation auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Wikileaks gehört zu den schärfsten Kritikern des Prozesses gegen Manning. Nach Aussage von Wikileaks-Gründer Julian Assange war dessen Verbrechen, dass er die Wahrheit sagte.

Vor dem Militärlager von Fort Meade gab es vor und nach der Urteilsverkündung Proteste mehrerer Dutzend Anhänger Mannings.

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