Zwei Polizisten stehen an einer Absperrung | Bildquelle: AFP

Anschlag in Manchester Handelte der Attentäter doch allein?

Stand: 31.05.2017 11:24 Uhr

Nach dem Anschlag von Manchester äußerte die Polizei den Verdacht, der Täter könne Teil eines ganzen Terror-Netzwerkes sein. Doch nun kommen den Ermittlern offenbar Zweifel an der eigenen Theorie. Drei Festgenommene wurden unterdessen wieder freigelassen.

Rund eine Woche nach dem Anschlag auf einem Pop-Konzert im britischen Manchester hegen die Ermittler Zweifel, ob der Attentäter wirklich Teil eines größeren Terror-Netzwerkes war. Der Verdacht sei nach wie vor nicht auszuschließen, hieß es von der Anti-Terror-Polizei. Allerdings habe sich der Täter, Salman Abedi, die meisten Teile für den von ihm gebauten Sprengsatz selbst besorgt. Zudem habe der 22-Jährige seit seiner Einreise vier Tage vor der Tat bis zum Anschlag "viele Bewegungen und Handlungen alleine vorgenommen".

Laut Polizei arbeiten derzeit mehr als 1000 Beamte an dem Fall. Beweisstücke würden untersucht und Zeugen befragt. Ein besonderes Augenmerk habe sich auf Abedis "letzte Bewegungen" vor der Tat gerichtet. Dazu hätten Experten Bilder von Überwachungskameras und Daten von Mobiltelefonen ausgewertet.

Mit Hilfe von Experten könne sich die Polizei inzwischen auch ein gutes Bild davon machen, wie die benutzte Bombe zusammengesetzt war und wo die einzelnen Teile hergekommen seien, hieß es. Dennoch: "Es werden lange Ermittlungen sein, und es wird noch eine Weile dauern, bevor wir voll und ganz verstehen, was passiert ist", sagte Russ Jackson von der Anti-Terror-Polizei.

Drei Verdächtige freigelassen

Bei dem Attentat in der Manchester Arena waren am Montagabend der vergangenen Woche 22 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden, darunter etliche Minderjährige. Der Attentäter kam bei dem Anschlag ebenfalls ums Leben. Nach dem Anschlag äußerte die Polizei die Vermutung, ein Terror-Netzwerk stecke hinter der Tat, zu der sich die Extremistengruppe "Islamischer Staat" bekannt hatte.

Im Rahmen der Ermittlungen wurden 14 Verdächtige in Polizeigewahrsam genommen, darunter auch Abedis älterer Bruder Ismail. In Libyen wurden ein anderer Bruder und der Vater festgesetzt. Drei der in Großbritannien festgenommenen Verdächtigen wurden inzwischen wieder freigelassen. Gegen die Männer im Alter von 20, 24 und 37 Jahren wird laut Polizei nicht weiter ermittelt.

Benefizkonzert für Opfer

Unterdessen kündigte die Sängerin Ariana Grande, auf deren Konzert der Anschlag verübt worden war, ein Benefizkonzert für die Opfer an. Viele weitere Stars, darunter Katy Perry, Justin Bieber, Miley Cyrus, Pharrell Williams sowie die Bands Coldplay und Take That, werden bei dem Konzert dabei sein, wie die Organisatoren ankündigten. Der Erlös unter dem Motto "One Love Manchester" soll an einen Nothilfefonds gehen, den die Stadt Manchester und das Britische Rote Kreuz nach dem Anschlag eingerichtet hatten.

"Wir werden den Hass nicht gewinnen lassen. Als Antwort auf diese Gewalt müssen wir enger zusammenrücken, uns gegenseitig helfen, mehr lieben, lauter singen und gütiger und großzügiger leben als zuvor", sagte Grande. Die Anschlagsopfer würden ihr immer im Gedächtnis bleiben, so die Sängerin weiter. Grande-Fans, die am Abend des Anschlags in der Arena dabei waren, können umsonst an der Veranstaltung teilnehmen. Das Event findet nur wenige Kilometer vom Ort der Tragödie auf dem Cricketgelände von Old Trafford in der nordenglischen Metropole statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Mai 2017 um 05:30 Uhr.

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