Britische Sicherheitskräfte in London | Bildquelle: REUTERS

Anschlag in Manchester US-Geheimdienste erhalten wieder Infos

Stand: 26.05.2017 12:02 Uhr

Empört reagierten britische Behörden darauf, dass US-Geheimdienste Informationen zum Anschlag in Manchester an die Medien weitergegeben hatten. Sie beendeten die Zusammenarbeit. Nun legten sie den Streit jedoch nach nur einem Tag bei. Derweil nahm die Polizei einen weiteren Verdächtigen fest.

Die britischen Behörden wollen vertrauliche Informationen zum Manchester-Anschlag nun doch wieder mit den USA austauschen. Der Chef der britischen Anti-Terror-Abteilung, Mark Rowley, sagte, seine Einheit habe "neue Zusagen" bekommen und arbeite nun wieder eng mit seinen weltweit Verbündeten zusammen. Explizit bezog er sich auf die USA, die im Zuge des Geheimdienstbundes "Five Eyes" darunter zu zählen seien.

Premierministerin Theresa May hatte zuvor im Gespräch mit US-Präsident Donald Trump die Verärgerung ihrer Sicherheitsbehörden deutlich gemacht. Die Briten hatten mit Unmut auf Leaks in der amerikanischen Presse zum Anschlag von Manchester reagiert. Unter anderem waren dort Fotos von Beweismitteln am Anschlagsort aufgetaucht - die britischen Ermittler verdächtigten US-Kollegen, die Informationen durchgestochen zu haben. Kritisiert wurde, dass so die Ermittlungen gefährdet würden.

US-Außenminister Rex Tillerson drückte bei seinem Kurzbesuch in London sein Bedauern über die Veröffentlichung heikler Informationen aus. Sein Land übernehme die "volle Verantwortung" für das Leck. "Die besondere Beziehung unserer beiden Länder wird diesen bedauerlichen Vorfall sicherlich überstehen." Trump hatte gestern versprochen, den Vorfall zu überprüfen.

Weiterer Verdächtiger festgenommen

Derweil nahm die Polizei im Stadtteil Moss Side einen weiteren Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Attentat in Manchester fest. Es war die zehnte Festnahme in Großbritannien nach dem Anschlag. Darüber hinaus durchsuchten Sicherheitskräfte zwei Häuser in Moss Side und in der Stadt St. Helens westlich von Manchester. Ein 16-Jähriger aus dem Vorort Withington und eine 34-Jährige aus dem Stadtteil Blackley sind den Behörden zufolge inzwischen wieder ohne Anklage auf freiem Fuß. Insgesamt befinden sich acht Verdächtige im Alter zwischen 18 und 38 Jahren in Polizeigewahrsam. Was genau ihnen zur Last gelegt wird, teilte die Polizei nicht mit. In Libyen waren zuvor der Vater und der Bruder des Selbstmordattentäters festgenommen worden.

Auch vier Tage nach dem Anschlag gilt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien. Die Situation gelte als "kritisch", solange die Ermittlungen im Gange seien, sagte Innenministerin Amber Rudd nach einer weiteren Krisensitzung in London. Die Warnstufe "kritisch" bedeutet, dass ein Anschlag "unmittelbar erwartet" wird. Die Polizei kann deshalb bei Bedarf Hilfe vom Militär anfordern. Es ist das erste Mal seit 2007, dass die höchste von fünf Warnstufen in Großbritannien ausgerufen wird.

Bei dem Attentat waren am Montagabend 22 Menschen und der mutmaßliche Attentäter getötet worden. Der als Täter vermutete Salman Abedi soll einer Verwandten zufolge Briten als "Ungläubige" bezeichnet haben. Er habe sich dem Extremismus zugewandt, nachdem er im vergangenen Jahr gesehen habe, wie ein Freund ermordet wurde. Er habe sich darüber beklagt, dass es keine Empörung über den Tod des Freundes gab und vermutet, dies habe an dem muslimischen Glauben des Toten gelegen.

In Libyen erklärte ein Sprecher der Anti-Terror-Einheit, Abedi habe wenige Stunden vor der Tat mit seiner Mutter telefoniert. "Verzeih mir" soll er dabei zu ihr gesagt haben. Der mutmaßliche Attentäter habe vermutlich alleine gehandelt und laut seinem jüngeren Bruder einen "Sieg für die Terrormiliz 'Islamischer Staat'" erringen wollen.

Über dieses Thema berichteten am 26. Mai 2017 NDR Info um 07:08 und 09:08 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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