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Vor Malta sind vermutlich 70 Flüchtlinge ertrunken, die aus Libyen nach Südeuropa gelangen wollten. Nach Angaben der acht Überlebenden lief ihr Schlauchboot in starkem Wellengang voll Wasser und spülte die Menschen über Bord.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Die Flüchtlinge waren vor gut einer Woche von Zuwara in Lybien aus mit einem größeren Schlauchboot in Richtung Europa gestartet. Das Schiff war vermutlich überladen, wie die meisten der Schlepperboote, die illegale Einwanderer nach Europa bringen.
[Bildunterschrift: Auf ihrer Flucht nach Europa nehmen es die meisten Afrikaner in Kauf, in überfüllte Boote zu steigen. Die Insassen dieses Schlauchboots wurden am 31. Juli vor der Insel Malta von der Küstenwache aufgegriffen. ]Zunächst ging das Trinkwasser aus, dann verlor das Boot den Motor und trieb in den immer höheren Wellen. Das berichtet Neil Falzon, der Vertreter des UN-Flüchtlingshochkommissariats auf Malta, der mit einigen der acht Überleben gesprochen hat. Demnach schlug das Boot irgendwann voll Wasser. 70 der 78 Insassen wurden über Bord gespült, unter ihnen auch mehrere Schwangere. Maltesischen Fischern gelang es schließlich, die Überlebenden aus dem schon halbgesunkenen Kahn zu retten.
Von Malta aus läuft zwar eine größere Suchaktion. Da das Wetter jedoch sehr schlecht ist, ist wohl kaum damit zu rechnen, dass die Seenotretter Erfolg haben.
Die acht Überlebenden des Unglücks wurden ins Haftlager Safi auf Malta gebracht. Nach Angaben von Falzon sind sie gesundheitlich und psychisch in einem sehr schlechten Zustand. Mindestens zwei von ihnen haben bei dem Unglück Familienangehörige verloren. Sie bräuchten dringend qualifizierte Versorgung.
Wenn sich die Zahlen bestätigen, sagte die UNHCR-Sprecherin Laura Boldrini in Rom, dann sei das ein Unglück, vergleichbar mit einem Flugzeugabsturz. Überlebenden so einer Katastrophe würden normalerweise Hilfe und psychologische Unterstützung angeboten, bei illegalen Einwanderern sei das jedoch nicht so. Ein Grund dafür ist auch, dass Maltas Regierung einen rigiden Kurs gegen Flüchtlinge aus Afrika fährt. Wer die Insel erreicht, kommt in der Regel in Haft und wird anschließend ausgewiesen.
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