Eine Frau verlässt das Flugzeug über eine Gangway. | Bildquelle: REUTERS

Großeinsatz auf Malta Passagiere verlassen entführten Flieger

Stand: 23.12.2016 15:00 Uhr

Alle Passagiere haben das libysche Flugzeug verlassen, das nach Malta entführt worden war. Es sollen aber noch Crew-Mitglieder an Bord sein. Das Flugzeug war auf einem Inlandsflug in Libyen unterwegs, als es gekidnappt wurde.

Nach der Entführung einer libyschen Passagiermaschine nach Malta sind alle festgehaltenen Passagiere frei. Das teilte das maltesische Staatsfernsehen mit. Mit den Entführern an Bord sind aber noch Crew-Mitglieder. Ob vor der Freilassung der Passagiere eine Einigung mit den Entführern erzielt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Die Türen der Passagiermaschine der der staatlichen libyschen Fluggesellschaft Afriqiyah Airways öffneten sich um 13.44 Uhr. Anschließend wurde eine Treppe herangefahren, damit die Passagiere von Bord gehen konnten.

Ein Vertreter von Afriqiyah Airways, Serradsch al-Fituri, sagte dem Fernsehsender Al-Arabija, dass die zwei Entführer ihre Bereitschaft gezeigt hätten, Passagiere freizulassen. Al-Fituri ergänzte, dass unter den Passagieren möglicherweise ein libyscher Abgeordneter sei. Er habe auf der Flugliste gestanden. Es sei aber unklar, ob er den Flug auch wirklich angetreten habe.

Nach Angaben der "Times of Malta" befand sich die Maschine mit 111 Passagieren und sieben Crew-Mitgliedern an Bord auf einem Inlandsflug von Sabha nach Tripolis. Der Airbus A320 war um 11.32 Uhr in Malta gelandet.

In einem Tweet der ARD-Korrespondentin Ellen Trapp ist die Landung des Flugzeugs zu sehen.

ellen trapp @elltra
#Malta - in #Libyen entführtes Flugzeug gelandet https://t.co/YuWD7h7bkK

Geiselnehmer drohen mit Sprengung

Der staatliche Fernsehsender TVM berichtete, dass die beiden Entführer Handgranaten bei sich hätten und drohten, die Maschine in die Luft zu sprengen. Details zu Forderungen der Angreifer oder ihrem möglichen Motiv gab es zunächst nicht.

Maltas Regierung hatte bestätigt, dass zwei Geiselnehmer an Bord sind. Medienberichten zufolge handelt es sich um Anhänger des vor fünf Jahren gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi. Sie sollen verlangt haben, dass Gaddafis Sohn Saif al-Islam in Libyen auf freien Fuß kommt.

Gaddafis Sohn war 2015 zum Tod durch Erschießen verurteilt worden, unter anderem wegen der Anstiftung zum Mord und wegen Vergewaltigung. Sein Vater wurde 2011 gestürzt und getötet. Seit dem Aufstand kämpfen mehrere bewaffnete Gruppen in dem Land um die Macht.

Anderen Berichten zufolge forderten die Entführer, eine politische Partei in Libyen gründen zu dürfen - und gleichzeitig Asyl in Europa zu erhalten.

Libyens international anerkannte Regierung bestätigte die Entführung, wie die amtliche Nachrichtenagentur Lana meldete. Allen Passagieren gehe es gut, hieß es unter Berufung auf Kreise im Außenministerium. Der Außenminister sei in Kontakt mit der maltesischen Regierung.

Joseph Muscat @JosephMuscat_JM
Informed of potential hijack situation of a #Libya internal flight diverted to #Malta. Security and emergency operations standing by -JM

Deutsche Flüge werden umgeleitet

Der Flughafen auf Malta stellte seinen Betrieb weitgehend ein. Zahlreiche Maschinen wurden und werden umgeleitet. Dies hat auch Auswirkungen auf deutsche Verbindungen. Mindestens fünf Flugzeuge auf dem Weg nach Malta seien zum Flughafen Catania auf Sizilien geleitet worden, schrieb der Flughafen auf seiner Internetseite.

Für weitere acht Flieger wurde kein alternatives Ziel angegeben, darunter fünf Maschinen aus Frankfurt am Main, eine davon von der Lufthansa. Vier weitere Flieger von Malta nach Frankfurt am Main - darunter ebenfalls eine Lufhansa-Maschine - werden als verspätet angegeben.

Einige Passagiere verlassen entführtes libysches Passagierflugzeug
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
23.12.2016 15:19 Uhr

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Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2016 um 15:20 Uhr.

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