Zugestellte Straßen auf Mallorca (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa

100.000 Autos zusätzlich Mietwagenschwemme auf Mallorca

Stand: 02.08.2017 20:05 Uhr

Viele Mallorca-Urlauber wollen vor allem Sonne und Meer - immer mehr Touristen möchten aber auch die Insel mit dem Mietwagen erkunden. Mit den Rekord-Besucherzahlen ist auch die Mietwagenflotte gewachsen - und damit das Verkehrsproblem.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid, zzt. Mallorca

Wer mit dem Auto nach "Es Trenc" will, muss gute Nerven haben. Der berühmte Naturstrand im Süden Mallorcas ist bei Urlaubern extrem beliebt, sie kommen jetzt im Sommer zu Tausenden mit ihren Mietwagen - und sorgen für ein Verkehrschaos auf dem Parkplatz.

Joaquin Valdivieso ärgert sich darüber. Er engagiert sich in der Umweltschutzgruppe "Terraferida". "Wir haben ein großes Problem: Das Straßennetz der Balearen ist absolut überlastet", sagt er. "Ein Grund dafür sind die vielen Mietwagen. Sie machen etwa ein Drittel des gesamten Verkehrs aus, jetzt im Sommer sogar die Hälfte."

Viele Mietwagen fahren schwarz

Joaquin Valdivieso (Foto: Oliver Neuroth)
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Umweltaktivist Joaquin Valdivieso sieht die Behörden in der Pflicht.

Die Inselregierung schätzt, dass in diesem Jahr etwa 100.000 Mietautos auf den Straßen Mallorcas fahren. Offiziell registriert sind aber nur rund 40.000. Die Differenz werden über einen "Mietwagenschwarzmarkt" abgedeckt, sagt Joaquin: Viele Autos, die auf Mallorca vermietet werden, seien auf dem Festland gemeldet - so könnten die Anbieter Steuern sparen. "Der Mietwagensektor ist völlig außer Kontrolle", beschwert er sich. "Ich komme mir manchmal vor wie im Wilden Westen. Die Behörden sind entweder nicht in der Lage, das Ganze zu kontrollieren, oder sie wollen diesen Markt nicht regulieren."

Eindämmung juristisch kaum möglich

Vor wenigen Wochen geisterten Meldungen durch die Medien, wonach die Inselregierung für nächstes Jahr ein Mietwagenlimit plane. Inzwischen räumt das Tourismusministerium ein, dass eine solche Grenze wohl kaum durchzusetzen wäre. In der EU sei es jedem Unternehmen möglich, seine Waren von A nach B zu transportieren - im konkreten Fall also Mietautos vom Festland nach Mallorca. Das könne man nicht verbieten.

Clara gibt sich damit nicht zufrieden, sie fordert ein Limit für Mietwagen. Die Mallorquinerin erzählt, wie sie im Bergdorf Sóller kürzlich fast verzweifelt wäre: "An Tagen, die etwas bewölkt sind, gehen die Leute nicht an den Strand, sondern stürzen sich auf den Ort. Das führt zu einem Kollaps der Straßen, nirgendwo findet man mehr einen Parkplatz - ein Desaster. Ich musste letztens zum Zahnarzt und aus dem Auto in der Praxis anrufen, dass ich zu spät komme - wegen der Parkplatzssuche."

Lieber mal ins Hinterland...

Zugestellte Straßen auf Mallorca (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Auch in den Orten wird es zunehmend schwieriger, Parkplätze zu finden

Für Detlef Wenzel aus Wolfsburg sind die Mietwagen dagegen kein großes Problem. Er macht zum 50. Mal Urlaub auf der Insel - und empfiehlt, nicht nur in den Badeorten zu bleiben, sondern einmal ins grüne Hinterland Mallorcas zu fahren, und zwar mit einem Mietwagen: "Ich finde es gut, weil die Leute sich dann auch die andere Insel mal anschauen. Die sind ja nicht nur mit dem Mietwagen vom Flughafen hierher unterwegs an die Playa - sondern die wollen sich dann mal was anschauen."

... am besten mit dem Bus

Doch die Tour ins Hinterland muss gar nicht unbedingt mit dem Mietwagen sein. Die Inselregierung hat neue Busrouten etabliert - vom Flughafen und den Touristenzentren direkt zu beliebten Sehenswürdigkeiten und Stränden. Das begrüßen auch die Umweltschützer rund um Joaquin, denn in einen Bus passen so viele Urlauber wie in 15 Mietwagen - wenn sie vollbesetzt sind.

Mallorca und die Mietwagenschwemme
Oliver Neuroth, ARD Madrid
02.08.2017 17:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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