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28.05.2012

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Ausland
Mali: Tuareg-Aufstand treibt Zehntausende in die Flucht
In Mali eskalieren Gefechte zwischen Rebellen und Armee

Ausgediente Libyen-Kämpfer befeuern Tuareg-Aufstand

Sie sind schwer bewaffnet und haben Kämpfen gelernt: Tuareg-Rebellen, die in Libyen vor allem in der Gaddafi-Armee gedient haben. Nun kommen sie zurück in ihre Heimat Mali und unterstützen den Kampf für ein autonomes Gebiet im Norden des Landes. Die Folge: Zehntausende Menschen flüchten - auch in die bitterarmen Nachbarländer.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Laut dem Roten Kreuz sind mindestens 30.000 Menschen aus dem Norden Malis in andere Landesteile geflüchtet. Manche sind bei Freunden oder Verwandten untergekommen, andere müssen teils in notdürftig zusammengezimmerten Zelten übernachten.

Viele suchten auch in den Nachbarländern Zuflucht: Etwa 9000 Menschen in Mauretanien, 3000 in Burkina Faso - und 10.000 in Niger. "Unser Präsident und unsere Regierung haben immer gesagt, dass der Niger ein gastfreundliches Land ist", sagte der Präsident der Nationalversammlung des Niger, Ama Amadou, im Fernsehsender TV5. "All jene, die direkt oder indirekt vom Krieg betroffen sind oder deren Leben bedroht ist, nehmen wir bei uns auf. Auch wenn wir selbst in einer schwierigen Lage sind."

Der Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Wegen schlechten Ernten sind die Getreidespeicher leer, dem Land droht dieses Jahr eine Hungersnot.

Tuareg-Flüchtlinge an der Grenze zwischen Mali und Niger. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Flüchtlingscamp im Westen Nigers an der Grenze zu Mali: Vor allem Angehörige des Nomadenvolkes der Tuareg...]
Tuareg-Flüchtlinge an der Grenze zwischen Niger und Mali. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ... sind vor den Kämpfen zwischen Rebellen und der Armee sowie vor befürchteten Rache-Akten geflüchtet.]
 

Tuareg-Flüchtlinge zwischen den Fronten

Unter den Flüchtlingen sind vor allem Angehörige der Tuareg. Sie sind vor den Kämpfen zwischen Rebellen und Armee geflohen. Und sie haben Angst, Opfern von Racheakten zu werden, büßen zu müssen für die Angriffe der Tuareg-Rebellen.

Diese Angst ist nicht unbegründet. Nahe der Hauptstadt Bamako plünderten Unbekannte Anfang Februar Häuser und Geschäfte von Tuareg-Familien. Anschließend brannten sie sie nieder.

Audio: Tuareg-Aufstand in Mali: Tausende auf der Flucht

AudioMarc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat 11.02.2012 10:45 | 4'18
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Die Wut richtet sich aber nicht nur gegen die Tuareg. Jeder Araber oder Afrikaner, der eine hellere Haut hat, gilt als potenzielle Zielscheibe. Präsident Amadou Toumani Touré rief im Fernsehen zur Besonnenheit auf: "Jene, die einige Orte und Kasernen im Norden angegriffen haben, dürfen nicht verwechselt werden mit unseren Landsleuten, die sich zu Mali bekennen. Ob sie nun zu den Tuareg, den Arabern oder der Ethnie der Peul gehören. Sie besitzen die gleichen Rechte und Pflichten!" Mittlerweile hat sich die Lage rund um die Hauptstadt Bamako wieder beruhigt. Aber die Angst unter den Tuareg bleibt.

Ein jahrzehntelanger Konflikt

Der Konflikt zwischen ihnen und der malischen Regierung ist schon Jahrzehnte alt. Die Tuareg werfen dem Staat vor, dass er ihre Kultur nicht anerkennt. Ihre neugegründete Rebellenbewegung MNLA fordert sogar einen eigenen Staat. Deswegen haben die Rebellen seit Mitte Januar mehrere Städte im Norden Malis angegriffen. Bei Gefechten mit Regierungstruppen soll es Dutzende Tote gegeben haben - es ist aber schwierig, das zu überprüfen.

Demonstranten in Malis Hauptstadt Bamako gegen die Untätigkeit der Regierung angesichts der Tuareg-Angriffe im Norden des Landes. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Demonstranten in Malis Hauptstadt Bamako gegen die Untätigkeit der Regierung angesichts der Tuareg-Angriffe im Norden des Landes. ]

Kämpfer aus Libyen bringen Waffen mit

Nach fast drei Jahren relativer Ruhe ist die Tuareg-Rebellion wieder aufgeflammt. Das sei kein Zufall, so der Pariser Afrika-Experte Pierre Boilley im Radiosender RFI: "Ein Grund dafür ist die Rückkehr von vielen Kämpfern aus Libyen. Diese Tuareg haben mehrheitlich Gaddafi unterstützt. Es gibt aber auch einige, die für den Nationalen Übergangsrat gekämpft haben. All diese Kämpfer haben viele Waffen mitgebracht. Damit haben die Tuareg die Möglichkeit, einen militärischen Arm zu gründen, was früher viel schwieriger war."

Der Rebellensprecher Moussa Ag Adtahrer weist zurück, dass es sich bei den Heimkehrern vor allem um Gaddafi-treue Söldner handelt. "Einige waren Soldaten in der libyschen Armee, manche sogar hochrangige Militärs. Als sie gemerkt haben, dass dies ein Krieg unter Libyern war, haben sie ihre Sachen und Waffen eingepackt und sind zu uns zurückgekommen."

Gefährliche Gegend

Der dünnbesiedelte Norden Malis war schon vor der Rebellion eine gefährliche Gegend. Kriminelle Banden treiben hier ihr Unwesen. Sie verdienen ihr Geld, indem sie Drogen, Zigaretten oder Medikamente oder Menschen schmuggeln. Immer wieder werden hier Ausländer entführt, oft im Namen der Terrorgruppe Al Kaida im Islamischen Maghreb.

Nach Einschätzung von Philippe Hugon, Afrika-Experte am Politikinstitut IRIS in Paris, ist die Gegend nun noch unsicherer geworden - auch wegen der Vielzahl an schweren Waffen. "Als die libysche Regierung auseinanderfiel, wurden Raketenwerfer oder Panzerabwehrraketen mitgenommen. Alle möglichen Gruppen hatten Zugang zu diesen Waffen, auch die Tuareg, die für Gaddafi kämpften. Diese Leute stehen auf einmal mit leeren Händen da, denn sie können natürlich nicht in die malische oder libysche Armee integriert werden. Deswegen haben sie sich dieser Rebellion angeschlossen."

"Wir haben schon genug Sicherheitsprobleme"

Der Krieg gegen Gaddafi hat nicht nur die Machtverhältnisse in Libyen neu geordnet. Seine Auswirkungen bekommt die ganze Sahel-Zone zu spüren - auf Jahre hinaus. "Das war doch vorhersehbar", sagt Nigers Parlamentspräsident Ama Amadou. "Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Krieg in Libyen negative Auswirkungen auf die gesamte Sahel-Zone haben wird, auf den Niger, auf Mali, auch auf Mauretanien und den Tschad. Wir hoffen, dass die malische Armee diese Rebellion in ihre Schranken weisen kann. Wir haben in unserer Region wirklich schon genug Sicherheitsprobleme."

Stand: 11.02.2012 12:40 Uhr
 

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