Mali-Geberkonferenz soll zwei Milliarden Euro aufbringen

Geberkonferenz für Krisenstaat Mali

Geld für Reformen

Die Kämpfe in Mali sind noch nicht beendet: Doch auch wenn Frieden herrschen sollte, benötigt Mali dringend Geld: Vor der Geberkonferenz in Brüssel hat die EU 520 Millionen Euro zugesichert - insgesamt sollen es zwei Milliarden Euro werden.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Menschen in der Stadt Bamako halten eine malische Flagge (Bildquelle: AFP)
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Die Euphorie über das Eingreifen französischer Truppen in Mali ist verflogen. Foto: März 2013

Anfang Februar, als Frankreichs Präsident François Hollande als Befreier nach Timbuktu kam, lag die Stadt in einem Freudentaumel. Doch davon ist nicht viel mehr übrig als ein paar französische Fahnen in den sandigen Gassen. Frankreichs Truppen ziehen schrittweise ab - doch die Angst bleibt: Immer wieder kommt es im Norden Malis zu Selbstmordattentaten und Angriffen von Dschihadisten.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius schaut demonstrativ nach vorne: "Wir sind dabei, den Krieg zu gewinnen. Jetzt muss der Friede gewonnen werden", sagt er. Besonders die Menschen im Norden Malis verstehen darunter mehr als nur die Abwesenheit von Krieg, mehr als nur die Stationierung von Blauhelmsoldaten oder das Training der malischen Armee durch eine EU-Mission.

"Die Versorgung funktioniert überhaupt nicht. Die Straßen sind schlecht und auch noch gefährlich, wegen der Minen", sagt die Gemüsehändlerin Bintou Maiga auf dem Markt von Timbuktu. "Die Grenzen nach Algerien und Mauretanien sind dicht. Die Menschen haben keine Arbeit und kein Geld, die Preise für Lebensmittel sind dramatisch gestiegen, viele Menschen hungern", klagt sie.

Geldgeber verlangen Reformen von Mali
A. Göbel, ARD Rabat
14.05.2013 23:53 Uhr

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Mali benötigt jeden Cent

"Keine Entwicklung ohne Sicherheit und keine Sicherheit ohne Entwicklung" - das ist der Plan, für den Malis Regierung nun bei der Geberkonferenz in Brüssel um Unterstützung wirbt. Fest steht: Mali braucht Geld - viel Geld. Tatsächlich kann Mali jeden Cent gebrauchen - schon allein um das Nötigste wieder herzustellen: wie Wasser, Strom, Gesundheit und Verwaltung. Viele Millionen Euro werden allein nötig sein, um die geschätzten 500.000 Menschen zu versorgen, die im Zuge des Krieges gegen die Islamisten aus ihrer Heimat im Norden Malis geflohen oder vertrieben worden sind.

Erschwert wird die Lage durch die Trockenheit, die Ernte im vergangenen Jahr war extrem schlecht. Drei Millionen Menschen sollen derzeit in Mali von Nahrungsmittelknappheit bedroht sein. In Brüssel soll daher der Geldhahn kräftig aufgedreht werden, rund zwei Milliarden Euro sollen zusammenkommen: nicht nur Kredite, sondern echte Spenden, fordern zumindest Hilfsorganisationen wie Oxfam.

Malis Präsident Traore und EU-Kommissionspräsident Barroso (Bildquelle: AP)
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Malis Präsident Traore benötigt dringend Finanzhilfen für sein Land. EU-Kommissionspräsident Barroso will 520 Millionen Euro bereitstellen.

Geber verlangen weitreichende Reformen

Von Mali verlangen die Geber, also vor allem die großen internationalen Organisationen wie UN und Weltbank, dass das Sahelland seine Hausaufgaben macht. Dass es Arbeitsplätze schafft, Korruption und Drogenhandel bekämpft, endlich das Mammutprojekt der Dezentralisierung angeht. Also, dass es zur demokratischen Ordnung zurückkehrt. Demokratie hat es in Mali bisher allerdings nur auf dem Papier gegeben. 

Jahrzehntelang habe die politische Klasse Mali als Selbstbedienungsladen missbraucht und das Land in die Krise geführt, so der Tuareg-Aktivist Daouda Maiga: "Wir brauchen genau das, was man so lapidar gute Regierungsführung nennt. Wir brauchen hier endlich Politiker, die eine Vision des großen Ganzen haben und sich nicht bloß um ihre Clans kümmern, ihre ethnische Klientel. Nur dann werden sich alle Bürger in diesem Staat wiederfinden, und nur dann werden wir wirklich zusammenleben können."

Die Frage ist, ob Mali diese Politiker hat. Nun verspricht die Übergangsregierung jedenfalls Präsidentschaftswahlen im Juli. Kritiker halten den Zeitplan jedoch für sehr ehrgeizig, auch weil nicht alle Landesteile unter der Kontrolle der Regierung in Bamako sind. So wird die Region Kidal im Nordosten zu einem guten Teil von Tuareg-Rebellen der MNLA kontrolliert, die eine weitgehende Autonomie fordern. Auch wenn in Brüssel nun Geld fließt: Die Krise in Mali ist noch lange nicht zu Ende.

Dieser Beitrag lief am 15. Mai 2013 um 08:49 Uhr auf NDR Info.

Stand: 15.05.2013 02:23 Uhr

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