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Mali

Krise in Mali

Was bedeutet die Spaltung der Tuareg-Islamisten?

In Mali hat sich die islamistische Tuareg-Bewegung Ansar Dine offenbar gespalten. Die neue Gruppe schlägt moderatere Töne an, ist aber offenbar kein echter Verhandlungspartner für die malische Armee. Die Tuareg müssen nun Angst haben vor einer blutigen Rache ihrer Landsleute.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Rebellen der Islamistengruppe Ansar Dine
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Insgesamt repräsentieren die Tuareg-Rebellen nicht mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Norden.

Die Meldungen überschlagen sich in Bamako, und Hoffnung keimt auf, dass die französisch-malische Offensive zum Sieg über die Islamisten führt, und dass der Feind sich gerade selbst zerlegt. Dass Ansar Dine offenbar zerfällt, werten manche Medien in Mali als einen "schweren Schlag für die radikalen Kräfte unter den Islamisten". Tatsache ist: Mit der neuen Splittergruppe "Bewegung für ein Islamisches Azawad" (MIA), sind dem mächtigen Tuareg-Führer Iyad Ag Ghaly offenbar enge Verbündete von der Fahne gegangen, allen voran Alghabass Ag Intallah, ein wichtiger Vertreter der Tuareg aus dem Iforas-Gebirge, und Mohamed Ag Akharib, bislang Sprecher von Ansar Dine.

Ag Akharib will ein Ende der Kampfhandlungen. Es müsse Schluss sein mit dem Terror und die Tuareg müssten ihre Rolle in Mali spielen. So ähnlich hatte er sich schon im vergangenen November bei den Friedensverhandlungen mit der malischen Regierung ausgedrückt: "Wir sind entschlossen, eine friedliche Lösung zu finden. Die Welt muss wissen, dass wir keine Terroristen sind, keine Monster. Wir wollen die Scharia, das islamische Recht. Und wir wollen, dass es nicht so dermaßen verteufelt wird."

Aufspaltung der Islamisten: Was wollen die Tuareg in Mali?
A. Göbel, DW Rabat
25.01.2013 13:58 Uhr

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"Man kann mit keiner der Gruppen dort verhandeln"

Doch von den Friedensangeboten wollte Ansar Dine schon bald nichts mehr wissen. Stattdessen wurden im Namen der Scharia Menschen gesteinigt und Weltkulturerbe zerstört. Mali-Experte Hannes Stegemann von der Hilfsorganisation Caritas glaubt daher nicht, dass die neue Gruppe MIA ein Ansprechpartner für Malis Regierung in Sachen Frieden sein kann. Überhaupt: Die Tuareg seien diskreditiert. "Ich glaube, man kann mit keiner der Gruppen dort verhandeln, auch mit keiner Tuareg-Gruppe, ob sie sich nun Ansar Dine nennen oder MNLA oder MIA."

Die Tuareg sind offenbar die großen Verlierer dieses Krieges. Die MNLA, die Befreiungsbewegung für einen unabhängigen Tuareg-Staat Azawad, hatte von Anfang an nicht den Rückhalt der Menschen im Norden Malis. Man dürfe eben nicht vergessen, dass in dieser riesigen Region nicht nur Tuareg lebten sondern auch andere Volksgruppen wie die Peul oder die Songhay, und dass dieses Gebiet immer schon von ethnischen Konflikten geprägt gewesen sei, so Hannes Stegemann. Als im vergangenen Jahr schwer bewaffnete Islamisten als Trittbrettfahrer nach Mali kamen, hätten die Tuareg noch geglaubt, sie für ihre Zwecke einspannen zu können.

Die Rechnung sei bekanntlich nicht aufgegangen. Stattdessen hätten sich die Islamisten von Al Kaida im Islamischen Maghreb und die Dschihadisten von Mujao die ethnischen Spannungen in Mali geschickt zunutze gemacht, sagt Stegemann: "Die Spaltung von Ansar Dine ist ein Indiz dafür, dass die Ratten jetzt das sinkende Schiff verlassen. Es gibt ja alle zehn Jahre eine neue Tuareg-Rebellion. Die große Mehrheit der Tuareg ist nicht besonders amüsiert über diese Rebellionen, weil das ja doch meistens Krieg und Vertreibung bedeutet. Insgesamt repräsentieren die Tuareg-Rebellen nicht mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Norden."

Den Tuareg droht blutige Rache der Landsleute

Partner für Friedensgespräche in Nordmali sieht Stegemann aber durchaus - vor allem unter denjenigen, die sich nie mit den politischen Lobbyisten der Tuareg gemein gemacht haben. Zum Beispiel Leute wie Oberst Ag Gamou, der sich schon im Januar 2012 mit einem ganzen Bataillon in den Niger abgesetzt hat - er wollte sich aus der Tuareg-Rebellion heraushalten und auch nicht auf seine eigenen Leute schießen müssen. Ob Malis Armee jemals mit Tuareg verhandeln wird, steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt. Derzeit scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. In Mali müssen die Tuareg Angst haben vor der blutigen Rache ihrer Landsleute. Der Krieg in Mali könnte sich ausweiten, zu einem Bürgerkrieg Schwarz gegen Weiß.

Die malischen Tuareg, die aus Ansar Dine ausgestiegen sind, wollten ihre Haut retten, so Caritas-Experte Stegemann. Sie wüssten genau, dass der Krieg verloren ist. Das bedeute aber noch lange kein Ende Terrors. Die übrigen Islamisten - darunter Pakistani, Algerier, Ägypter und andere - könnten nun einfach weiterwandern ins nächste instabile Land in der Wüste. 

Dieser Beitrag lief am 25. Januar 2013 um 12:23 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 25.01.2013 13:57 Uhr

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