Seitenueberschrift
Krieg in Mali
ECOWAS will 5000 Soldaten schicken
Nach dem Geiseldrama in Algerien befürchten westafrikanische Staaten ein Ausweiten des Konflikts in Mali. Auf dem Gipfeltreffen der Staatengemeinschaft ECOWAS sind deshalb mehr Soldaten beschlossen worden. Auch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich will mehr Militär schicken.
Von Stefan Ehlert, ARD-Hörfunkstudio Rabat
Das blutige Ende des Geiseldramas in Algerien mit 55 Toten wirkt wie ein zusätzlicher Weckruf auf den Mali-Gipfel in Abidjan. In der Hauptstadt der Elfenbeinküste hatten sich die Staatschefs der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS versammelt. Ihr Ziel: möglichst schnell die afrikanische Eingreiftruppe für Mali auf die Beine zu stellen. Möglichst schon bis zum Ende der Woche.
Allassane Ouattara, der Vorsitzende der ECOWAS, warnte davor, das Thema Terror im Sahel weiter zu verschleppen: "Mit Blick auf die dramatischen Ereignisse in Algerien, die Geiselnahme auf einer Gasanlage von BP In Amenas, müssen wir gemeinsam mit den beteiligten Länder, Algerien, Mauretanien und dem ganzen Maghreb, alles herausfinden, was dazu beitragen kann, den Terrorismus zu unterbinden."
Auf Deutsch: Algerien und Mali sind überall - jedenfalls im Sahel und deswegen sei die Zeit gekommen, gemeinsam dagegen vorzugehen. "Wir können nicht mehr nur zuschauen", beschwor Ouattara die versammelten Staatsoberhäupter, die bis zu 3300 Soldaten in den Wüstenkrieg nach Mali entsenden wollen. Hinzu kommen sollen noch einmal 2000 Soldaten aus dem Tschad, die sich mit der Kriegsführung in Wüstengebieten besonders gut auskennen.
Frankreich hat inzwischen angedeutet, es könne auch noch mehr als die geplanten 2500 Soldaten nach Mali schicken. Außenminister Laurent Fabius versicherte den besorgten Partnern in Westafrika, Frankreich werde seine Soldaten bis zum Abschluss der Operation nicht abziehen.
Frankreich: Keine afrikanische Ersatzmission
"Die Operation, getauft auf den Namen Serval, soll nicht durch die afrikanische Mission ersetzt werden", sagte Fabius. "Im Gegenteil: Frankreich hat die feste Absicht, die Beschlüsse der Vereinten Nationen umzusetzen." Und die sehen vor, dass die malische Regierung auch im Norden des Landes wieder etwas zu sagen hat. Das kann allerdings dauern: Keiner weiß, ob Tage oder Monate.
Noch sind die Verkehrswege in den Norden gesperrt, noch ist unklar, ob sich die Islamisten aus wichtigen Städten wie Gao und Kidal komplett zurückgezogen haben. Sie kennen sich aus im Terrain, sie schlüpfen über Grenzen, einige sind offenbar sehr gut bewaffnet.
Deutsche Transall in Mali angekommen
M. Dugge, ARD Rabat
20.01.2013 04:38 Uhr
Islamistische Milizen zunehmend unter Druck
Doch in Zentralmali geraten die islamistischen Milizen zunehmend unter Druck, wenn aktuelle Meldungen über Erfolge der malischen und französischen Truppen stimmen. Demnach sollen die Islamisten die Stadt Diabali tatsächlich wieder verlassen haben.
Malis Übergangs-Premier Diango Cissoko gab sich bei einem Truppenbesuch denn auch betont zuversichtlich. "Ich glaube, dass das Schlimmste hinter uns liegt", sagte er und dankte ausdrücklich den Europäern für ihre Unterstützung.
Cissoko prophezeite ein schnelles Ende des Krieges: "Ich bin sicher, dass der bewaffnete Konflikt schneller beendet sein wird als vorhergesagt. Das sieht man im Gelände: Es gibt keinen Vormarsch der Islamisten mehr in Richtung Süden. Die Terroristen sind in der Natur verschwunden."
Verschwunden? Wohl kaum. Auf dem Rückzug? Vielleicht. Verlässliche Informationen sind nach wie vor schwer zu bekommen.
Französische Truppen in Mali
tagesthemen 23:20 Uhr, 20.01.2013, Shafagh Laghai, ARD
Stand: 20.01.2013 14:10 Uhr
