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Krieg in Mali
Viele Menschen fliehen aus umkämpfter Stadt Diabali
In Mali ist derzeit vor allem die Stadt Diabali umkämpft. Viele Menschen sind von dort geflohen. Sie berichten von Schikanen durch die Islamisten. Noch schlimmer scheint die Lage im Norden des Landes zu sein, den die Islamisten schon länger kontrollieren. Augenzeugen berichten von "Panik" unter der Bevölkerung. Derweil landeten zwei Transall-Maschinen der Bundeswehr in Bamako.
Von Stefan Ehlert, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika
Niono ist eine Stadt rund 50 Kilometer südlich von Diabali. Seit Tagen versuchen malische und französische Soldaten, Diabali wieder einzunehmen und die Islamisten zu vertreiben. Mal heißt es, Diabali sei befreit, dann wieder gibt es ein Dementi. Klar ist nur, dass viele Menschen geflüchtet sind, unter anderem nach Niono.
"Da drüben ist es nicht auszuhalten. Es gibt nichts zu essen, die Kinder haben nichts zu essen, wir hungern", erzählt eine Frau. Von Bombardements berichten die Einwohner Diabalis, und davon, dass sie von den Islamisten schikaniert würden. "Die Islamisten haben uns weggejagt, um sich bei uns einzurichten", sagt eine andere Frau. "Sie suchen Häuser mit Toren, hinter denen sie ihre Autos verstecken können. Sie benutzen auch Bäume und Äste als Camouflage für ihre Autos."
Der schwierige Kampf um Diabali
S. Ehlert, ARD Rabat
19.01.2013 17:29 Uhr
"Die Terrorgruppen haben sich unter die Bevölkerung gemischt"
Auch der französische Generalstab hat eingeräumt, dass der Antiterrorkampf in Diabali kein Wüstenspaziergang ist. Sprecher Thierry Bourkhard sagte dem Fernsehsender France 2, dass es für seine Soldaten gar nicht so einfach sei, den Feind in Diabali zu identifizieren. "Die Terrorgruppen in Diabali haben sich unter die Bevölkerung gemischt. Das schränkt unsere Schlagkraft ein, denn es gibt ja Risiken für die zivile Bevölkerung", so Bourkhard.
Für die desolate malische Armee und rund 1800 französische Soldaten ist die Befreiung Nordmalis also eine Herausforderung. Das Gebiet ist so groß wie Frankreich. Mehr Soldaten, mehr Tempo hat Frankreichs Außenminister Laurent Fabius deshalb heute von den Regierungschefs der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS gefordert. Auf ihrem Treffen in Abidjan in der Elfenbeinküste berieten sie darüber, wie sie die Stationierung von mehr als 3000 Soldaten in Mali beschleunigen könnten. Von den UN forderten sie sofortige logistische Unterstützung für ihren Militäreinsatz. Auch finanzielle Hilfe für die Stationierung der Truppen in Mali werde gebraucht, heißt es in der Schlusserklärung des ECOWAS-Gipfels.
Französische Truppen in Mali
tagesthemen 23:20 Uhr, 20.01.2013, Shafagh Laghai, ARD
Transall-Maschinen der Bundeswehr in Bamako
Die deutschen Transallflugzeuge zum Transport der Truppen etwa aus Senegal und Benin landeten derweil in Bamako. Die beiden Maschinen mit jeweils sieben Besatzungsmitgliedern sollen ECOWAS-Soldaten nach Bamako transportieren. Die USA haben Unterstützung angeboten, der Tschad allein will 2000 Soldaten entsenden. Die Islamisten dürften schon bald noch stärker unter Druck geraten. Aber ihre Vertreibung aus den Städten bedeutet noch nicht, dass in Mali der Frieden ausbricht. Die Islamisten haben sich nicht nur in Diabali versteckt, sie sind auch in anderen Dörfern in der Umgebung zu finden.
Die Verunsicherung der Bevölkerung ist groß, die Flüchtlingswelle rollt, vor allem innerhalb Malis. Doch im kleinen Niono sind die Vertriebenen nur bedingt willkommen, denn keiner weiß, wie sie dort versorgt werden können.
Im Norden des Landes wird die Lage schlimmer statt besser
Noch schlimmer ist es in Nordmali. Dort haben viele Menschen auf die Eingreiftruppe gehofft, doch bei manchen macht sich schon jetzt Enttäuschung breit. Die Lage sei seit Ausbruch des Krieges vor acht Tagen nicht besser sondern schlechter geworden, berichtet ein Augenzeuge aus Timbuktu im französischen Fernsehen. "Diese Militär-Intervention hat unsere Lage nicht verbessert, denn wir leiden unter vielem: Da ist die mangelnde Sicherheit, es gibt Repressalien, die Bevölkerung wird vertrieben und flüchtet nach Mauretanien und in andere Länder. Man kann wirklich sagen, die gesamte Bevölkerung ist in Panik."
Vor allem fragen sich die Menschen, was passiert, wenn die Eingreiftruppe wieder weg ist? Sie wissen: Allein mit militärischen Mitteln wird den Islamisten in der Sahelzone auf die Dauer kaum beizukommen sein. Sowohl Frankreichs Außenminister Fabius als auch der amtierende ECOWAS-Vorsitzende Alassane Ouattara haben deshalb heute in Abidjan angemahnt, auch über die politische Dimension der malischen Krise nachzudenken.
Stand: 19.01.2013 19:45 Uhr
