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Ein malischer Polizist beobachtet den Aufbruch der Franzosen aus Bamako Richtung Norden

Frankreich setzt Bodentruppen ein

Erste Gefechte mit Islamisten in Diabali

Französische Bodentruppen liefern sich in Mali schwere Gefechte mit islamistischen Kämpfern. Die strategisch wichtige Stadt Diabali soll an der Seite malischer Soldaten "Mann gegen Mann" zurückerobert werden. Von hier könnten französische Kampfjets nach Norden starten. Unterdessen hat der Internationale Strafgerichtshof Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen aufgenommen, die 2012 in Mali verübt worden waren.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Frankreich treibt seinen Bodenkampf in Mali unvermindert voran. Französische Spezialeinheiten und malische Truppen lieferten sich den ganzen Tag schwere Gefechte mit islamistischen Kämpfern in der Stadt Diabali im Nordwesten Malis. Aus Sicherheitskreisen hieß es, es handele sich um einen Kampf "Mann gegen Mann".

Unter den französischen Einheiten am Flughafen von Bamako wird derzeit viel über "Fourchette escargots" gesprochen. Wörtlich übersetzt sind das die feinen Gabeln, mit denen man Weinbergsschnecken isst. Die Soldaten meinen damit die Strategie, mit der sie in Diabali einen schwierigen Gegner besiegen wollen: einkesseln, in jeder Ecke suchen, ausfindig machen und - eliminieren.

So einfach sei das nicht, gibt ein Offizier zu: "Momentan sind wir hier, um die malischen Streitkräfte zu unterstützen. Immer mehr unserer Kameraden kommen mittlerweile in Bamako an, wir bereiten uns auf den Einsatz vor und prüfen die Lage. Wir müssen klar sehen, dass der Feind extrem gut bewaffnet ist und dass wir ihn nicht unterschätzen dürfen."

Frankreichs Bodentruppen auf dem Vormarsch
A. Göbel, ARD Rabat
16.01.2013 13:16 Uhr

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Diabali ist strategisch extrem wichtig

Frankreichs Bodentruppen in Mali
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Französische Soldaten unterwegs zur Operation "Serval" im Norden Malis.

Die französische Armee will Diabali unbedingt zurückerobern, um das Gebiet bis zur Frontlinie im Norden freizuhalten. Von hier könnten künftig französische Kampfjets starten, um die Rückzugsgebiete der Islamisten anzugreifen. Außerdem sollen hier Transportflugzeuge landen, um afrikanische Truppen in die Region zu bringen.

Diabali sei ein strategisch wichtiger Ort, sagte Malis Außenminister Tieman  Coulibaly gegenüber dem Sender France Info: "Diabali liegt im westlichen Korridor, die Stadt ist nicht weit von Mauretanien entfernt, und nach Bamako sind es auch nur wenige hundert Kilometer. Wir müssen auf dieses Gebiet aufpassen. Die Region von Islamisten freizuhalten, ist extrem wichtig!"

Karte Mali
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Insbesondere die Regionen um Kidal, Gao, Timbuktu und Diabali sind aktuell Ziele der französischen Truppen. Nach UN-Angaben sind wegen des Konflikts in Mali etwa 150.000 Menschen ins Ausland geflohen. Zudem gebe es 230.000 Vertriebene im Land selbst.

Erster Einsatz der Bodentruppen

Es ist der erste Einsatz französischer Bodentruppen in Mali. Bislang hatte Frankreichs Luftwaffe nur Stellungen der Islamisten im Norden bombardiert.

Derzeit befinden sich etwa 800 französische Soldaten in Mali, die Truppenstärke soll jedoch nach und nach auf 2500 aufgestockt werden. Die Streitkräfte der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS lassen noch auf sich warten: 3300 afrikanische Soldaten aus mehr als zehn Nachbarstaaten sollen Mali im Kampf gegen die Islamisten unterstützen, doch es könnte nach Ansicht von Experten noch Wochen dauern, bis sie vollständig in Mali angekommen und einsatzfähig sind.

Frankreich startet Bodenoffensive gegen Islamisten in Mali
tagesthemen 22:15 Uhr, 16.01.2013, Swantje von Massenbach, ARD Paris

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Der französische Politikwissenschaftler Christian Bouquet sieht noch andere Probleme: "Die afrikanischen Kontingente, die mitmachen wollen, also Burkina Faso, Togo, Senegal und andere, stehen unter einem nigerianischen Generalstab. Da fragt man sich, wie das mit der Verständigung klappen soll, wie der unterschiedliche Stand der Vorbereitung auf einen Nenner gebracht werden kann, und das in so kurzer Zeit. Wie werden die Afrikaner dann mit den französischen Truppen zusammenarbeiten? Und: Wie lange bleiben die Franzosen? Es zeichnet sich ja ab, dass sie so lange bleiben müssen, bis klar ist, wer sie ablösen kann!"

Internationale Mission braucht Hilfe der EU

Fest steht: Malis Befreiung steht organisatorisch und militärisch vor einer wichtigen Phase. Die MISMA, die Internationale Unterstützermission unter afrikanischer Führung, braucht Hilfe - auch aus der EU.

Guido Westerwelle und Thomas de Maizière vor der Presse
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Außenminister Westerwelle und Verteidigungsminister de Maizière informieren die Presse über die deutsche Hilfe für den Mali-Einsatz.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière teilte jetzt mit, Deutschland wolle Flugzeuge für den Transport von Truppen nach Mali zur Verfügung stellen. Zwei Transall-Maschinen sollen afrikanische und möglicherweise auch französische Truppen für den Kampf gegen islamistische Rebellen nach Mali bringen. Kampftruppen schließt die Bundesregierung noch immer kategorisch aus.

Sadou Diallo wäre insbesondere über einen deutschen Beitrag zur Befreiung seines Landes sehr glücklich. Der Bürgermeister von Gao harrt derzeit in Bamako aus und hofft, so bald wie möglich wieder in seine Heimat im Norden zurückkehren zu können: "Der französische Bruder ist uns schon zur Hilfe geeilt. Und ich rufe vor allem auch Deutschland dazu auf, uns zu unterstützen. Immerhin ist Deutschland das erste Land, das damals vor mehr als 50 Jahren unsere Unabhängigkeit anerkannt hat. Und deshalb lade ich Deutschland ein, Frankreich und Präsident Hollande zur Seite zu stehen, bei uns aufzuräumen, uns von den Terroristen zu befreien, damit wir hier wieder eine Demokratie haben und in Frieden zusammenleben können!"

Die UN-Resolution 2085

Die Resolution 2085 wurde am 20. Dezember 2012 vom UN-Sicherheitsrat einstimmig verabschiedet. Sie sieht den Ausbau der afrikanisch geführten Unterstützungsmission in Mali - kurz AFISMA - vor. Die Leitung sollen die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) und die Afrikanische Union (AU) übernehmen. Die Mission sieht vor, in Absprache vor allem mit der Europäischen Union die malischen Streit- und Sicherheitskräfte zu stärken und die politische Stabilität des Landes zu sichern. Dazu wird die Mission ermächtigt, "alle notwendigen Mittel" zu ergreifen - also auch den Einsatz von Soldaten.

Der Sicherheitsrat stellt dafür allerdings Vorbedingungen. So müsse die Übergangsregierung in Bamako unter anderem politische Gespräche aufnehmen, "um die verfassungsmäßige Ordnung vollständig wiederherzustellen". Noch vor April 2013 werden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen gefordert. Parallel sollen vor allem die Staaten der Region helfen, die malische Armee auszubilden.

Stand: 16.01.2013 18:54 Uhr

Korrespondent

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