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Frankreich setzt Bodentruppen ein
Vormarsch auf Diabali - Ruhe in Bamako
In Mali ist die Militäroperation "Servale" in vollem Gange. Inzwischen setzt Frankreich auch Bodentruppen gegen die Islamisten im Norden ein. Gemeinsam mit malischen Soldaten versuchen sie, die Stadt Diabali zurückzuerobern. In der Hauptstadt Bamako verfolgen die Menschen die Militäraktion mit Spannung.
Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat, zzt. Bamako
Auf den Straßen knattern die Motorräder, an den Obstständen türmen sich Mangos und Bananen, an den Ampeln preisen Straßenverkäufer Karten mit Handyguthaben an. Auf den ersten Blick ist alles wie immer in Bamako, der Krieg ist für viele Menschen noch weit weg.
Auch für Nuhu Konaté, Verkäufer in einem Elektronikladen: "Wir haben keine Angst. Denn wenn Fremde unter uns sind, merken wir das sofort. Bei uns herrscht der Notstand, da passt jeder genau auf. Deswegen glaube ich nicht, dass es in Bamako zu Anschlägen kommen könnte."
Wie Bamako den Krieg erlebt
M. Dugge, ARD Rabat
16.01.2013 02:17 Uhr
Französische Soldaten sind für Malier Helden
Doch genau das fürchten die Franzosen. Erst recht nach den sehr deutlichen Drohungen der Islamisten. Die französische Schule ist geschlossen, die Botschaft Frankreichs von Scharfschützen gesichert. Und dass hier gar nichts normal ist, zeigt ein Blick auf den Flughafen, wo dieser Tage schon mal Transall-Maschinen und Panzer parken.
Wie so viele Malier verfolgt auch Konaté im Moment permanent die Nachrichten. Auf seinem kleinen Fernseher im Laden liefen früher Sport- oder Musiksendungen, heute ist es der französische Nachrichtenkanal France 24.
Der zeigt gerade die Bilder von der Trauerzeremonie für den französischen Soldaten, der bei einem Einsatz in Mali getötet wurde. Für den Oberstleutnant Diarran Koné ist er ein Held: "Das ist kein Franzose, das ist ein Malier. Jeder, der hier für einen höheres Gut ist, ist Malier."
Frankreich setzt im Kampf gegen Islamisten erstmals Bodentruppen ein
tagesschau 12:00 Uhr, 16.01.2013, Ellis Fröder, ARD Paris
"Die Islamisten sind auf der Flucht"
Koné ist Sprecher von Malis Verteidigungsministerium. Vor seiner Tür bilden sich dieser Tage Schlangen von Reportern aus aller Welt. Koné ist ein gefragter Mann, immer wieder muss er diesen komplizierten Krieg erklären. Oder anders: ihn aus Sicht der Armee erklären.
"Die Menschen in Mali leiden", sagt Koné. "Gestern war Afghanistan, davor Somalia, heute die Sahelzone. Das ist eine internationale Bedrohung. Zum Glück hat Frankreich sofort und effizient eingegriffen, um wirkungsvoll die malische Armee zu unterstützen. Jetzt, in diesem Moment, kann ich Ihnen sagen: Die Islamisten sind auf der Flucht!"
Aber wer unterstützt hier wen? Schließlich hält Frankreich die Fäden der Operation in der Hand. Viele Malier bestaunen die Jagdflugzeuge der Franzosen, applaudieren, wenn deren gepanzerten Fahrzeuge über die staubigen Straßen rollen. In Richtung Norden, wo die radikalen Islamisten bis vor kurzem allein den Ton angegeben haben.
Flüchtlinge hoffen auf Rückkehr
Sadou Diallo hat sie gut kennengelernt. Er sitzt in der Abenddämmerung vor einem Hotel in Bamako auf einem Plastikstuhl. Und lauscht den Nachrichten von Radio France. Diallo ist neugierig auf das, was in Gao, der umkämpften Stadt im Norden passiert. Schließlich war er hier nicht nur Hotelier und Restaurantbesitzer, sondern auch Bürgermeister.
"Als Hotelier hatte ich auch Soldaten in meinen Hotels untergebracht", berichtet Diallo. "Als die Islamisten davon erfuhren, beschlossen sie, mich zu entführen und zu töten. Ich wurde gewarnt und konnte noch rechtzeitig nach Bamako fliehen."
Seine Hotels und Restaurants in Gao wurden von Islamisten zerstört, ein Großteil seines Vermögens vernichtet. Doch das ist ihm inzwischen egal, sagt er. Er will nur noch eins: nach Hause. "Ich hoffe, dass unsere Region in zwei Wochen befreit ist. Und sobald sie frei ist, will ich die erste Person sein, die den Boden von Gao betritt, als Bürgermeister. Das wünsche ich mir von ganzem Herzen."
Aber viele Malier zweifeln daran, dass die Region wirklich schon in einigen Wochen befreit sein kann. Sie fürchten, dass es ein langer, zäher Kampf wird. Und sie hoffen, dass Frankreich und die afrikanischen Alliierten die Geduld dafür haben.
Stand: 16.01.2013 02:56 Uhr
