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Krisenherd Mali

Eine Tragödie in "Afrikanistan"

Die Bevölkerung im Norden Malis wird von islamistischen Gruppen terrorisiert, die mit Al Kaida in Verbindung stehen. Gräueltaten gehören zum Alltag. Polizeigewalt gibt es hier praktisch nicht mehr - dafür strömen Dschihadisten aus dem Ausland zum Kampf in die Region.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Westafrika

Bewaffnete Anhänger der Islamistengruppe Ansar Dine in Timbuktu, Mali.
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Bewaffnete Anhänger der Islamistengruppe Ansar Dine patrouillieren durch die Straßen Timbuktus. (Archivbild August 2012)

Ob in Timbuktu, Gao oder Kidal - überall weht die schwarze Fahne der Islamisten. Schwer bewaffnete Männer mit Turbanen und langen Bärten fahren auf Pick-Up-Geländewagen durch die Straßen. Die Islampolizei bestimmt, wie die Menschen hier zu leben haben: nach den strengen Gesetzen der Scharia. Der Norden Malis wird terrorisiert von seinen neuen Herrschern - von radikalen Islamisten wie Ansar Dine oder den selbsternannten Heiligen Kriegern von Mujao. Viele Schulen sind geschlossen, Kinder werden zwangsrekrutiert. Frauen, die nicht verschleiert sind, riskieren Gefängnis oder Schlimmeres.

"Wir leben in größter Not", sagt eine Frau. "Seit Monaten geht das schon so. Sie schneiden uns die Hände ab, sie vergewaltigen und töten uns!"

Krisenherd Mali: Militäreinsatz wird wahrscheinlicher
A. Göbel, ARD Rabat
23.10.2012 16:15 Uhr

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Täglich Auspeitschungen und Steinigungen

Im Sand der Sahelzone spielt sich eine Tragödie ab, deren tatsächliche Ausmaße nur zu erahnen sind. Täglich kommt es zu Auspeitschungen, Steinigungen, Amputationen von Gliedmaßen – außerdem zerstören die Islamisten weiterhin Mausoleen, die zum Weltkulturerbe gehören.

"Nach sieben Uhr abends sieht man niemanden mehr auf der Straße", sagt ein Mann. "Wir haben große Angst, und wir hoffen, dass man uns bald helfen wird. Dies ist ein erbärmliches Leben!"

Die Zeit drängt

Dabei will die Welt nun nicht länger zuschauen. Der UN-Sicherheitsrat hat vor Kurzem den Weg für einen Militäreinsatz im Norden Malis frei gemacht. Jetzt haben Afrikanische Union und die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS noch etwa einen Monat Zeit, um ein Konzept für eine Befreiungsmission zu entwerfen.

"Dies ist ein Wendepunkt im Umgang der internationalen Gemeinschaft mit der Krise in Mali", sagt Ramtane Lamamra, Kommissar für Frieden und Sicherheit bei der Afrikanischen Union. "Es gab die offizielle Anfrage der malischen Regierung und eine entsprechende Antwort der Weltgemeinschaft, und nun werden wir gemeinsam und entschlossen handeln können, um diese Krise erfolgreich zu beenden."

Malische Flüchtlinge in Burkina Faso
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Hunderttausende von Menschen sind in die Nachbarländer geflüchtet, wie hier nach Burkina Faso.

Armee ist kaum einsatzfähig

Noch sind viele Fragen offen. Fest steht allerdings: Mali schafft es nicht allein. Das Land hat nur knapp 8000 schlecht ausgerüstete Soldaten, dazu einige Tausend Freiwillige, ein paar Panzer aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs - und ein einziges Jagdflugzeug. Deswegen sollen rund 3000 westafrikanische Truppen am Boden mithelfen: Es soll eine ausdrücklich afrikanische Mission sein, aber im politischen Hintergrund unter Leitung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.

Paris hat wirtschaftliche Interessen in Mali, doch Präsident Hollande versteht den Einsatz auch als grundsätzlichen Kampf gegen den Terror: Derzeit ist viel von "Afrikanistan" die Rede, von einer riesigen Region, die immer mehr Terroristen als Rückzugsgebiet dient. Deswegen wird erwartet, dass die USA mit Luftaufklärung und Drohnen dabei sind, zudem sollen möglichst viele EU-Staaten logistisch mitwirken. Deutschland ist nach Angaben der Bundesregierung bereit, einige Ausbilder der Bundeswehr nach Bamako zu schicken.

Islamisten kündigen bei Einmischung Rache an

Die Islamisten von Ansar Dine sind von den Drohungen allerdings nicht beeindruckt. Ihr Sprecher Oumar Ould Hamaha droht all denen mit Vergeltung, die sich im Norden einmischen. Sie würden einen Flächenbrand heraufbeschwören. Fakt ist: Hunderte Dschihadisten aus der Westsahara und aus dem Sudan strömen derzeit nach Timbuktu und Gao, um an der Seite ihrer radikalen Glaubensbrüder zu kämpfen.

"Wir sind bereit, gegen alle zu kämpfen - auch gegen Frankreich, gegen die USA, gegen die ganze NATO und die Vereinten Nationen", sagt Hamaha. "Wir werden unseren Glauben verteidigen, und wenn wir als Märtyrer sterben!"

Dirk Niebel (FDP) über ein militärisches Eingreifen in Mali
ARD-Morgenmagazin, 23.10.2012

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Stand: 23.10.2012 16:57 Uhr

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