Seitenueberschrift
Kampf gegen Islamisten
Paris hofft auf einen kurzen Einsatz
Mali - einst demokratischer Vorzeige-Staat in Westafrika - drohte, von Terroristen vereinnahmt zu werden. Als die islamistischen Rebellen immer weiter im Land vorrückten, griff Frankreich ein und entsandte Truppen. Die Hollande-Regierung hofft auf einen kurzen Einsatz, um Mali zu befreien.
Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat
Tag und Nacht landen derzeit Transportflugzeuge der französischen Luftwaffe auf dem Flughafen von Bamako. Elitesoldaten laden Geländewagen aus. Kistenweise türmen sich Maschinengewehre und anderes Gerät auf dem Rollfeld.
"Wir prüfen hier unsere Waffen, wir montieren die Zieloptik, rüsten uns aus mit Batterien, Nahrungsmitteln, Wasser - und dann geht es los", berichtet ein Soldat.
Einsatz in Mali: Regierung in Paris glaubt an kurze Mission
A. Göbel, ARD Rabat
14.01.2013 13:16 Uhr
Es geht um die Befreiung des Landes
Es geht inzwischen längst nicht mehr darum, die Islamisten im Norden Malis nur zurückzudrängen und vom Vormarsch nach Süden abzuhalten. Mali und seine Verbündeten wollen - mit Frankreichs Luftwaffe an vorderster Front - das Land am Nigerfluss ein für allemal befreien. Erleichterung ist dort zu spüren, wo vor wenigen Tagen alles seinen Anfang nahm: in Mopti, im Zentrum des Landes.
"Wir dürfen aufatmen. In Mopti und Sevaré waren die Menschen sehr beunruhigt, weil die Islamisten schon in Konna standen. Als dann die malische Armee mit Hilfe der französischen Truppen und Kampfjets Konna befreit hatte, waren wir sehr glücklich", berichtet ein Einwohner. Die Franzosen seien zur rechten Zeit gekommen, freuen sich die Menschen auch in der Hauptstadt Bamako. Sie bedanken sich bei Präsident François Hollande, und beim französischen Volk.
Doch der Kampf ist noch lange nicht zu Ende, auch wenn Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagt, der Sieg sei nur eine Frage von Wochen.
Frankreich greift in Mali-Konflikt ein
tagesschau 14:00 Uhr, 14.01.2013, Ellis Fröder, ARD Paris
Kampf um Diabali
Offenbar unter Führung von Al-Kaida-Chef Abu Zeid persönlich haben Dschihadisten am Morgen die Stadt Diabali angegriffen - sie liegt nur rund 400 Kilometer nördlich von Bamako. Malis Armee hatte Kampfhubschrauber geschickt. Offenbar sollen die Islamisten jedoch Diabali eingenommen haben. Dies meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian.
Am Sonntag waren Stellungen der Islamisten nahe Diabali und ein Trainingscamp der selbst ernannten Heiligen Krieger nahe der Grenze zu Mauretanien von französischen Kampfbombern zerstört worden.
Zudem hatte die französische Armee Stellungen der Islamisten im Norden Malis angegriffen. Getroffen wurden vor allem die Rückzugsgebiete der Islamisten. Vorratslager und Ausbildungscamps nahe der Städte Gao und Kidal wurden zerstört, nach Angaben von malischen Sicherheitskreisen wurden mindestens 60 Dschihadisten getötet.
Augenzeugen berichten, viele Kämpfer seien aus den Städten geflohen.
Vergeltungsschläge gegen Franzosen angekündigt
Ein Sprecher der islamistischen Gruppierung Mudschao kündigte Vergeltungsschläge gegen die Franzosen an. Er sagte, man werde Frankreich "in seinem Herzen" treffen.
In Bamako schützen nunmehr französische Eliteeinheiten die französische Botschaft. Dort werden außerdem die ersten Soldaten aus den Nachbarländern erwartet, die sich an einer afrikanischen Unterstützertruppe beteiligen. Sie soll rund 3300 Mann umfassen. In New York wird sich heute der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Mali befassen.
Stand: 14.01.2013 14:01 Uhr
