Seitenueberschrift
Kampf gegen Islamisten
Internationaler Rückhalt für Mali-Einsatz wächst
Im Kampf gegen die Islamisten in Mali hat die französische Luftwaffe erstmals Ziele in den Hochburgen der Rebellen im Norden des Landes angegriffen. Einwohner berichteten von Angriffen auf die Provinzhauptstadt Gao und auf Ziele nahe von Kidal. Die Stadt war erst im März vergangenen Jahres von den Islamisten eingenommen worden.
Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian erklärte in Paris, die Luftwaffe habe etwa ein Dutzend Angriffe in der Nähe von Gao geflogen. Dabei seien Ausbildungsstätten und Logistikdepots der Rebellen zerstört worden. In der Hauptstadt Bamako feierten zahlreiche Einwohner das Vorgehen der ehemaligen Kolonialmacht, französische Fahnen wehten an Autos.
Krise in Mali: Französische Luftwaffe drängt islamistische Kämpfer zurück
tagesthemen 23:15 Uhr, 12.01.2013, Vivienne Rademacher, ARD Paris
Der britische Premierminister David Cameron bot Frankreichs Präsident Francois Hollande die Entsendung zweier großer Transportflugzeuge an. Beide Politiker seien sich einig gewesen, dass die afrikanischen Staaten und ihre internationalen Partner eng zusammenarbeiten müssten, um die Entstehung eines neuen Rückzugsgebiets für Terroristen zu verhindern, sagte ein Sprecher Camerons. Mit Blick auf Signale zur Unterstützung aus den USA hieß es in Paris, US-Aufklärungsdrohnen könnten bei der Überwachung von Malis Norden eine wichtige Hilfe sein. Auch Großbritannien, Dänemark und andere europäische Staaten sagten Unterstützung zu, teilte Außenminister Laurent Fabius mit.
Zudem will das afrikanische Regionalbündnis Ecowas in diesen Tagen 3300 Soldaten schicken. Auch die Elfenbeinküste will sich an der Aktion zur Unterstützung der malischen Regierungsarmee beteiligen. Bisher haben Burkina Faso, der Niger und der Senegal militärische Hilfe zugesagt.
Keine Kamptruppen aus Deutschland
Ein Einsatz deutscher Soldaten steht laut Bundesregierung nicht zur Debatte. Außenminister Guido Westerwelle erklärte, er begrüße die Fortschritte, die das malische Militär beim Kampf gegen die Rebellen mit Frankreichs Unterstützung erzielt habe. Es sei richtig gewesen, dass die Regierung in Paris dem Hilfsersuchen der malischen Regierung gefolgt sei. Ein Einsatz deutscher Kampftruppen stehe aber nicht zur Debatte. Deutschland werde sich aber womöglich an einer späteren Ausbildungsmission für die malische Armee beteiligen.
Entwicklung im Mali-Konflikt
A. Göbel, ARD Rabat
13.01.2013 12:28 Uhr
Verteidigungsminister Thomas de Maiziere bezeichnete das Eingreifen als "konsequent und richtig". "Frankreich hat unsere volle politische Unterstützung", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, fordert auch deutsche Hilfe für Mali. "Wenn wir in Europa zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik stehen, können wir uns keinen Unilateralismus leisten", sagte Arnold dem "Tagesspiegel". "Wenn Frankreich Hilfe braucht im Zusammenhang mit dem Lufttransport, muss Deutschland Unterstützung leisten."
"Angst vor dem islamischen Terrorismus"
Der UN-Sonderbeauftragte für die Sahelzone, Romano Prodi, zeigte Verständnis für die französische Intervention. "Frankreich hat auf Basis einer breiten Übereinstimmung eingegriffen", sagte Prodi in der "Welt". Zur Begründung führte der frühere EU-Kommissar und italienische Regierungschef an, die internationale Gemeinschaft befürworte die Aktion, denn "die Angst vor dem islamischen Terrorismus wird von allen geteilt".
Die nordmalische Islamistengruppe Ansar Dine drohte in einer Erklärung allen in der muslimischen Welt lebenden Franzosen Vergeltung für das Eingreifen der französischen Streitkräfte an. Zum Schutz vor Racheakten erhöhte Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen im Inland.
Frankreich im Mali-Einsatz
E. Seibert, ARD Paris
13.01.2013 20:22 Uhr
Stand: 13.01.2013 21:47 Uhr
