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Vorwürfe der UN Milizen setzen Kindersoldaten ein

Stand: 11.08.2017 20:45 Uhr

Trotz eines Friedensabkommens und Bemühungen der UN nimmt die Gewalt in Mali kein Ende. UN-Untersuchungsteams haben jetzt Vorwürfe schwerer Menschenrechtsverletzungen durch Milizen in Nord-Mali bestätigt: Die Gruppen setzen Kindersoldaten ein.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Guillaume Ngefa hat einen ziemlich schwierigen Job. Er soll für die Stabilisierungstruppe der Vereinten Nationen in Mali auf die Einhaltung von Menschenrechten achten. Sieben Untersuchungsteams hatte Ngefa in diesem Sommer in den Norden des Landes geschickt. Sie sollten konkreten Vorwürfen von Menschenrechtsorganisationen nachgehen.

Jetzt stellen die Vereinten Nationen ganz offiziell fest: Bewaffnete Gruppen im Norden von Mali setzen Kindersoldaten ein. Ngefa sagt, von 33 Gefangenen einer an den Kämpfen im Norden beteiligten Miliz, seien acht Kinder.

Weitere schwere Vorwürfe

Schlimm genug - das ist aber nicht alles: Es gab auch Hinweise auf Hinrichtungen und Massengräber. Ngefas Untersuchungsteams bestätigen das: "Wir haben zwei Einzelgräber und zwei Massengräber gefunden. Jetzt geht es darum zu klären, wie diese Menschen getötet wurden. Bisher ist die genaue Zahl der Leichen noch unklar - und wer für ihren Tod verantwortlich ist."

Ngefa weiß allerdings bereits so viel: Zwei Milizenverbände, die sich immer wieder Gefechte im Norden Malis liefern, sind verantwortlich. Beide Gruppierungen haben den Friedensvertrag von Algier unterschrieben, der die Kämpfe in Mali beenden sollte.

Ein ganzes Land als rechtsfreier Raum

Menschenrechtsaktivisten in Mali versuchen seit Jahren mehr oder weniger vergeblich, auf die Brutalitäten aufmerksam zu machen, die dort begangen werden. Moctar Moncef ist Präsident der Vereinigung für Menschenrechte in Mali. Er sagt über die Untersuchungsergebnisse der Menschenrechtsabteilung der UN-Mission für Mali (MINUSMA): "Trotz des Friedensabkommens ist Nord-Mali ein rechtsfreier Raum. Die Gewalt ist dort in weiten Teilen wieder aufgeflammt. Alle bewaffneten Gruppen dort setzen Kindersoldaten ein. Es wundert mich nicht, dass die MINUSMA diese Informationen jetzt bestätigt hat."

Soldaten des deutschen UN-Kontingents MINUSMA im Camp Castor in Gao in Mali (Archivbild April 2016) | Bildquelle: dpa
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Auch deutsche Soldaten gehören zur UN-Mission für Mali.

Immerhin: Die Stabilisierungsmission MINUSMA bemüht sich jetzt offenbar stärker als bisher darum, solchen Vorwürfen nachzugehen. Und der Menschenrechtsbeauftragte der UN-Truppe verspricht, die Familien der Opfer juristisch unterstützen zu wollen. Das wird nicht einfach. Das weiß auch Guillaume Ngefa: "Für uns ist es sehr wichtig zu verhindern, dass es Racheakte gegen Zivilisten gibt, wenn wir wieder weg sind."

Wenig Chancen für Gerechtigkeit

Wie er das verhindern will, bleibt offen. Und es ist nicht das einzige Problem: Wer wird sich ernsthaft um die Strafverfolgung der Täter kümmern? Als die Vereinten Nationen ihre Untersuchungsergebnisse jetzt öffentlich machten, beeilte sich Malis Justizminister Mamadou Konaté zwar, zu versichern: "Alle diese Verbrechen werden strafrechtlich verfolgt werden. Von unseren nationalen Justizbehörden, aber auch in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof." Das sagte Malis Justizminister einem malischen Radiosender.

Aber er weiß genau, dass es im Norden von Mali seit Jahren keine verlässliche Gerichtsbarkeit gibt. Dass die Milizen nicht davor zurückscheuen, Vertreter des malischen Staates massiv unter Druck zu setzen.

Jetzt hoffen Vereinte Nationen und malische Regierung offenbar auf den Internationalen Strafgerichtshof. Die zuständige Chefanklägerin soll im September nach Mali kommen, teilte das malische Justizministerium mit.

Milizen in Mali setzen Kindersoldaten ein
J. Borchers
11.08.2017 18:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. August 2017 um 16:11 Uhr.

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