Mali: Präsident Hollande begeistert in Timbuktu empfangen

Frankreichs Präsident Hollande in Timbuktu (Bildquelle: REUTERS)

Französischer Präsident reist nach Mali

Ein Kamel für den Befreier Hollande

Der Besuch des französischen Präsidenten in Mali war vor allem symbolisch: Ein Zeichen der Unterstützung und eine Demonstration der Stärke. Die Malier empfingen ihn jubelnd und schenkten ihm ein laut blökendes Kamel. Doch einige fürchten auch eine Rückkehr der Islamisten.

Von Stefan Ehlert, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Bei seiner Ankunft wurden dem französischen Präsidenten viele Geschenke überreicht. (Bildquelle: AFP)
galerie

Ein Holzstab, traditionelle Kleidung und ein Kamel: Hollande wurde mit vielen Geschenken empfangen

Es war ein begeisterter Empfang, den die Malier dem französischen Staatschef bereitet haben. Kaum der Militärmaschine entstiegen, wurden Francois Hollande schon die ersten Geschenke überreicht - darunter ein kleines, laut blökendes Kamel. Er werde das Kamel als Verkehrsmittel benutzen, wann immer möglich, versprach Hollande.

Dann eilte er weiter zu dem wohl wichtigsten Ziel seiner Reise, der sagenumwobenen Wüstenstadt Timbuktu. Tausende Menschen hatten sich versammelt, um Frankreich für seinen Militäreinsatz in Mali zu danken. "Der Befreier" nennen sie ihn und sagen auch, warum: "Sie haben uns befreit. Wir können Musik hören, wir tanzen. Danke, Frankreich." Ein anderer Malier denkt ganz ähnlich: "Wir hören Musik, wir rauchen Zigaretten, bye bye Islamisten."

Ein Kamel für den Gast Hollande
S. Ehlert, ARD Rabat
02.02.2013 18:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Ihr habt den Baum gefällt, doch die Wurzel steckt noch im Boden."

"Wir haben die richtige Entscheidung getroffen", sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, angesteckt von dem Enthusiasmus der Befreiten.

Doch viele Malier fürchten die Wiederkehr der Islamisten. "Eine Schlange kann man nur töten, indem man ihr den Kopf abschlägt", zitierte ein Bürger ein afrikanisches Sprichwort. Ein anderer warnte die Franzosen: "Ihr habt den Baum gefällt, doch die Wurzel steckt noch im Boden."

Tausende empfangen Frankreichs Präsident Hollande in Mali
tagesthemen 22:05 Uhr, 02.02.2013, Vivienne Radermacher, ARD Paris

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Malier sollen mehr Verantwortung übernehmen

Neben Fabius war auch Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian mitgereist, doch vor den Mikrofonen und zu den französischen Soldaten sprach nur der Oberbefehlshaber Hollande selbst - übrigens mit einem Anzug gekleidet und nicht etwa in Kampfmontur. Er sagte: "Die malischen Autoritäten, und das ist ihre Verantwortung, wollen die territoriale Integrität wiedergewinnen, die im Moment bedroht ist. Und deswegen werden wir weiter an ihrer Seite sein, um diese Operation zu beenden. Aber wir haben nicht die Absicht, hier zu bleiben, denn unsere afrikanischen Freunde werden die Arbeit beenden, die wir bislang gemacht haben."

Wann und wie viele der 3500 Soldaten schon bald nach Hause geschickt würden, das sagte der Präsident  nicht. Stattdessen kündigte er an, eine Weile werde der Einsatz noch dauern. Aber er machte so auch deutlich, dass die Verantwortung schon bald in den Händen der Malier und ihrer afrikanischen Nachbarn läge.

Verkohlte Spuren in der Ahmed-Baba-Bibliothek

Hollande (mi.) besuchte mit Malis Interimspräsident Traore (2.v.re.) die Bibliothek Ahmed Baba. (Bildquelle: dpa)
galerie

Zusammen mit Malis Interimspräsident Traore (2.v.re.) besuchte Hollande die Bibliothek Ahmed Baba.

In der weltbekannten Bibliothek Ahmed Baba stand der prominente Besucher aus Frankreich dann vor verkohlten Zetteln. Es sind die Überreste eines mutmaßlich von Islamisten verübten Brandanschlags auf dieses Kulturzentrum, in dem Schriften aus vor-islamischer Zeit aufbewahrt werden.

"Was ich hier ausdrücken will mit meiner Präsenz neben dem Imam, das ist, dass wir nicht nur die kulturellen Stätten befreien wollten, sondern auch ermöglichen, dass das kulturelle Erbe der Nation wieder geschützt und bewahrt werden kann", betonte Hollande. So verlieh der Präsident seiner militärischen Mission kulturelle Weihen.

Der Besuch endete mit einem Arbeitsessen in Bamako. Doch war es vor allem eine symbolische Visite, kein Staatsbesuch auf Augenhöhe, sondern eine Demonstration der Macht. Und eine Versicherung für die Malier, dass dieser Präsident, dass Frankreich, sie nicht im Stich lassen werden.

Stand: 02.02.2013 19:11 Uhr

Darstellung: