Soldaten vor dem Radisson-Hotel in Bamako | Bildquelle: AP

Nach Geiselnahme in Mali Präsident verhängt Ausnahmezustand

Stand: 21.11.2015 02:20 Uhr

Nach dem Angriff auf ein Hotel in Mali hat der Präsident den Ausnahmezustand verhängt. Dieser werde zehn Tage lang gelten. Zudem ordnete Boubacar Keita drei Tage Staatstrauer an. Insgesamt wurden bei dem Angriff mindestens 21 Menschen getötet. Zu der Tat bekannten sich Islamisten.

Nach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf ein Luxushotel im westafrikanischen Mali hat die Regierung des Landes den Ausnahmezustand verhängt. Er gilt zehn Tage lang für das gesamte Staatsgebiet, wie die malische Präsidentschaft Boubacar Keita mitteilte. Am Montag soll zudem eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen werden.

Die Angaben darüber, wie viele Menschen und Attentäter bei der Geiselnahme in dem Hotel in der Hauptstadt Bamako getötet wurden, gehen noch immer auseinander. Ein Sprecher der UN-Mission in Mali hatte am Freitagabend von 21 Toten und drei Schwerverletzten gesprochen. Offen blieb zunächst, ob in dieser Zählung auch zwei zuvor bereits für tot erklärte Angreifer enthalten waren. Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich auf den Präsidenten, der ebenfalls eine Zahl von 21 Toten nannte. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet von mindestens 27 Getöteten und beruft sich dabei auf Sicherheitskreise.

Mit Diplomatenkennzeichen aufs Hotelgelände

Die Angreifer gelangten offenbar am Morgen mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen auf das Hotelgelände und eröffneten in der siebten Etage des Gebäudes das Feuer. Nach neun Stunden konnte Sicherheitsminister Salif Traoré Entwarnung geben: "Jetzt haben sie keine Geiseln mehr in ihrer Gewalt." Soldaten verfolgten aber weiterhin Attentäter, die noch in den oberen Stockwerken des Hotels ausharrten. Auch die Suche nach weiteren Menschen im Gebäude dauere aber noch an.

Geiselnahme in Mali endet mit 27 Todesopfern
Tagesthemen 22:00 Uhr, 20.11.2015, Shafagh Laghai, ARD Nairobi

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Wie viele Attentäter?

Mindestens zwei Angreifer hatten das bei Ausländern beliebte Hotel am Morgen überfallen. Sie nutzten Autos mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zu dem Gelände zu bekommen. Angeblich befanden sich im Gebäude Komplizen. Augenzeugen hatten von insgesamt zehn Angreifern berichtet.

Zeitweise sollen die Täter 170 Menschen in ihrer Gewalt gehabt haben - nach Angaben des Hotel-Eigentümers waren 140 Gäste und 30 Angestellte im Haus.

Terrorismusexperte Guido Steinberg mit Einschätzungen zu den Attentätern
Brennpunkt, 20.11.2015

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Französische und US-Einheiten vor Ort

Am Mittag begannen Sicherheitskräfte, das Hotel zu stürmen. Sie wurden von Soldaten der UN-Blauhelmtruppe Minusma unterstützt. Auch US-Spezialeinheiten und französische Soldaten waren vor Ort. Die Geiselnehmer sollen sich daraufhin im siebten Stock des Gebäudes verschanzt haben. Etwa 30 Geiseln wurden vorzeitig befreit oder konnten fliehen.

Geiselnahme in Bamako | Bildquelle: AFP
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Sicherheitskräfte stürmen das Hotel in Bamako

Al-Kaida-Ableger bekennen sich zu Überfall

Zu dem Angriff bekannten sich zwei Islamistengruppen, die dem Terrornetzwerk Al Kaida zugerechnet werden. Die Gruppe Al Mourabitoun erklärte in einer Botschaft, "wir, die Mourabitoun, mit der Beteiligung unserer Brüder von Al-Kaida im Islamischen Maghreb, bekennen uns zu der Geiselnahme im Radisson-Hotel". Die Erklärung verlas ein Sprecher am Telefon, geschickt wurde sie an den Nachrichtensender Al-Dschasira und das mauretanische Nachrichtenportal Al-Achbar.

Al Mourabitoun wird von dem algerischen Kämpfer Mokhtar Belmokhtar geführt. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hatte bereits zuvor im Fernsehsender TF1 gesagt, hinter der Geiselnahme stecke wahrscheinlich Belmokhtar. Belmokhtar wird für eine Reihe von Anschlägen und Geiselnahmen in mehreren afrikanischen Ländern verantwortlich gemacht. Er war früher der Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) und wurde später Chef von Al-Mourabitoun. Im Juni hieß es, er sei bei einem US-Luftangriff getötet worden.

Vermutlich keine deutschen Todesopfer

Ein US-Amerikaner wurde bei der Geiselnahme getötet, hieß es aus Washington. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier teilte während eine Staatsbesuchs in Sambia mit, es habe vermutlich keine deutschen Todesopfer gegeben: "Nach allem, was wir wissen, sind unter den Toten keine Deutsche." Nach aktualisierten Angaben hielten sich zu Beginn der Geiselnahme vier Bundesbürger in dem Luxushotel auf. Steinmeier sagte, alle vier hätten das Hotel unversehrt verlassen können.

Deutschland ist nach den Worten Steinmeiers nach wie vor zu einer Ausweitung seines Engagements in Mali bereit. "Wir schauen gemeinsam mit unseren Partnern, wie und wo das am wirkungsvollsten geschehen kann." Derzeit beteiligt sich die Bundeswehr mit 200 Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali (EUTM Mali) an der Ausbildung der malischen Streitkräfte . Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten.

Gezielter Angriff auf Frankreich?

Nach Einschätzung von ARD-Korrespondentin Sabine Bohland war der Überfall ein gezielter Angriff auf Frankreich. Das EU-Land hatte 2013 in Mali einen Vormarsch bewaffneter Islamisten in Richtung Süden gestoppt. Später übergab Frankreich den Militäreinsatz an die UN-Blauhelmtruppe Minusma. Frankreichs Verteidigungsminister Le Drian sagte am Abend, es sei kein französischer Staatsbürger getötet worden.

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