Geiselnahme in Bamako | Bildquelle: AFP

Geiselnahme in Bamako Sicherheitskräfte stürmen Hotel in Mali

Stand: 20.11.2015 13:21 Uhr

Nach der Geiselnahme in einem Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako stürmen Sicherheitskräfte das Gebäude. Sie sollen mittlerweile 80 der etwa 170 Geiseln befreit haben. Drei Menschen seien getötet worden. Unklar ist, um wie viele Attentäter es sich handelt.

Nach der Geiselnahme in einem Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako versuchen Sicherheitskräfte, das Gebäude zu stürmen. Wie der staatliche Rundfunk meldet, wurden bisher 80 Geiseln befreit. Offiziell bestätigt ist das noch nicht. Drei weitere Geiseln sollen ums Leben gekommen sein.

Damit könnten sich noch mehr als 80 Menschen in der Gewalt der Angreifer befinden. Der Eigentümer der betroffenen Hotelkette Radisson hatte zuvor davon gesprochen, die Attentäter hätten ursprünglich 140 Gäste und 30 Angestellte als Geiseln genommen.

Offenbar Hotelgäste aus Frankreich, Türkei und China

Unter den Geiseln sollen sich zwölf Mitarbeiter der Air France befunden haben. Sie seien aber inzwischen in Sicherheit, teilte die französische Fluglinie mit. Auch Turkish Airlines hatte gemeldet, Angestellte ihrer Gesellschaft seien zur Zeit des Überfalls im Hotel gewesen. Mehrere von ihnen seien ebenfalls mittlerweile frei. Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua waren auch Chinesen unter den Hotelgästen. Das Auswärtige Amt in Berlin hat nach eigenen Angaben bisher keine Erkenntnisse darüber, ob Deutsche betroffen sind.

Soldaten vor dem Radisson-Hotel in Bamako | Bildquelle: AP
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Einsatzkräfte vor dem Radisson-Hotel in Bamako

Zahl der Attentäter unklar

Unklar ist noch, um wie viele Attentäter es sich handelt. Während Sicherheitskräfte von zwei oder drei Angreifern sprachen, berichteten Augenzeugen von zehn Männern. Die Täter hätten gefeuert und "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen. Aus malischen Sicherheitskreisen verlautete, es handele sich vermutlich um Islamisten.

Angriff gilt offenbar Frankreich

Nach Einschätzung von ARD-Korrespondentin Sabine Bohland ist der Überfall auf das Hotel ein gezielter Angriff auf Frankreich. Die Täter nutzten offenbar Autos mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zu dem Gebäude zu bekommen.

Sabine Bohland, ARD Nairobi, zur Geiselnahme in Bamako
tagesschau 12:00 Uhr, 20.11.2015

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Das Hotel liegt westlich des Stadtzentrums in einem Viertel, in dem sich auch mehrere Ministerien sowie die Wohnorte von Diplomaten befinden. Es handelt sich um ein Radisson-Hotel, das bei Diplomaten und auch Mitarbeitern der Fluglinie Air France beliebt sein soll. Die Botschaften Frankreichs und der USA forderten ihre Bürger in Bamako auf, sich in Sicherheit zu bringen.

U.S. Embassy Bamako @USEmbassyMali
SECURITY MESSSAGE (1/4) The Embassy is aware of an ongoing active shooter operation at the Radisson Hotel.

Deutsche Soldaten, die sich im Rahmen eines Ausbildungseinsatzes in Mali aufhalten, sind nach Angaben der Bundeswehr nicht von der Attacke betroffen.

Bereits Angriff auf Hotel im August

Im August hatte es bereits einen Überfall auf ein bei Ausländern beliebtes Hotel in Mali gegeben. In der Stadt Sévaré hatten die Täter - mutmaßliche malische Islamisten - Geiseln genommen und sich Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert. 13 Menschen waren getötet - worden, unter ihnen fünf UN-Mitarbeiter.

Eine französische Militärintervention hatte Anfang 2013 in Mali den Vormarsch bewaffneter Islamisten in Richtung Süden gestoppt. Mehrere Gruppen verüben aber weiterhin Anschläge. Frankreich übergab den Militäreinsatz später an die UN-Blauhelmtruppe Minusma.

Etwa 200 Bundeswehrsoldaten in Mali

Im Süden des Landes bildet die Europäische Union mit maßgeblicher Beteiligung der Bundeswehr malische Soldaten aus. Etwa 200 deutsche Soldaten halten sich deshalb derzeit in Mali auf - nur ein kleiner Teil von ihnen verrichtet den Dienst in der Hauptstadt Bamako.

Die Bundesregierung erklärte in einer ersten Reaktion auf den Hotel-Überfall, sie halte daran fest, den Einsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Land auszuweiten. Die Tat habe "keinen Einfluss auf die Planungen", so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

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