EU-Mission: Bundeswehr-Ausbilder trainieren Malier

Bundeswehr-Ausbilder in Afrika

Turbo-Training für malische Rekruten

30 Bundeswehr-Ausbilder beginnen heute mit dem Training malischer Soldaten. Im Rahmen der EU-Ausbildungsmission soll Malis desolate Armee fit gemacht werden für den Kampf gegen islamistische Milizen. Für die Deutschen ist der Einsatz nicht ohne Risiko.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Einen Monat Grundausbildung im Rahmen der EU-Ausbildungsmission haben die ersten malischen Rekruten hinter sich, jetzt soll es am Stützpunkt Koulikoro richtig losgehen. Aus zum Teil völlig unerfahrenen Soldaten sollen Pioniere werden, und das in einem Turbo-Lehrgang: ein Fall für die Militärausbilder der Bundeswehr.

Bundesverteidigungsminister de Maiziere informierte sich Mitte März in Koulikoro über die EU-Ausbildungsmission (Bildquelle: dpa)
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Bundesverteidigungsminister de Maiziere informierte sich Mitte März in Koulikoro über die EU-Ausbildungsmission.

Hauptmann Timo Wirtz begleitet die Kameraden als Presseoffizier. Er sagt: "Was wir hier trainieren, sind Forderungen der malischen Armee. Dabei geht es vor allem um das Räumen von Sperren, die vom Gegner errichtet wurden, und das Errichten von Sperren für den Gegner, also Straßensperren oder Sperren irgendwo im Gelände, so dass der Gegner oder die feindlichen Kräfte diese nicht überwinden können."

Aber es geht auch um Kommunikation, um Brückenbau und vor allem um Kampfmittelräumung, also den Umgang mit Munition, Minen und anderen Sprengfallen. Davon haben die Islamisten im Norden Malis eine Menge hinterlassen.

"Zur Vorbereitung auf die Ausbildung musste zunächst einmal das Material vorbereitet werden", sagt Wirtz. Ein Großteil der Ausrüstung sei von der malischen Armee selbst zur Verfügung gestellt worden. Einen kleineren Teil habe Deutschland bereitgestellt, vor allem Schaufeln, Spaten, Sägen. "Dazu ging es darum, noch einmal die Ausbildungsinhalte mit den malischen Streitkräften hier vor Ort abzustimmen."

Bundeswehr startet Pionier-Ausbildung in Mali
A. Göbel, ARD Rabat
29.04.2013 03:50 Uhr

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Finanziell und moralisch in einem desolaten Zustand

Die malischen Soldaten seien sehr motiviert, heißt es bei der Bundeswehr und im Führungsstab der rund 650 Mann starken EU-Trainingsmission, kurz "EUTM". Doch die Militär-Trainer müssen praktisch bei Null anfangen: Malis Armee ist finanziell, strategisch und moralisch in einem desolaten Zustand.

Ein Soldat der malischen Armee zeigt eine Karte des Geländes für die Ausbildungsmission (Bildquelle: dpa)
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Ein Soldat der malischen Armee zeigt eine Karte des Geländes für die Ausbildungsmission.

Vergangenes Jahr waren Malis Truppen im Norden des Landes praktisch von Tuareg-Milizen und islamistische Kämpfer überrollt worden. Es sei höchste Zeit, dass endlich wieder ausgebildet wird, findet Bertrand Soret, stellvertretender Chef der EU-Delegation in Bamako: "Die Idee von EUTM ist es, den Zusammenhalt der Bataillone wieder zu stärken, damit sie auch mittelfristig zusammen bleiben."

Denn das war nicht immer so: Nach einem Anti-Terror-Training durch US-Soldaten liefen malische Einheiten sogar schon einmal zur MNLA über, zur Tuareg-Befreiungsbewegung. Aus gutem Grund gehören diesmal auch Menschenrechte zum Lehrplan: Malische Soldaten sollen Racheakte verübt haben, vor allem an der arabischstämmigen Bevölkerung.

Bundeswehr beginnt mit Ausbildung von Soldaten in Mali
tagesschau 20:00 Uhr, 29.04.2013, Shafagh Laghai, ARD Nairobi zzt. Koulikoro

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Potenzielle Gefahr islamistischer Anschläge

Insgesamt rund 2600 Mann werden das Training der Europäer durchlaufen, das erste Bataillon soll bereits Ende Juni einsatzbereit sein. Auf die deutschen Ausbilder wartet viel Arbeit. Die feuchte Hitze von derzeit mehr als 40 Grad im Schatten dürfte da nur das kleinste Problem sein.

Ein größeres ist die potenzielle Gefahr islamistischer Anschläge. Darauf sei die Bundeswehr aber ebenso eingestellt wie alle anderen in Mali stationierten Truppen, betont Hauptmann Timo Wirtz. Er freut sich erst einmal auf die nächsten Wochen. Denn der Einsatzort Mali macht auf ihn bisher einen guten Eindruck.

"Es ist ein armes Land, aber auch ein sehr schönes", sagt Wirtz. Die Menschen seien vor allen Dingen sehr freundlich. "Überall, wo ich gewesen bin, hat man immer in freundliche Gesichter gesehen und ist immer freundlich behandelt und aufgenommen worden. Also wir werden hier akzeptiert. Den Eindruck habe ich auch persönlich."

Wie lange der EU-Einsatz in Mali dauern wird, darauf will sich im Planungsstab niemand festlegen. Klar ist nur: Das deutsche Mandat für den neuen Auslandseinsatz ist auf ein Jahr begrenzt, Verlängerungen sind möglich und wahrscheinlich.

Stand: 29.04.2013 03:09 Uhr

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