Blick auf die Hauptstadt der Malediven | Bildquelle: AFP

Anschlagsversuche auf Präsidenten Malediven rufen den Notstand aus

Stand: 04.11.2015 12:06 Uhr

Erst eine Explosion auf dem Präsidentenschiff, dann der Fund eines Sprengsatzes nahe dem Präsidentensitz: Die Malediven haben jetzt für 30 Tage den Notstand ausgerufen - als Sicherheitsmaßnahme. Doch was steckt genau dahinter?

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Die so malerischen Malediven stecken in einer tiefen Krise - unbemerkt von den meisten Touristen, die in abgeschotteten Wohlfühl-Oasen untergebracht sind. Jetzt greift Präsident Abdullah Yameen zum äußersten Mittel. Er ist seit einer umstrittenen Wahl vor zwei Jahren im Amt. Nun hat er den Notstand ausgerufen - wegen einer mutmaßlichen Bedrohung der nationalen Sicherheit. Im Klartext bedeutet das: Eine umfassende Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Verhaftungen sind jederzeit möglich.

Präsident der Malediven Abdulla Yameen Abdul Gayoom Yameen | Bildquelle: AP
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Hat den Notstand ausgerufen: Der Präsident der Malediven, Yameen

Unmittelbar betroffen ist eine geplante Massendemonstration der größten Oppositionspartei. In zwei Tagen wollte die Demokratische Partei der Malediven mit einem Protestzug durch die Hauptstadt Male für die Freilassung ihres inhaftierten Anführers Mohammed Nasheed kämpfen.

Nasheed war der erste demokratisch gewählte Präsident des Inselstaats. Er hat sich international als Klimaschützer einen Namen gemacht - vor allem durch seine spektakuläre Kabinettssitzung am Meeresgrund. Heute sitzt Nasheed im Gefängnis. Er wurde in einem international stark kritisierten Anti-Terror-Verfahren zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Auch der Vizepräsident sitzt hinter Gittern

Hinter Gittern befindet sich auch der amtierende Vizepräsident des Landes, Ahmed Adheeb. Ihm wird Hochverrat zur Last gelegt. Er soll für eine Explosion an Bord der Yacht von Präsident Yameen Ende September verantwortlich sein.

Rettungskräfte bringen einen Verletzten von Bord eines Bootes | Bildquelle: AFP
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Bei der Detonation auf dem Boot Ende September waren Yameens Frau, ein Berater und ein Leibwächter verletzt worden.

Was sich liest wie ein schlechter Krimi, ist vor allem Ausdruck eines anhaltenden Machtkampfes. Präsident Yameen stammt aus der Familie des langjährigen Ex-Diktators Gayoom, die Nebenbuhler und demokratischer Herausforderer fürchtet. Das Netzwerk der Familie kontrolliert bis heute viele wichtige Schaltstellen im Sicherheitsapparat und in der Justiz.

Die Malediven sind eine Islamische Republik. Auf den rund 1200 Inseln leben etwa 350.000 Menschen - vor allem vom Tourismus und vom Fischfang. 

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