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Bei den Wahlen im März hatte Malaysias Opposition große Gewinne verbucht. Nun wurde Oppositionsführer Ibrahim der Homosexualität beschuldigt - was in dem muslimischen Land bis zu 15 Jahre Gefängnis bedeuten kann. Ibrahim sieht eine Intrige der Regierung - und nicht die erste.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien
[Bildunterschrift: Oppositionsführer Anwar nach Verlassen der türkischen Botschaft. ]
Malaysias Oppositionsführer Anwar Ibrahim hat die türkische Botschaft in Kuala Lumpur wieder verlassen, wo er gestern wegen angeblicher Morddrohungen Zuflucht gesucht hatte. Die Regierung habe ihm Sicherheitszusagen gemacht, sagte der 60-Jährige. Zuvor hatte Anwar der Regierung vorgeworfen, in einen politischen Komplott verwickelt zu sein und ihn durch falsche Anschuldigungen politisch zerstören zu wollen.
Ein junger Mitarbeiter des charismatischen Führers der oppositionellen Gerechtigkeitspartei hatte am Wochenende Anzeige gegen Anwar erstattet und ihn der Homosexualität beschuldigt. Dies kann in dem mehrheitlich muslimischen Malaysia bis zu 15 Jahre Gefängnis bedeuten. Der Vize-Präsident der Gerechtigkeitspartei, Rasia Sivarasa, sagte, es gebe eine Verbindung zwischen dem Anzeigen-Erstatter und höchsten Regierungskreisen: "Uns liegen Fotos vor, die ihn zusammen mit einem Berater des Vize-Premierministers zeigen. Und wir glauben, dass dieses Foto im Büro des Vize-Premierministers in Putrajaja gemacht wurde."
Anwar war 1998/99 schon einmal wegen Homosexualität verurteilt worden. Das Urteil wurde jedoch später aufgehoben. Zudem saß er mehrere Jahre wegen Korruption im Gefängnis. Beide Prozesse galten als politisch motiviert.
Anwar erstattete eine Anzeige wegen Verleumdung und Missbrauch der Justiz. Sivarasa, der Vize-Präsident der Gerechtigkeitspartei sagte, es lägen Beweise vor, dass der heutige Generalstaatsanwalt und der Polizeichef bei dem Prozess gegen Anwar vor zehn Jahren Beweise gefälscht hätten. Dies habe mit zu der neuen Kampagne beigetragen: "Die jüngsten Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen. Damit soll Ibrahim politisch zerstört werden. Die Anzeige selbst ist ein Missbrauch der Justiz, eine Falschaussage und eine böse Verleumdung."
[Bildunterschrift: Anwar Ibrahim und Tochter Nurul Izzah im Wahlkampf ]
Bei den Wahlen in Malaysia anfang März hatte Anwars Gerechtigkeitspartei einen großen Sieg errungen und die Zwei-Drittel-Mehrheit des regierenden Koalitionsbündnisses Barisan Nasional gebrochen. Premierminister Abdullah Badawi steht seitdem unter großem Druck. Wegen zahlreicher Parteiaustritte droht sein Regierungsbündnis, das in Malaysia seit der Unabhängighkeit vor über 50 Jahren regiert, auseinanderzufallen. Anwars Gerechtigkeitspartei könnte dann mit Überläufern aus anderen Parteien eine neue Regierung bilden.
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