Malaysia möglicherweise vor Machtwechsel

Drei malaysische Wahlhelfer bereiten eine Wahlurne vor. (Bildquelle: AP)

Beginn der Parlamentswahl

Malaysia vor Machtwechsel?

Seit 56 Jahren regiert die Koalition um die Nationale Front von Ministerpräsident Razak in Malaysia. Nun steht das Land möglicherweise vor einem Machtwechsel. Umfragen zufolge deutet sich bei der Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Razak und dem Oppositionskandidaten Ibrahim an. Vor allem die jungen Malaysier hoffen, dass sich in ihrem Land endlich etwas ändert.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Daniel ist 35, Programmierer und in diesen Tagen als freiwilliger Helfer für die Opposition unterwegs. Es müsse sich etwas ändern in Malaysia, sagt er auf einem Nachtmarkt am Rande Kula Lumpurs. Dort wartet er auf Nurul Izzak Anwar, eine Kandidatin des Pakatan-Rakyat-Bündnisses, das gute Chancen hat, erstmals seit 56 Jahren die Regierung zu stellen.

"Ich will nicht mehr in einem Land leben, in dem alle Menschen voneinander getrennt sind. Meine Mutter ist Britin, meine Frau Chinesin, die für die Regierung keine wirkliche Malaysierin ist. Das müssen wir ändern, und das geht nur durch einen Regierungswechsel", sagt Daniel.

Der Wahlkampfhelfer meint die Politik der bewussten Bevorzugung der muslimischen, ethnischen Malayen - eine Politik, die die chinesisch- und indisch-stämmigen Malaysier seit langem kritisieren.

Malaysische Opposition hofft auf Machtwechsel
U. Schmidt, ARD Singapur
04.05.2013 13:12 Uhr

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Kampf gegen Korruption

Nurul Izzak Anwar ist angetreten, dies zu ändern. Die 33-Jährige ist die Tochter des Spitzenkandidaten der Opposition, Anwar Ibrahim. Sie spricht eine andere Wählerschaft an als ihr 65-jähriger Vater, der vor 15 Jahren selber Mitglied der Regierungskoalition Barisan Nasional, Nationale Front, war und manchen deshalb suspekt erscheint.

Nurul will vor allem die Korruption bekämpfen: "Wir stecken im Moment in der Falle der Korruption fest und ich merke doch, wie groß der Ärger der Menschen über die ist, die daran teilhaben."

Ein Anhänger Anwar Ibrahims mit einem Plakat von diesem (Bildquelle: AP)
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Ein Anhänger von Anwar Ibrahim. Der ehemalige Vizeregierungschef führt das Oppositionsbündnis an.

Wahlgeschenke und Horrorszenarien

Nadschib Razak, Premier des Landes, weiß, dass es knapp wird bei der Wahl am Sonntag - glaubt man zumindest den Umfragen. Er hat die Zahl der Teilhabenden deshalb noch einmal erhöht: Wahlgeschenke an viele Berufsgruppen, an Beamte, Barzahlungen an Arme - das gehörte zu seinem Wahlkampf.

Und er hält mit Horrorszenarien gegen seinen Konkurrenten Anwar Ibrahim. Malaysia werde im Chaos versinken, wenn die Opposition die Macht erlange, donnert Nadschib bei seinen Auftritten. Außerdem werde das islamische Recht eingeführt. Der Premier spielt damit darauf an, dass zum Oppositionsbündniss auch eine islamistische Partei gehört.

Nadschib Razak bei einem Wahlkampfauftritt (Bildquelle: dpa)
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Ministerpräsident Razak weiß, dass es eng für ihn werden könnte. Er setzt vor allem auf die Stimmen der Landbevölkerung.

Wunsch nach einem Staat für alle Ethnien

Anwar Ibrahim, der Oppositionsführer, hat jedoch genau das Gegenteil versprochen: das Land nämlich, im dem 60 Prozent der Bevölkerung Muslime sind, säkularer als bisher zu machen, Staat und Religion strikter zu trennen.

Seine Tochter Nurul unterstützt ihn  dabei: "Es ist sehr traurig, dass wir trotz der vielen Herausforderungen keine Einheit haben, sondern eine Politik, die sich immer nur an eine Ethnie richtet, an eine Religionsgruppe. Das verhindert jede Entwicklung."

Wee Su Lin ist Anwältin und ebenfalls Wahlhelferin, parteiunabhängig allerdings. Sie wird den Ablauf des Wahltages organisieren und überprüfen. Malaysia braucht einen Wechsel, sagt auch sie: "Da gibt es so viele Gründe, grundsätzlich haben wir eine Regierung, die sich nicht um die Menschen kümmert. Sie erklärt nichts mehr, sie kommt nur mit schlichten Ausreden, wenn es um Korruption geht oder um Menschenrechte etwa."

Entscheidung zwischen Stadt und Land

Es wird eine Wahl auch zwischen Stadt und Land. Die junge Stadtbevölkerung, durch das Internet gut und unabhängig informiert, steht auf der Seite der Opposition.

Die Landbevölkerung dagegen wird, so Beobachter, die Regierung wählen, von der sie sich einigermaßen gut versorgt fühlt - in diesem Malaysia, dem Analysten eine große Zukunft als wichtige Wirtschaftsmacht Südostasiens voraussagen.

Dieser Beitrag lief am 05. Mai 2013 um 17:16 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Stand: 05.05.2013 04:37 Uhr

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