Nach "Allah-Urteil": Brandanschläge auf Kirchen in Malaysia

Brandanschläge auf Kirchen in Malaysia

"Allah ist nur für Muslime"

Ein Gerichtsurteil, das auch Nicht-Muslimen die Verwendung des Wortes Allah für Gott erlaubt, schürt in Malaysia religiöse Spannungen. In den Freitagsgebeten wird gegen die Entscheidung protestiert, auf mehrere Kirchen in Kuala Lumpur wurden Brandanschläge verübt.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Ausgabe der katholischen Wochenzeitung Herald (Bildquelle: AP)
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Ausgabe der katholischen Wochenzeitung Herald

Mit den Freitagsgebeten in den Moscheen in Malaysia haben Proteste gegen die Verwendung des Wortes Allah durch Nicht-Muslime begonnen. Radikale islamische Gruppen hatten dazu aufgerufen, nachdem das Oberste Gericht des Landes der katholischen Wochenzeitung "Herald" den Abdruck des Wortes Allah erlaubt hatte. Die Islambehörde und viele Muslime in Malaysia sind der Auffassung, Allah sei der Gott der Muslime, und die Verwendung des Wortes durch Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften könne zur Verwirrung führen.

"Man kann doch nicht ein Gericht über Gott entscheiden lassen"

Auf der Straße in Kuala Lumpur gab es sehr unterschiedliche Meinungen dazu: "Das war nicht richtig, wie das Gericht entschieden hat." - "Die Mehrheit in diesem Land sind doch Muslime. Die Regierung sollte dafür sorgen, dass es eine Revision des Urteils gibt." - "Allah ist doch der Name für Gott. Und der steht über allem. Auch über dem Gericht. Man kann doch nicht ein Gericht über Gott entscheiden lassen." - "Allah ist nicht der richtige Name für den Gott der Christen. Allah ist nur für Muslime." - "Die Christen wollen mit der Verwendung des Wortes Allah nur Unruhe stiften. Allah ist nur für Muslime. Wenn sie nicht damit angefangen hätten, hätten wir religiöse Harmonie in Malaysia."

Brandanschläge auf Kirchen

Die ausgebrannte Kirche in Kuala Lumpur (Bildquelle: AP)
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Die Metro-Tabernakel-Kirche in Kuala Lumpur brannte fast vollständig aus.

In der vergangenen Nacht wurde ein Brandanschlag auf eine Kirche in Kuala Lumpur verübt. Das Gotteshaus in einem Wohngebiet brannte weitgehend aus. Verletzt wurde niemand. Ein Nachtwächter berichtete im Fernsehen, er habe zwei Männer auf Motorrädern wegfahren sehen, als das Feuer ausbrach. Wenige Stunden später wurden zwei weitere Kirchen angegriffen, an einer entstand Sachschaden.

Der Polizeichef von Kuala Lumpur rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf. Das sei ein sehr heikles Thema. Die Angelegenheit könne leicht außer Kontrolle geraten, sagte er. Die malaysische Regierung erklärte, sie könne Protestkundgebungen in Moscheen nicht verhindern.

Der Generalstaatsanwalt hatte im Auftrag der Regierung eine vorläufige Aussetzung der Entscheidung des Obersten Gerichts erwirkt. Bis zur endgültigen gerichtlichen Klärung bleibt der Abdruck des Wortes Allah in der katholischen Zeitung "Herald" verboten.

Alle singen Allah in der Nationalhymne

Doch auch Hindus und Sikhs in Malaysia verwenden das Wort Allah in ihren Gebeten und Mantras. Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften in Malaysia verwiesen darauf, dass in der Nationalhymne das Wort Allah von allen Staatsbürgern gesungen werde, egal welcher Religion oder ethnischen Gruppe sie angehörten.

Stand: 08.01.2010 08:43 Uhr

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