De Maiziere bei den deutschen Patriot-Einheiten in der Türkei  | Bildquelle: dpa

De Maizière bei deutschen "Patriot"-Einheiten "Damit niemand auf dumme Gedanken kommt"

Stand: 23.02.2013 21:25 Uhr

Bundesverteidigungsminister de Maizière hat die deutschen "Patriot"-Raketeneinheiten im osttürkischen Kahramanmaras besucht. "Die NATO steht hier, damit niemand in Syrien auf dumme Gedanken kommt", sagte er nach einem Gespräch mit den Bundeswehrsoldaten.

Von Jens Borchers, ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zzt. Kahramanmaras

Thomas de Maizière grüßt, lächelnd, winkt dem kleinen Trupp Soldaten im Nieselregen zu und verschwindet zur Lagebesprechung in einen Container. Oberst Marcus Ellermann, der Kommandeur der deutschen Einsatzkräfte, berichtet gleich vor drei Ministern: De Maizière ist mit seiner niederländischen Kollegin Jeanine Hennis-Plasschaart und dem türkischen Verteidigungsminister Ismet Yilmaz gekommen - Besuch im NATO-Format. 

"Patriot"-Startrampen ragen gen Himmel

"Unsere Mission ist es, diese wichtige Stadt zu beschützen", sagt Ellermann. Die wichtige Stadt heißt Kahramanmaras. Hier gibt es vor allem Textilindustrie und Landwirtschaft. Mittlerweile auch ein überfülltes Flüchtlingslager voller Syrer, die vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land fliehen. Unterhalb einer Bergkette, aber oberhalb dieser Stadt, ragen die mobilen Startrampen der "Patriot"-Luftabwehr-Raketen gen Himmel.

Vor diese Kulisse stellt sich de Maizière gemeinsam mit seinen Kollegen. Auch die politische Botschaft hat NATO-Format und richtet sich vor allem an Syrien, aber auch an die türkische Bevölkerung: "Wenn irgendjemand in Syrien auf dumme Gedanken kommt, dann steht hier nicht die Türkei oder die Niederlande oder Deutschland, sondern die NATO insgesamt."

Verteidigungsminister de Maizière auf Truppenbesuch in der Türkei
tagesthemen 23:20 Uhr, 23.02.2013, Michael Schramm, ARD Istanbul

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Die ausländischen Soldaten sind nicht unumstritten in der Türkei. Bundeswehr-Angehörige berichten, zu 90 Prozent gebe es freundliche Reaktionen und Signale, wenn sie in der Stadt unterwegs sind. Aber manchmal stehen auch einzelne Türken vor den Unterkünften und sagen: "Wir wollen Euch hier nicht haben!"

Zwölf-Stunden-Schichten

Der Einsatz ist für die Bundeswehr-Soldaten anstrengend: Sie schieben Zwölf-Stunden-Schichten vor den Radarschirmen, mit denen der syrische Luftraum nach Raketen permanent abgesucht wird. "Jeder Abschuss einer Scud-Rakete in Syrien wird von uns ganz genau erkannt", berichtet Kommandeur Ellermann.

De Maizière auf Truppenbesuch in der Türkei
J. Borchers, ARD Berlin
23.02.2013 20:35 Uhr

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Beinahe täglich sehen die Soldaten auf ihrem Radar Raketen von Damaskus Richtung Aleppo fliegen. Sie ahnen, welche Zerstörungen sie anrichten werden. In Richtung Türkei ist bisher noch kein Flugkörper gelenkt worden. Aber genau das müssen die Soldaten 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche im Auge behalten.

Sollte etwas passieren, haben sie nur wenige Minuten, um zu reagieren: Rückkopplung mit dem Kommando in Ramstein und dann eventuell Abschuss der anfliegenden Rakete. Und zwar ausschließlich Raketen - um syrische Flugzeuge müssen sich die türkischen Streitkräfte kümmern. Die Bundeswehr-Soldaten wirken stolz auf ihren ersten richtigen Einsatz mit dem Luftabwehrsystem "Patriot". Und sie behalten im Auge, was um sie herum passiert.

Lob für Hilfsbereitschaft der Türkei

Verteidigungsminister de Maizière kam in Begleitung seiner Amtskollegin Hennis-Plasschaert und des türkischen Ministers Yilmaz. | Bildquelle: dapd
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Verteidigungsminister de Maizière kam in Begleitung seiner niederländischen Amtskollegin Hennis-Plasschaert und des türkischen Ministers Yilmaz.

In den Krankenhäusern von Kahramanmaras werden viele Syrer aufgenommen und behandelt, erzählen Sanitäter. De Maizière betont mehrfach seinen Respekt vor der Hilfsbereitschaft der Türken: "Man kann zwei Flüchtlingsgruppen unterscheiden", sagt er. Zusammen seien es weit mehr als 300.000. "180.000 leben in Lagern, andere pendeln hin und her. Die Türkei hat mir gesagt, sie können sich das leisten. Jordanien kann sich das nicht leisten, wir sollen Jordanien helfen. Auch das nötigt mir Respekt ab."

Respekt äußert de Maizière auch für seine Soldaten. Unterkunft und Verpflegung waren in den ersten Wochen stark gewöhnungsbedürftig, sagen sie. Und nicht nur sie: Die türkische Regierung ließ innerhalb von einem Monat neue Unterkünfte für die deutschen Gäste herrichten. Wohl nicht zufällig wurde am Abend vor dem Ministerbesuch verkündet: Jetzt seien sie fertig. Wie lange die Deutschen bleiben? De Maizière will sich nicht festlegen: "Unser Einsatz dauert so lange wie nötig. Nicht länger. Wie lange es nötig ist, wissen wir noch nicht."

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