Prozess Mafia Capitale (Archivbild 2015) | Bildquelle: REUTERS

"Mafia-Capitale"-Prozess Lange Haft für den "Einäugigen"

Stand: 20.07.2017 15:12 Uhr

Er stand an der Spitze des kriminellen Netzwerkes "Mafia Capitale", das sich in Rom mithilfe von Politikern lukrative öffentliche Aufträge sicherte. Jetzt müssen der Hauptangeklagte und sein Komplize für Jahre hinter Gitter.

Die beiden berüchtigten Top-Angeklagten im Prozess gegen die Hauptstadtmafia von Rom sind zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der frühere Rechtsterrorist Massimo Carminati - genannt der "Einäugige" - muss für 20 Jahre ins Gefängnis. Ihm wurde vorgeworfen, der Kopf des kriminellen Netzwerks gewesen zu sein, das Italiens Hauptstadt jahrelang unterwandert hatte. Ein Gericht in Rom befand den 59-Jährigen für schuldig, durch Bestechung und Erpressung Millionenbeträge für öffentliche Ausschreibungen kassiert zu haben.

Sein "Geschäftspartner", der Unternehmer Salvatore Buzzi, bekam eine Haftstrafe von 19 Jahren. Buzzi war 1983 bereits wegen des brutalen Mords an einem geständigen Mitglied seiner Gang zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er zeigte sich nach Einschätzung der Behörden jedoch als "geläutert" und kam nach sechs Jahren Haft wieder auf freien Fuß.

46 Angeklagte aus Italiens Unterwelt

Der aufsehenerregende Prozess lief seit November 2015. 46 Angeklagte aus der Unterwelt, aus Lokalpolitik und der Geschäftswelt standen vor Gericht. Die "Hauptstadt-Mafia" hatte durch Verbindungen bis in die höchsten Spitzen der römischen Verwaltung und Geschäftswelt jahrelang städtische Ausschreibungen manipuliert, um an öffentliche Mittel für die Müllentsorgung, Pflege von Grünflächen oder die Betreuung von Flüchtlingen zu kommen.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist sie mitverantwortlich dafür, dass Rom knapp vor dem Finanzkollaps stand und seine Straßen sowie die öffentliche Versorgung in so schlechtem Zustand sind. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Über dieses Thema berichteten am 20. Juli 2017 NDR Info um 15:15 Uhr in den Nachrichten und MDR aktuell u.a. um 15:40 Uhr.

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