Der venezolanische Oppositionsführer Julio Borges | Bildquelle: AP

Angeblicher Anschlag in Venezuela Maduro bezichtigt Oppositionellen

Stand: 08.08.2018 08:08 Uhr

Nach dem mutmaßlichen Anschlag nennt der venezolanische Präsident Maduro jetzt Namen: Der Oppositionelle Borges könne "an der Sache" beteiligt sein, sagte er. Die Opposition hatte die Echtheit des Anschlags angezweifelt.

Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat der autoritäre Staatschef einen der prominentesten Oppositionellen des südamerikanischen Landes mit der Tat in Verbindung gebracht. "Die Aussagen deuten auf Julio Borges hin, der in einem herrschaftlichen Haus in Bogotá lebt. Wir wissen, dass er die Feigheit besitzt, sich an so einer Sache zu beteiligen", sagte Maduro in einer Fernsehansprache.

Borges ist einer der bekanntesten Regierungsgegner Venezuelas. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet.

Borges bezeichnet vermeintlichen Anschlag als "Farce"

Per Tweet wies Borges die Anschuldigungen Maduros zurück. Bei dem vermeintlichen Anschlag handele sich um eine "Farce", die dem Präsidenten "weder das Land noch die Welt" abnehme. Das mutmaßliche Attentat sei inszeniert worden, um "all jene von uns zu verfolgen und zu unterdrücken, die sich Ihrer Diktatur widersetzen", schrieb Borges weiter, indem er seine Nachricht direkt an Maduro richtete. Gleichzeitig machte Borges den Staatschef für die "Tragödie" in Venezuela verantwortlich und führte die wirtschaftliche Krise und die Inflation an.

Bereits sechs Festnahmen

Nach Angaben der Regierung hatten mutmaßliche Attentäter am Wochenende versucht, einen Bombenanschlag mit Drohnen auf Maduro zu verüben. Während einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede des Präsidenten waren Explosionen zu hören. Maduro blieb unverletzt. Nach offiziellen Angaben wurden aber sieben Nationalgardisten zum Teil schwer verletzt.

Sechs Verdächtige wurden bislang festgenommen. In seiner Ansprache zeigte Maduro ein Video mit Aussagen eines Festgenommenen. Demnach seien Auftragskiller im Nachbarland Kolumbien für das Attentat ausgebildet worden. Das Außenministerium werde Auslieferungsanträge gegen die Hintermänner in den USA und Kolumbien stellen, kündigte Maduro an.

Nach dem mutmaßlichen Attentat gab es Zweifel, ob es sich überhaupt um einen Anschlag gehandelt hatte. Die Opposition hatte gleich nach dem Ereignis eine Inszenierung befürchtet.

Bekennerschreiben und Anschuldigungen

Allerdings war direkt nach dem Vorfall in Caracas auch ein Bekennerschreiben aufgetaucht - das der "Soldados de franela", in etwa übersetzt "Flanellsoldaten". Diese sind eine bisher unbekannte Gruppe von Militärs und "patriotischen Zivilisten", wie sie selbst auf Twitter schreiben.

Als weitere Köpfe hinter dem vereitelten Drohnenangriff sieht Maduro Kolumbiens Staatschef und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sowie Finanziers aus dem US-Bundesstaat Florida. Santos bezeichnete den Vorwurf als "absurd".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. August 2018 um 06:04 Uhr.

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