Prozess gegen Madsen

Der Fall einer Ikone

Stand: 08.03.2018 12:52 Uhr

Peter Madsen war in Dänemark sehr populär und respektiert. Umso schockierter sind die Dänen vom Prozess gegen ihn. Trotz erdrückender Beweise leugnet er weiter den brutalen Mord.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Noch immer können viele Dänen es nicht fassen, was der 47-jährige Erfinder Peter Madsen getan haben soll. Sven ist ein 58-jähriger Kopenhagener, er steht schockiert vor dem Gericht: "Madsen ist prominent und in gewisser Weise respektiert für das, was er geleistet hat. Viele haben zu ihm als innovative und spannende Persönlichkeit aufgeschaut. Und dann deutet plötzlich alles darauf hin, dass er Seiten hat, die man nicht erwartet hätte."

Madsen ist wegen sexuellen Missbrauchs, Mordes und Leichenschändung angeklagt. Am 10. August war er mit der schwedischen Journalistin Kim Wall an Bord zu einer Fahrt im selbst gebauten U-Boot "Nautilus" aufgebrochen. Das Boot sank, Madsen wurde gerettet, die 30-Jährige blieb zunächst vermisst.

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Mordprozess: Dänischer U-Boot-Bauer Madsen vor Gericht

tagesschau24 14:00 Uhr, 08.03.2018, Clas Oliver Richter, ARD Stockholm

"Ich lebe übrigens noch"

Wenig später wurde erst ihr durch Messerstiche verletzter Torso an einem Küstenstreifen bei Kopenhagen gefunden, später holten Taucher weitere Körperteile, Kleidung und auch den Kopf der Toten aus dem Wasser. Dieser zeigte keinerlei Verletzungsspuren - damit war Madsens zwischenzeitliche Behauptung widerlegt, nach der die Frau vom auf sie fallenden Turmluk erschlagen worden sei. Dann behauptete Madsen, sie sei womöglich im Inneren des Bootes erstickt.

Zum Prozessauftakt wurde nun eine SMS von Wall vorgelesen, darin schrieb sie ihrem Freund: "Ich lebe übrigens noch, aber wir gehen jetzt runter, er hat Kaffee und Kekse mitgebracht." Das letzte Lebenszeichen eines arglosen Mordopfers?

Madsen bestritt vor Gericht den Mordvorwurf und auch den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Bei Vernehmungen hatte er allerdings zugegeben, Walls Leiche zerstückelt und ins Meer geworfen zu haben. Wie passt das zusammen? Und die Videos, die auf Madsens Computer gefunden worden waren, die Folterungen und brutale Tötungen von Frauen zeigen?

Was genau sich an Bord der Nautilus abgespielt hat, will der Prozess klären.

Lebenslange Haft gefordert

Kurt Kragh war Leiter der dänischen Mordkommission. Er beobachtet den Fall Madsen, den er zwar für eine Ausnahme hält, allerdings für eine unfassbar schreckliche Ausnahme: "Das sind extreme sexuelle Phantasien, aber es gibt viele Menschen, die solche Phantasien haben, deshalb findet man all das ja auch im Internet. Doch nur ein Prozent lebt diese Phantasien aus."

Madsen zählt für die Staatsanwaltschaft zu diesem einen Prozent. Die Anklage geht von Mord aus sexuellen Motiven aus und hat lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung beantragt, während die Verteidigung darauf baut, dass die genauen Todesumstände der 30-Jährigen unklar sind und es womöglich auch bleiben.

Der Prozess wird in Dänemark und Schweden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Er wird von mehr als 100 Journalisten aus zwölf Ländern beobachtet und ist auf zwölf Tage angesetzt, 37 Zeugen sind geladen. Mit dem Urteil wird am 25. April gerechnet.

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Prozess im Fall Kim Wall hat begonnen
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
08.03.2018 12:59 Uhr