Ein Polizist im Smog | Bildquelle: REUTERS

Smog-Fahrverbot in Madrid Nur ungerade Kennzeichen erlaubt

Stand: 29.12.2016 15:08 Uhr

Wegen der Smogbelastung dürfen nur Fahrzeuge mit ungeraden Kennzeichen ins Zentrum von Madrid fahren. Das hat Unmut ausgelöst, aber offenbar auch etwas gebracht: Das partielle Fahrverbot wird wieder aufgehoben.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Polizisten stoppen einen Autofahrer | Bildquelle: AP
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Polizisten stoppen einen Autofahrer, der trotz des Verbots nach Madrid gefahren ist.

Blauer Himmel über Madrid, die Sonne strahlt. Dazu frühlingshafte Temperaturen. Von schlechter Luft augenscheinlich keine Spur. Aber die Messgeräte der Stadt sagen etwas anderes: Die Stickstoffdioxid-Werte sind zu hoch. Deshalb hat die Stadtverwaltung den Notfallplan aktiviert, von dem sie schon seit Wochen spricht - quasi als Drohung, falls die Luftverschmutzung nicht nachlässt: ein Fahrverbot.

Am Donnerstag trifft es Besitzer von Autos, deren Kennzeichen auf eine gerade Nummer endet. "Wir versuchen außerhalb zu parken und sehen dann, wie wir in die Stadt kommen", erzählt einer von ihnen. "Die Stadt müsste im Gegenzug immerhin die Bahntickets billiger machen", verlangt eine andere.

Keine Gnade auch für Handwerker

"Ich hab Werkzeug im Auto, aber muss jetzt umdrehen", sagt ein Handwerker, der nicht an seine Baustelle kommt. Er muss ein Knöllchen von 90 Euro zahlen. Die Polizei ist mit mobilen Radarstationen im Einsatz und kontrolliert, welche Nummernschilder die Autos haben, die in die Stadt fahren. Bis zum Mittag haben die Beamten schon mehr als 100 Strafzettel verteilt. "Ich habe gedacht, die geben mir nur das Knöllchen - aber jetzt darf ich auch nicht weiterfahren", sagt einer von ihnen.

Die A-6 nach Madrid | Bildquelle: dpa
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An den Autobahnen in die Stadt gab es deutliche Hinweise auf das Verbot.

Große Warnschilder an den Stadtautobahnen weisen seit gestern auf die neuen Regeln hin, seitdem die Stadt den Notfallplan beschlossen hat. Angelika hat die Schilder früh genug gesehen und entsprechend umgeplant. Die Deutsche lebt nördlich von Madrid und pendelt ins Stadtzentrum. "Ja, ich habe leider das Nummernschild so, dass ich heute nicht fahren darf zwischen 6.30 Uhr und 21.00 Uhr - und dann musste ich natürlich vor 6.30 Uhr auf der Arbeit sein und bin um 4.00 Uhr aufgestanden, um das zu schaffen."

Verbot nach einem Tag wieder aufgehoben - vorerst

Geplant war, dass am Freitag ein Fahrverbot für die Autos gilt, die am Donnerstag ins Zentrum fahren durften - und im Gegenzug die Autos hinein dürfen, die am Donnerstag draußen bleiben mussten. Doch am späten Vormittag verkündete Inés Sabanés, Stadträtin von Madrid: "Wir haben eine gute Nachricht. Die neuesten Messdaten zeigen, dass die Luftverschmutzung zurückgeht. Morgen kehren wir zur Smog-Alarmstufe 2 zurück."

Das heißt: Alle Autos dürfen wieder ins Zentrum von Madrid, unabhängig von ihrem Kennzeichen. Es gelten nur noch Tempolimits auf den Stadtautobahnen und strengere Parkverbote in der Innenstadt.

Das Problem bleibt

Aber die Stadt stellt klar, dass sich die Lage nur leicht entspannt hat. Es weht weiterhin nur ein schwacher Wind, die Abgase stehen deshalb quasi wie eine Glocke über der Stadt und können kaum abziehen. Darum könnten ab nächster Woche schon die nächsten Fahrverbote gelten. Dieser Autofahrerin graut es schon davor: "Wenn die ganzen Leute aus ihren Weihnachtsferien kommen und die Schulen wieder öffnen, dann wird es sicher chaotisch."

Immerhin: An diesem Wochenende will die Stadt Madrid den Verkehr nicht einschränken, sodass man auch mit dem Auto zu seiner Silvester- und Neujahrsparty kommt.

Nur ungerade Kennzeichen erlaubt: In Madrid gilt erstmals ein Fahrverbot
O. Neuroth, ARD Madrid
29.12.2016 14:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Dezember 2016 um 14:38 Uhr

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