Hilfskonvoi für Madaya | Bildquelle: AP

Syrische Stadt Madaya Hunderte Menschen "am Rande des Todes"

Stand: 12.01.2016 03:48 Uhr

Die katastrophale Lage der hungernden Menschen in der syrischen Stadt Madaya hat den UN-Sicherheitsrat entsetzt. Laut Diplomaten sind mehr als 400 Menschen "am Rande des Todes" und müssten sofort evakuiert werden. Ein Hilfskonvoi erreichte die belagerte Stadt.

Nach der Ankunft eines Hilfskonvois im syrischen Madaya hat die Notlage in dem von Regierungstruppen belagerten Ort den Weltsicherheitsrat beschäftigt. Die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power sagte, die Vereinten Nationen hätten bei der Beratung hinter verschlossenen Türen von mehr als 400 Menschen berichtet, die sich in Madaya "am Rande des Todes" befänden und aus medizinischen Gründen sofort aus dem Ort gebracht werden müssten. Madaya liegt rund 25 Kilometer nordwestlich von Damaskus und ist seit einem halben Jahr eingeschlossen.

Hilfskonvoi erreicht syrische Stadt Madaya
tagesthemen 22:30 Uhr, 11.01.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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Nach UN-Angaben leben 4,5 Millionen Syrer in belagerten oder schwer zugänglichen Gebieten und benötigen dringend humanitäre Hilfe. Zivilisten werden demnach vom Verlassen der Regionen und Orte gehindert, während Hilfsorganisationen gleichzeitig bei dem Versuch blockiert werden, Essen, Medizin, Treibstoff und andere Güter zu den Menschen zu bringen.

"Wir brauchen ungehinderten und nachhaltigen humanitären Zugang zu allen, die in Syrien in Not sind", sagte der UN-Botschafter Neuseelands, Gerard van Bohemen, der Nachrichtenagentur AP. Die Taktik der Belagerung und des Aushungerns sei entsetzlich.

Nahrung für 40.000 Menschen

Am Montag erreichten Hilfskonvois neben Madaya auch die schiitischen Dörfer Fua und Kfarja. Das UN-Welternährungsprogramm erklärte, es werde Nahrung für 40.000 Menschen nach Madaya bringen, die davon etwa einen Monat leben könnten. Nach Fua und Kfarja sollten 20.000 Monatsrationen gehen. "Es ist wirklich herzzerreißend, die Situation der Leute zu sehen", sagte der Sprecher des Roten Kreuzes, Pawel Krzysiek, der die Verteilung in Madaya betreute. "Vor einer Weile wurde ich von einem kleinen Mädchen angesprochen und ihre erste Frage war: 'Bringst du Essen?'"

Ein an dem Einsatz beteiligter Vertreter des UN-Flüchtlingskommissars sagte, obwohl es kalt sei und regne, seien die Menschen aufgeregt, weil ihnen Nahrungsmittel und Decken gegeben würden. Die humanitäre Hilfe war vergangene Woche vereinbart worden, nachdem es Berichte gegeben hatte, in den drei Orten seien Menschen an Unterernährung gestorben.

Syriens Regierung dementiert

Besonders Madaya erregte das Interesse der Weltöffentlichkeit. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind seit Anfang Dezember in einem Gesundheitszentrum 23 Menschen an Unterernährung gestorben. Syriens UN-Botschafter Baschar Dscha'afari dementierte im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York, dass irgendjemand in Madaya verhungere. Dies seien "Vorwürfe und Lügen", die das arabische Fernsehen erfunden habe.

Gleichzeitig beschuldigte er "bewaffnete Terrorgruppen", Hilfsgüter zu stehlen und für überteuerte Preise weiterzuverkaufen. "Die syrische Regierung hat keine Strategie des Hungerns gegen seine eigene Bevölkerung angewendet und wird dies nicht tun", sagte er.

In dem seit fast fünf Jahren tobenden Bürgerkrieg sind mehr als 250.000 Menschen getötet und mehr als eine Million verletzt worden. Etwa die Hälfte der einmal 23 Millionen Syrer wurde aus ihren Häusern vertrieben.

Hunger in Madaya? Alles Lüge - behauptet Syriens UN-Botschafter
G. Schwarte, ARD New York
12.01.2016 03:20 Uhr

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