Rote-Kreuz-Fahrzeuge vor Madaya | Bildquelle: AFP

Bürgerkrieg in Syrien Hilfskonvoi erreicht belagerte Stadt Madaya

Stand: 11.01.2016 17:33 Uhr

Ein Hilfskonvoi des Internationalen Roten Kreuzes ist in der syrischen Stadt Madaya eingetroffen. Deren Bewohner leiden unter Hunger, weil die Stadt seit Monaten belagert wird. Im Norden Syriens sollen bei einem Luftangriff zahlreiche Kinder getötet worden sein.

Eine lang erwartete Hilfslieferung für Tausende Hungernde ist in der belagerten Stadt Madaya im Westen Syriens eingetroffen. Die ersten Lastwagen des Konvois mit 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten erreichten am Nachmittag die Stadt im Westen Syriens, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mitteilte. Madaya liegt rund 25 Kilometer nordwestlich von Damaskus und ist seit einem halben Jahr eingeschlossen.

Hilfskonvoi erreicht syrische Stadt Madaya
tagesthemen 22:30 Uhr, 11.01.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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40.000 Hilfsbedürftige in Madaya

Bevor der Konvoi in die Stadt fahren konnte, mussten die Laster mindestens 20 Kontrollpunkte der Truppen des Assad-Regimes passieren. Die UN schätzen die Zahl der Hilfsbedürftigen allein in dem von den Sicherheitskräften belagerten Madaya auf 40.000, die Hälfte davon Kinder. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen starben dort seit Dezember mindestens 23 Menschen wegen Mangelernährung.

UN-Sicherheitsrat berät über Lage

21 weitere Lastwagen mit Hilfsgütern befinden sich noch auf dem Weg in die schiitischen Orte Fua und Kafraja, die seit Monaten von Rebellen belagert werden und von Hilfsorganisationen nicht erreicht werden können. Dort sind etwa 20.000 Bewohner eingeschlossen.

Bereits im Juni 2015 hatte der UN-Menschenrechtsrat darauf hingewiesen, dass alle Konfliktparteien systematisches Aushungern wie in der Stadt Madaya als Kampfmethode einsetzen. Dies gilt als Kriegsverbrechen und wird mit mindestens drei Jahren Haft bestraft. Die Lieferungen nach Madaya und die beiden Dörfer gehen auf eine von den Vereinten Nationen vermittelte Abmachung zwischen der Regierung und Rebellen zurück.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius forderte ein sofortiges Ende der Belagerung Madayas. Er sagte, es sei "absolut notwendig", dass Syriens Regierungstruppen und Russland ihre Militäreinsätze gegen Zivilisten beendeten.

Luftangriff auf syrische Schule

In Nordsyrien wurden nach Oppositionsangaben bei russischen Luftangriffen auf Schulen zahlreiche Kinder getötet. Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über einen Angriff auf eine Schule in Indschara. Dabei seien mindestens zwölf Kinder und drei Erwachsene getötet sowie 20 Menschen verletzt worden. Indschara wird von Gegnern der syrischen Regierung kontrolliert. Es war zunächst nicht klar, von wem das Bombardement ausging, die Beobachtungsstelle vermutete russische Kampfflugzeuge hinter dem Angriff.

Der Koordinator der syrischen Opposition, Riad Hidschab, warf Russland ebenfalls die Tötung von Kindern in Indschara vor. Russische Kriegsflugzeuge hätten dort ein "Massaker" angerichtet. Die Opposition könne nicht mit der Regierung verhandeln, wenn zugleich die Bevölkerung bombardiert werde.

Die russische Regierung bestritt die Angaben. "Russland führt keine Operationen gegen Zivilisten aus", sagte eine Außenamtssprecherin. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums flog die russische Luftwaffe allein seit Jahresbeginn 311 Kampfeinsätze, bei denen fast 1100 Ziele angegriffen worden seien, wie die Nachrichtenagentur RIA meldete. Während eine US-geführte Allianz nach eigenen Angaben ihre Angriffe auf radikale Islamistengruppen beschränkt, wird Russland vorgeworfen, auch gemäßigte Aufständische zu bombardieren.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

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