Essen und Medizin für die Menschen in Madaya: Weitere Konvois sollen kommen. Archivbild | Bildquelle: AFP

Bürgerkrieg in Syrien Hilfskonvoi erreicht belagerte Stadt Madaya

Stand: 11.01.2016 15:02 Uhr

Nach monatelangen Verzögerungen kann das Rote Kreuz endlich Hilfsgüter nach Madaya bringen. Die syrische Stadt ist seit Monaten eingeschlossen. Im Norden Syriens gab es einen Luftangriff auf eine Schule, mindestens zwölf Kinder wurden getötet.

Die Hilfslieferung für Tausende vom Hungertod bedrohte Menschen ist vor der belagerten syrischen Stadt Madaya eingetroffen. Der Konvoi aus etwa 40 Lastwagen mit 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten erreichte nach Angaben eines Sprechers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) die Zufahrt zu der Stadt im Westen Syriens. Madaya liegt rund 25 Kilometer nordwestlich von Damaskus und ist seit einem halben Jahr eingeschlossen.

Hilfskonvoi erreicht syrische Stadt Madaya
tagesschau 14:00 Uhr, 11.01.2016

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40.000 Hilfsbedürftige in Madaya

Bevor der Konvoi direkt in die Stadt fahren kann, müssen die Laster noch mindestens 20 Kontrollpunkte der Truppen des Assad-Regimes passieren. Die UN schätzen die Zahl der Hilfsbedürftigen allein in dem von syrischen Regierungstruppen belagerten Madaya auf 40.000, die Hälfte davon Kinder. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen starben dort seit Dezember mindestens 23 Menschen wegen Mangelernährung.

UN-Sicherheitsrat berät über Lage

21 weitere Lastwagen mit Hilfsgütern befinden sich noch auf dem Weg in die schiitischen Orte Fua und Kafraja, die ebenfalls seit Monaten von Rebellen belagert und von Hilfsorganisationen nicht erreicht werden können. Dort sind etwa 20.000 Bewohner eingeschlossen. Noch heute wird sich der UN-Sicherheitsrat mit der humanitären Lage in Madaya, Fua und Kafraja befassen. Bereits im Juni 2015 hatte der UN-Menschenrechtsrat darauf hingewiesen, dass alle Konfliktparteien systematisches Aushungern wie in der Stadt Madaya als Kampfmethode einsetzen. Dies gilt als Kriegsverbrechen und wird mit mindestens drei Jahren Haft bestraft.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius forderte ein sofortiges Ende der Belagerung Madayas. Er sagte, es sei "absolut notwendig", dass Syriens Regierungstruppen und Russland ihre Militäreinsätze gegen Zivilisten beendeten.

Luftangriff auf syrische Schule

Bei einem Luftangriff auf eine Schule in Syrien wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens zwölf Kinder und drei Erwachsene, darunter ihre Lehrerin, getötet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, bei dem Luftangriff auf die Stadt Andschara in der nördlichen Provinz Aleppo seien mindestens 20 weitere Menschen verletzt worden. Es war zunächst nicht klar, von wem das Bombardement ausging, aber die Beobachtungsstelle vermutete russische Kampfflugzeuge hinter dem Angriff. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort.

Drei weitere Kinder sollen einem Raketenangriff zum Opfer gefallen sein. Das meldet die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Demnach sollen Rebellen die Raketen auf ein von Regierungssoldaten gehaltenes Viertel abgefeuert haben.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Hilfslieferungen am Stadtrand von Madaya eingetroffen
J. Stryjak, ARD Kairo
11.01.2016 17:25 Uhr

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