Menschen stehen vor einer Videoleinwand | Bildquelle: REUTERS

Wahl in Frankreich Macron will Präsident aller Franzosen sein

Stand: 08.05.2017 11:37 Uhr

Emmanuel Macron wird der nächste Präsident Frankreichs - 66,1 Prozent der Franzosen stimmten für ihn, 33,9 Prozent für die rechtsextreme Marine Le Pen. Macron versprach, Gräben zu überwinden und der Präsident aller Franzosen zu sein.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Es war nicht die Marseillaise, die französische Nationalhymne, nein, es war die Europahymne zu der Emmanuel Macron in den Innenhof des Pariser Louvre schritt, um dort zu den Zehntausenden Anhängern zu sprechen, die gekommen waren, um ihn als ihren neuen Präsidenten zu feiern: "Merci. Wofür ihr heute Abend hier steht, ist eine Leidenschaftlichkeit. Enthusiasmus. Die Energie des französischen Volkes."

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Franzosen wählen Emmanuel Macron zum Präsidenten

Macron-Anhänger am Louvre

Riesige Freude und sichtbare Erleichterung war auf den Gesichtern der Macron-Anhänger nach der ersten Hochrechnung zu sehen. Tausende waren am Abend zum Louvre gezogen, um dort das Wahlergebnis zu feiern. | Bildquelle: AP

"Ich respektiere sie"

Das hatte ihn gestern mit großer Mehrheit zum jüngsten französischen Präsidenten gewählt. Doch Macron wandte sich bewusst auch an die, die nicht für ihn, sondern für seine Gegnerin, die rechtsextreme Marine Le Pen gestimmt hatten. "Sie haben eine Wut ausgedrückt, eine Verzweiflung, manchmal auch Überzeugungen. Ich respektiere sie. Aber ich werde in den kommenden fünf Jahren alles tun, damit es keinen einzigen Grund mehr geben wird, die Extremen zu wählen", sagte er.

Das allerdings hatten gestern rund elf Millionen Franzosen getan. Für den rechtsextremen Front National war das Ergebnis Triumph und Schlappe zugleich. Denn Marine Le Pen hatte gehofft, in der Stichwahl die 40 Prozent-Marke zu durchbrechen. Ihre Niederlage gestand sie zwar ein, doch sie plant schon einen neuen Angriff: "Mit diesem historischen und massiven Ergebnis haben die Franzosen die Patriotische und Republikanische Allianz zur stärksten Oppositionskraft gegenüber dem neuen Präsidenten gemacht. Die politischen Formationen, die dafür verantwortlich sind, dass Monsieur Macron gewählt wurde, haben sich selbst diskreditiert und haben die Berechtigung verloren, eine glaubwürdige Opposition zu sein", sagte sie.

Links und rechts mobilisieren

Bei den Parlamentswahlen im Juni will Marine Le Pen nun stärkste Kraft werden und ihre Partei dafür tiefgreifend umbauen. Doch auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums scharrt bereits jemand mit den Hufen. Der Anführer der Ultralinken Jean-Luc Mélenchon hatte sich noch am Abend an die französischen Wähler gewandt. Er hofft ebenfalls auf einen Durchbruch bei den Parlamentswahlen im Juni: "Ich rufe die sieben Millionen Menschen auf, die sich um das Programm versammelt haben, dessen Kandidat ich war, sich zu mobilisieren und vereint zu bleiben. Ob sie nun für Herrn Macron gestimmt haben oder nicht. Eine Mehrheit im Parlament braucht aber auch der frisch gewählte Präsident Emmanuel Macron, wenn er seine sozialliberalen Reformen durchsetzen will."

Lange auf seinem gestrigen Sieg ausruhen kann sich Macron also nicht. Für ihn und seine En Marche-Bewegung geht der Wahlkampf schon heute in eine neue Runde.

Kein Ausruhen für Frankreichs neuen Präsidenten Macron
K. Gallmeyer, ARD Paris
08.05.2017 06:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der ARD-Brennpunkt am 07. Mai 2017 um 20:15

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