Francois Hollande | Bildquelle: AFP

Parlamentswahl in Frankreich Tag der bitteren Wahrheiten

Stand: 12.06.2017 18:57 Uhr

Das Ergebnis der Partei La République en Marche bei der Wahl in Frankreich deutet eine radikale Erneuerung der Nationalversammlung nach dem zweiten Wahlgang am Sonntag an. Die etablierten Parteien des Landes stößt es in eine tiefe Krise.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Alles deutet darauf hin, dass am kommenden Sonntag eine überwältigende Mehrheit von Abgeordneten der Präsidentenpartei La République en Marche in der Nationalversammlung vertreten ist. Bestätigen sich die Trends der ersten Runde, kommt die Partei von Emmanuel Macron auf bis zu 450 der insgesamt 577 Sitze - damit gehen eine radikale Erneuerung und auch eine Verjüngung der Abgeordneten einher. Das hat Auswirkungen auf die Parteienlandschaft in Frankreich.

Für die konservative Partei Die Republikaner war der Wahltag der Tag der bitteren Wahrheiten. Und eine besonders bittere Wahrheit brachte der konservative Abgeordnete Henri Guaino nach seinem Ausscheiden in der ersten Runde in die Welt. Er sagte: "Die Wählerschaft in meinem Pariser Wahlkreis ist eine Wählerschaft zum Kotzen." Er sagte tatsächlich: "Zum Kotzen." Dann setzte seine Rede mit den erklärenden Worten fort: "Sie haben mich richtig verstanden, zum Kotzen. Ich kann das sagen. Ich bin frei."

Guaino ist sicherlich frei, seine Wähler zu beschimpfen. Aber um allen negativen Konsequenzen zuvorzukommen, hatte er vorsichtshalber zuvor seinen kompletten Rückzug aus der Politik angekündigt. Falls Guaino irgendwann noch einmal antreten sollte, dann sicher nicht wieder in diesem Pariser Wahlkreis.

Überwältigender Erfolg für Macrons "La République en Marche"
tagesthemen 22:15 Uhr, 12.06.2017, Ellis Fröder, ARD Paris

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Werben im fast unterwürfigen Tonfall

Andere konservative Republikaner waren nicht ganz so selbstzerstörerisch in ihren Reaktionen. Xavier Bertrand, Präsident des Regionalrats der Hauts-de-France im äußersten Norden des Landes an der Grenze zu Belgien, warb in einem fast unterwürfigen Tonfall bei den Wählerinnen und Wählern. Er sagte: "Unsere Wähler haben vollkommen recht, böse auf uns zu sein. Aber ich sage diesen enttäuschten Wählerinnen und Wählern auch: Wir brauchen euch."

Bertrand meinte damit, seine Partei brauche die Wähler, um ein totales Debakel zu verhindern. Immerhin können die Republikaner mit etwa hundert Sitzen in der kommenden Nationalversammlung rechnen. Damit würden sie die größte Oppositionspartei stellen.

Katastrophal schlechte Ergebnisse der Sozialisten

Francois Hollande | Bildquelle: AFP
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Die Partei von François Hollande schnitt besonders schlecht ab.

Zu den bitteren Wahrheiten gehört aber auch, dass die Partei der Sozialisten (PS) des ehemaligen Präsident François Hollande besonders schlecht abgeschnitten hat. Sie steht jetzt möglicherweise finanziell vor dem Bankrott. Aufgrund der katastrophal schlechten Ergebnisse fehlen ihr künftig jährliche Subventionen in Höhe von neun Millionen Euro.

Der ausgeschiedene Ex-Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, Benoît Hamon, aber schaute furchtlos in die Zukunft. Er sagte: "Die Parteien haben versagt, aber ihre Ideen leben weiter, ihre Werte leben weiter." Im Fall der PS gehe es bei diesen Ideen und Werten um "eine Verbindung von Sozialismus und Ökologie". Das klang jedoch nach einem sehr lauten Pfeifen in einem sehr dunklen Wald.

Auch die Grünen erhielten bei der Wahl ein schlechtes Ergebnis. Aber vor allem die PS muss fürchten, von Macrons En Marche oder der Partei Unbeugsames Frankreich des Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon geschluckt zu werden. Der machte der PS nun schon Avancen. "Ich denke, wir sind ganz gut aus den Wahlen rausgekommen, und einige aus der PS könnten bei uns Zuflucht finden", sagte er.

Nur vier Mandate für den Front National

Wenig Grund zur Freude gibt es beim Front National. Wie die extreme Linke pocht auch die extreme Rechte auf ihre Rolle als einziges ernstzunehmendes Gegengewicht in der Nationalversammlung. Parteivize Florian Philippot sagte: "Die Frage ist doch, will man eine echte patriotische Opposition in der Assemblée? Das werden wir sein."

Philippot dürfte dann einer von maximal vier Abgeordneten des Front National in der Nationalversammlung sein - vier von insgesamt 577 Abgeordneten. Das hatten sich der FN und seine Führung garantiert anders vorgestellt. Vermutlich denkt man auch dort insgeheim, was der konservative Henri Guaino in seiner Wählerbeschimpfung laut ausgesprochen hat. Diese Parlamentswahlen waren auch für den Front National wirklich keine gute Sache.

Nach der ersten Wahlrunde - Zwischen Wählerbeschimpfung und Frustration
B. Kostolnik, ARD Paris
12.06.2017 18:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Juni 2017 um 20:00 Uhr.

Korrespondentin

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Barbara Kostolnik, WDR

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