Emmanuel Macron feiert nach dem Sieg in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl | Bildquelle: AFP

Macrons Bewegung "En Marche!" Neuer Name, neues Ziel

Stand: 08.05.2017 18:24 Uhr

Für Macron und seine Bewegung ist nach der Wahl vor der Wahl. Denn bis zur Parlamentswahl im Juni ist für "En Marche!" noch Einiges zu tun: Umbenennen, Kandidaten aufstellen, Überzeugungsarbeit leisten - die Konkurrenz rüstet sich nämlich ebenfalls.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Da stehen sie - der alte und der neue Präsident: François Hollande, unbeliebtestes Staatsoberhaupt der 5. Republik, und sein Nachfolger, Emmanuel Macron, von vielen nur gewählt, um eine rechtsextreme Kandidatin zu verhindern.

Beim Gesang der Partisanen am Grab des Unbekannten Soldaten, als beide nebeneinander stehen, bekommt man fast das Gefühl, es handele sich um Vater und Sohn. Ein Eindruck, den der scheidende Präsident mit zahlreichen Gesten verstärkt: So fasst Hollande Macron am Arm, zeigt ihm den Weg. Später sagt er in die Mikrofone: "Er hat mich begleitet, erst im Elysée-Palast als mein Berater, dann hat sich von mir emanzipiert, und jetzt haben ihn die Franzosen zum Präsidenten gewählt."

Nachfrage an Hollande: Fühlt er sich nicht von demjenigen verraten, der ihm quasi alles verdankt? "Nein, er hat das gemacht, was er für richtig hielt - erst an meiner Seite, dann allein und jetzt mit den Franzosen. Ich wünsche ihm, dass er Erfolg hat."

Nächstes Ziel - Parlamentswahlen

Macron muss jetzt erst einmal Erfolg bei den nächsten Wahlen haben: Im Juni steht die Abstimmung über die Nationalversammlung an, seine Bewegung "En Marche!" will in allen Wahlkreisen Kandidaten und Kandidatinnen aufstellen - genauso viele Männer wie Frauen und, erklärt "En Marche!"-Generalsekretär Richard Ferrant: "Die Hälfte der 577 Kandidaten soll aus der Zivilgesellschaft stammen, die anderen sollen lokale Abgeordnete oder Menschen mit politischer Erfahrung sein."

"En Marche!" wird sich umbenennen, in "La République en Marche". Macron hat angekündigt, den Vorsitz seiner Bewegung niederzulegen. Sein Vorgänger Hollande will ihm mit Rat und Tat zu Seite stehen - wenn Macron das wünscht. Das ist zwar wenig wahrscheinlich, Hollande sieht Macron trotzdem irgendwie schon als seinen Erben: "Er hat den Franzosen ein politisches Angebot gemacht, das sie angenommen haben. Er hat sie überzeugt, er hat die extreme Rechte aufgehalten."

Die extreme Rechte aber denkt nicht daran, sich aufhalten zu lassen. Generalsekretär Nicolas Bay gestand zwar ein, dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl für den Front National suboptimal ist, sagte aber auch: "Man hofft immer, dass es noch besser geht. Aber das Ergebnis von gestern ist enorm, historisch, und es wird uns erlauben, das politische Leben umzukrempeln. Wir wollen ganz viele Patrioten in der Nationalversammlung, um eine entschlossene Opposition für die Franzosen zu bilden."

Macron muss Überzeugungsarbeit leisten

Nachdem auch die radikalen Linken um Jean-Luc Mélenchon erklärt haben, in der kommenden Nationalversammlung gegen den Präsidenten Macron eine starke Opposition versammeln zu wollen, muss Macron versuchen, jenseits seiner Marcheure gemäßigte Sozialisten und Republikaner zu überzeugen. Das wird nicht einfach: "In dem Moment, wo Sie als Republikaner beschließen, mit Macron zu arbeiten, müssen Sie unsere politische Familie verlassen. Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen", sagt entschieden der Republikaner George Fenech.

Signalwirkung wird haben, wen Emmanuel Macron für die Übergangszeit bis zur Wahl zum Premierminister oder -Ministerin ernennt. Nach der Übergabe der Amtsgeschäfte am kommenden Sonntag ist das für Montag nächster Woche geplant.

Macron und Hollande vereint am 8. Mai
Barbara Kostolnik, ARD Paris
08.05.2017 17:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 08. Mai 2017 um 06:50 Uhr.

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