US-Präsident Donald Trump (2.v.l) und Emmanuel Macron (r), Präsident von Frankreich, pflanzen auf dem Südrasen des Weißen Hauses einen Baum. Frst Lady Melania Trump und Brigitte Macron (l) schauen zu. | Bildquelle: dpa

Macron bei Trump Zur Schau getragene Freundschaft

Stand: 24.04.2018 08:26 Uhr

Mit Pomp und jeder Menge Symbolik hat US-Präsident Trump seinen französischen Amtskollegen Macron empfangen. Die beiden Staatschefs mögen sich. Doch inhaltlich gibt es erhebliche Differenzen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Der Besuch begann mit demonstrativer Herzlichkeit: Die beiden Präsidenten-Ehepaare schlenderten durch den Garten des Weißen Hauses, pflanzten eine Eiche aus einem französischen Wald, in dem amerikanische Truppen im Ersten Weltkrieg an französischer Seite gegen Deutschland gekämpft hatten.

Dann flogen sie für ein Abendessen zum Landsitz des ersten Präsidenten George Washington. Es gab Seezunge, gefüllte Pasta, Schokoladen-Soufflee. Das Protokoll sollte verdeutlichen: Hier treffen sich zwei Präsidenten, die sich mögen. "Wir haben ein besonderes Verhältnis, weil wir beide Außenseiter sind. Wir sind nicht Teil des klassischen politischen Systems", hatte Emmanuel Macron vor seinem Besuch gesagt.

Inhaltliche Differenzen

Immerhin: Macron ist der erste Gast, für den Donald Trump einen offiziellen Staatsbesuch ausrichtet. Neben dem ganzen Pomp geht es aber auch inhaltlich zur Sache. Bei aller zur Schau getragener Einträchtigkeit: Inhaltlich liegen Trump und Macron in vielen Fragen weit auseinander.

Auf schnelle Zugeständnisse darf Macron nicht hoffen. "Wir haben einen unheimlich guten Verhandler am Tisch", sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. "Das sind zwei Anführer, die sich sehr respektieren, die eine großartige Freundschaft pflegen. Beide haben großes Interesse zu tun, was am besten für ihr Land ist."

Macron und Trump mit ihren Frauen in Mount Vernon | Bildquelle: ANDREW HARRER/POOL/EPA-EFE/REX/S
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Macron und Trump mit ihren Ehefrauen nach dem Abendessen auf dem Landsitz.

Streitfall Iran

Da ist zum Beispiel der Atomvertrag mit dem Iran, getragen von den USA, mehreren europäischen Staaten, China und Russland. Sanders sagte, Präsident Trump habe immer wieder klar gemacht, dass er den Vertrag für einen schlechten Deal hält. Daran habe sich nichts geändert.

Macron warb dagegen dafür, den Vertrag zu bewahren. Bei Fox News sagte er: "Lasst uns den Vertrag behalten, er ist besser als eine Situation wie mit Nordkorea. Ich bin aber nicht zufrieden mit der iranischen Situation. Ich will gegen ihre Raketen kämpfen, Irans Einfluss in der Region begrenzen."

Da deutet sich eine mögliche Kompromiss-Linie an, ein Zusatzabkommen vielleicht? Die Frage ist, ob Trump sich darauf einlässt. Im Mai läuft die nächste Frist aus, bis zu der sich Trump entscheiden muss, ob die USA im Atomvertrag bleiben oder nicht.

Donald Trump und Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS
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Am 14. Juli vergangenen Jahres beeindruckte Macron seinen amerikanischen Kollegen Trump mit einer Militärparade.

"Man führt keinen Handelskrieg gegen seinen Alliierten"

Bei einem weiteren Thema ist offen, ob Trump und Macron ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen können: Trump schimpft immer wieder über den Handel mit Europa, er hat Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt. Macron sagte: "Ich hoffe, er wird diese neuen Zölle nicht einführen und eine Ausnahme für die Europäische Union machen. Man führt keinen Handelskrieg gegen seinen Alliierten."

Macron hat viel Zeit, Trump von diesen Gedanken zu überzeugen. Zum Beispiel bei ihrem Gespräch im Oval Office. Oder beim Großen Staats-Dinner am Abend im Weißen Haus.

Auftakt zum Staatsbesuch von Macron bei Trump
Jan Bösche, ARD Washington
24.04.2018 08:21 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 24. April 2018 Deutschlandfunk Kultur um 05:09 Uhr und Deutschlandfunk um 07:17 Uhr.

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