Blick auf das Zentrum von Riad | Bildquelle: REUTERS

Vormachtstellung in Nahost Saudis fürchten die "iranische Achse"

Stand: 16.04.2018 21:15 Uhr

Saudi-Arabien ist reich und groß - sowohl an Bevölkerung als auch in der Ausdehnung des Landes. Das Land sieht sich und seine Stellung im Nahen Osten trotzdem bedroht.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Saudi-Arabien ist Regionalmacht im Nahen Osten - und das aus mehreren Gründen: Die Herrscher des Königreiches sind Hüter der Heiligen Städten Medina und Mekka. Das heißt, dass die Saudis ihr Land als religiöses Zentrum verstehen. Saudi-Arabien ist obendrein ein reiches und großes Land, gemessen an der Bevölkerung und an der Ausdehnung.

Aus all dem leiten König Salman und sein Sohn, Kronprinz Mohammed, den Anspruch ab, ihr Land müsse in der Region eine Vormachtstellung haben. Durch den Iran sehen sie diese Stellung bedroht.

König Salman bin Abdulaziz al Saud | Bildquelle: AFP
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König Salman bin Abdulaziz al Saud fürchtet, dass der Iran immer stärker wird.

Vorwürfe aus Saudi-Arabien in Richtung Iran

Die Herrscher in Riad werfen den Iranern vor, sich in den arabischen Ländern einzumischen, die Islamische Revolution von 1979 weitertragen zu wollen und die bestehenden Systeme auszuhöhlen. Das tun sie, indem sie Unruhe stiften und Terror verbreiten, wie es der saudische Außenminister Adel al-Jubayr formuliert.

Es gehe dem Iran darum, so arabische Stimmen, eine "iranische Achse" zu schaffen, auch "grüner Halbmond" genannt: Von Teheran über den Irak und Syrien bis in den Libanon, aber auch über Bahrain bis in den Jemen. Der Gipfel der iranischen Bedrohung wäre aus saudischer Sicht, wenn es Teheran gelänge, eine Atombombe  zu entwickeln.

Karte Nahost mit Syrien, Irak, Iran, Saudi-Arabien, Jemen
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Saudi-Arabien ist Regionalmacht im Nahen Osten - und sieht seine Stellung durch den Iran bedroht.

Verhältnis basiert auf politischer Rivalität

Das iranisch-saudische Verhältnis basiert auf politischer Rivalität. Aber in ihrem Ringen um die Vormachtstellung setzen beide Seiten hauptsächlich auf ihre "natürlichen" Verbündeten, die jeweiligen religiösen Brüder und Schwestern: Das schiitische Iran setzt auf schiitische Araber, Saudi-Arabien auf Sunniten.

Karim al-Makdisi, Professor für Politikwissenschaft an der renommierten American University of Beirut, sagt allerdings, dass Saudi-Arabien weniger überlegt vorgehe als der Iran: "Es sind zerstreutere und weniger kontrollierte und weniger professionelle Allianzen, die sie eingehen. Die Saudis sind nicht vorausschauend, sondern reagieren nur; das Verhältnis ist also nicht proaktiv sondern reaktiv. Es basiert eben auf der Furcht vor der iranischen Macht in der Region."

"Saudi-Arabien hat keine verlässlichen Partner"

Anders als der Iran mit der Hisbollah, so al-Makdisi weiter, habe Saudi-Arabien keine verlässlichen Partner. Vielmehr wurden aus Saudi-Arabien heraus Jahre lang verschiedene militante Sunniten-Gruppen finanziert - die Taliban zum Beispiel oder auch Al-Kaida.

Das Königshaus machte dabei aktiv mit oder drückte bei Privatfinanziers zumindest ein Auge zu, wie Karim al-Makdisi sagt: "Die Saudis waren nicht in der Lage, die militanten Gruppen à la Al-Kaida zu kontrollieren, was anders ist als das Verhältnis zwischen dem Iran und den Milizionären der Hisbollah." Überhaupt sei das Verhältnis Iran/Hisbollah viel professioneller und beruhe auf Gegenseitigkeit.

"Das trägt auch zu den Fähigkeiten und der Professionalität der Hisbollah bei - in Sachen Strategien und Geduld. Die militanten sunnitischen Gruppen nehmen dagegen keine Befehle von den Saudis an. Und manchmal machen sie Dinge, die nicht im Interesse von Saudi-Arabien sind,“ sagt Karim al-Makdisi.

Syrien als Schlachtfeld der Regionalmächte

So wurde beispielsweise 2009 der damalige saudische Kronprinz und Innenminister Mohammed bin Nayef von einem Al-Kaida-Selbstmordattentäter schwer verletzt. "Es ist ein wenig wie die Geschichte von Frankenstein: Er schafft ein Monster, das er später nicht mehr kontrollieren kann. Saudi-Arabien und Katar haben das auch gemacht in Syrien und in anderen Ländern", sagt Politikwissenschaftler al-Makdisi.

Gegen Al-Kaida und den IS geht Saudi-Arabien mittlerweile vor. Aber das Königshaus finanziert nach wie vor Gruppen, die Al-Kaida ideologisch in nichts nachstehen, so beispielsweise die Jaysh al-Islam in Syrien. Diese "Armee des Islam" kämpft gegen Präsident Bashar al-Assad und dessen Verbündete, zum Beispiel die libanesische Hisbollah, ein enger Verbündeter des Iran. Syrien ist auch ein Schlachtfeld der Regionalmächte.

Saudi Arabien: Das Herrscherhaus konkurriert mit dem Iran
Björn Blaschke, ARD Kairo zzt. Beirut
17.04.2018 05:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. April 2018 um 20:00 Uhr.

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