David Lynch | Bildquelle: dpa

Zum Geburtstag von David Lynch Der Schmied der Albträume wird 70

Stand: 20.01.2016 13:15 Uhr

In der kleinen Stadt Missoula im Bundesstaat Montana wurde David Lynch am 20. Januar 1946 geboren. Vielleicht kennt er sich deshalb so gut aus mit den Abgründen der amerikanischen Provinz. Heute wird Hollywoods Mann für die Albträume 70 Jahre alt.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

In seinem Film "Blue Velvet" von 1986 braucht Lynch nur Sekunden, um das amerikanische Idyll mit weiß lackierten Lattenzäunen und bunten Blumenbeeten zu zerstören. Ganz einfach indem er die Kamera in einen Rasen eintauchen lässt, mit Würmern, Käfern und Ameisen in Großaufnahme, deren Geräusche Lynch wie Kriegsgetümmel klingen lässt.

Lynch: Blue Velvet | Bildquelle: picture alliance / United Archiv
galerie

Kyle MacLachlan und Isabella Rossellini in "Blue Velvet"

Und so ist "Blue Velvet" ein Film über Sex, Gewalt und Drogen, den Unterboden der amerikanischen Gesellschaft. Die Idee dazu sei ihm ausgerechnet beim Hören des kitschigen Titelsongs gekommen, erzählte Lynch im vergangenen Jahr bei einem Bühnengespräch mit dem Filmkritiker David Stratton: "Ich habe an grüne Wiesen und rote Lippen denken müssen. Und später an ein abgeschnittenes Ohr, das auf einem Feld liegt". Dann seien ihm noch mehr Ideen gekommen.

Einen Plot verweigert Lynch den Zuschauern

Ideen - das sind die Grundzutaten für Lynchs Filme. Es wäre meist müßig, ihre Geschichte zu erzählen, denn genau diesen Plot, sonst die Basis aller Hollywood-Filme, verweigert Lynch seinen Zuschauern oft und umfängt sie statt dessen in Bildern, Szenen, mit Musik und Geräusch.

Das war schon bei seinem ersten Film "Eraserhead" von 1977 so. In dem zeigt er einen Vater, der mit einem grotesk geformten Baby in einem Appartement lebt, voller Angst und Aggression. Er liebe Kafka, so Lynch, und ganz besonders dessen Erzählung "Die Verwandlung".

Lynch: Eraserhead | Bildquelle: picture-alliance / Mary Evans Pi
galerie

Filmplakat für "Eraserhead"

Lynchs frühe Filme sind geprägt von der Tradition des "Body Horror", wie "Der Elefantenmensch" von 1980: Ein entstellter Mann wird im viktorianischen England als Jahrmarktsattraktion ausgestellt. Der Film mit Anthony Hopkins und John Hurt wurde für acht Oscars nominiert.

Lynch: Szenenbild aus "Der Elefantenmensch" | Bildquelle: picture-alliance / KPA Honorar u
galerie

Szenenbild aus "Der Elefantenmensch"

"Twin Peaks" veränderte das amerikanische Fernsehen

Und schließlich die Fernsehserie "Twin Peaks": Es braucht nur ein paar Töne der Musik von Angelo Badalamenti, dann hat eine ganze Generation Fernsehzuschauer die Bilder wieder im Kopf, von schneebedeckten Gipfeln, Wasserfällen, dunklen Wäldern und von FBI-Ermittler Dale Cooper alias Kyle MacLachlan, der versucht, den Mord an der schönen Laura Palmer aufzuklären.

Am 8. April 1990 strahlte ABC die erste Folge von "Twin Peaks" aus. Viele Beobachter sagen, seit diesem Tag war das amerikanische Fernsehen - und in der Folge auch das europäische - nicht mehr so wie vorher. Millionen verfolgten die Geschichte, die Lynch über acht Episoden hinweg erzählte - nicht so radikal wie seine Kinofilme, aber doch radikal anders als die typische Serienware dieser Zeit. Es folgten eine zweite Staffel und später noch eine Fortsetzung im Kino.

Lynch: Twin Peaks | Bildquelle: picture-alliance / KPA Honorar &
galerie

"Little Man" (Michael J. Anderson) und FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) in der TV-Serie "Twin Peaks"

Den Surrealismus beherrscht Lynch perfekt

Im Kino hat Lynch mit Filmen wie “Lost Highway" oder "Mulholland Drive" seinen surrealen Stil perfektioniert. Oft weiß der Zuschauer nicht, ob die Figuren träumen oder erleben, was gezeigt wird - man kann in diese Filme unendlich viel hineininterpretieren. Oder man hält es mit Lynch selbst: "Das Kino ist der Musik sehr ähnlich. Auch von Musik erwarten wir ja eher, dass sie uns berührt, als dass sie eine logische Geschichte erzählt."

David Lynch mit Hauptdarsteller Nicolas Cage bei den Dreharbeiten zu "Wild at Heart" | Bildquelle: picture-alliance / Mary Evans Pi
galerie

David Lynch mit Hauptdarsteller Nicolas Cage bei den Dreharbeiten zu "Wild at Heart"

Lynch sieht sich selbst als einen Komponisten, der statt mit Noten mit Ideen arbeitet. Er verwendet die Technik der transzendentalen Meditation, um diese Ideen zu finden und zu ordnen.

Seinen 70. Geburtstag verbringt Lynch mitten bei der Arbeit: Zurzeit dreht er eine Fortsetzung von "Twin Peaks". Nächstes Jahr soll die neue Staffel ins Fernsehen kommen.

Heiterer Schöpfer düsterer Filme - David Lynch wird 70
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
20.01.2016 11:51 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: