Ein strategischer Bomber Tupolew-160 (Archivbild 2003) | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb

Russland und Frankreich gegen den IS Engere Kooperation, intensivere Luftangriffe

Stand: 17.11.2015 16:28 Uhr

Russland und Frankreich wollen ihren Militäreinsatz gegen den IS in Syrien enger abstimmen. In einem ersten Schritt wies Präsident Putin seine Marine an, eng mit französischen Schiffen zusammenzuarbeiten. Die russische Luftwaffe setzte erstmals Langstreckenbomber ein.

Im Einsatz gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" in Syrien sollen sich die russische und französische Marine zukünftig eng abstimmen. Dies habe Präsident Wladimir Putin mit dem französischen Präsidenten François Hollande telefonisch vereinbart, teilte der Kreml mit.

Putin wies Schiffe seines Landes zudem an, im Mittelmeer "in direkten Kontakt" mit dem französischen Flugzeugträgerverband um die "Charles de Gaulle" zu treten. Beide Seiten sollten als "Verbündete" zusammenarbeiten, sagte er.

Putins Befehl richtete sich unter anderem an den Kapitän des Kreuzers "Moskwa" im Mittelmeer. "In nächster Zeit kommt ein Verband der französischen Kriegsmarine, angeführt von einem Flugzeugträger, in Ihr Operationsgebiet. Nehmen Sie direkten Kontakt mit den Franzosen auf und arbeiten Sie mit ihnen wie mit Verbündeten", sagte Putin nach Angaben der Agentur Tass. Russische Marineeinheiten operieren zudem aus der syrischen Marinebasis in Tartus.

Der Flugzeugträger "Charles de Gaulle" soll am Donnerstag ins östliche Mittelmeer entsandt werden. "Das wird unsere Handlungsfähigkeit verdreifachen", sagte Hollande in einer Rede im Schloss von Versailles. An Bord des Flugzeugträgers befinden sich 26 Kampfjets.

Das Foto der französischen Streitkräfte zeigt den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" in der Straße von Hormus. | Bildquelle: dpa
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Der Flugzeugträger "Charles de Gaulle" soll am Donnerstag Richtung östliches Mittelmeer auslaufen. (Archivbild)

Russische Langstreckenbomber im Einsatz

Russland weitete seine Luftangriffe in Syrien bereits aus. Dabei setzte die Luftwaffe erstmals Langstreckenbomber und erneut Marschflugkörper ein. Es seien Tu-160 und Tu-95M von Basen in Russland gestartet, meldet die Nachrichtenagentur Interfax. Die Marschflugkörper hätten Ziele in Aleppo und Idlib gehabt.

Joseph Dempsey @JosephHDempsey
Analysis of #Syria imagery suggests possible #Russia air launched Kh-555 cruise missile from Tu-160 or Tu-95 bombers https://t.co/dP2NyfjS83

Joseph Dempsey, Analyst beim International Institute for Strategic Studies, veröffentlichte auf Twitter Fotos von Trümmern, die Reste russischer Marschflugkörper zeigen sollen. Demnach wurden einige Raketen auch von einem U-Boot im Mittelmeer gestartet.

Die französische und US-Armee wurden nach eigenen Angaben im Vorfeld über die Angriffe informiert. Zwar koordiniere man die Einsätze nicht, aber man informiere sich vorab, hieß es vom US-Verteidigungsministerium.

25 weitere Flugzeuge verlegt

Einige der russischen Angriffe richteten sich gegen die vom IS-gehaltende Stadt Rakka. Russland war von westlichen Staaten immer wieder dafür kritisiert worden, dass es vor allem die Rebellengruppen bombardiert, die gegen die syrische Armee kämpfen und die nicht Dschihadisten des "Islamischen Staates". Dies könnte sich nun ändern, weil auch der russische Geheimdienst FSB inzwischen davon ausgeht, dass der im Oktober über der Sinai-Halbinsel abgestürzte Passagierjet von einer Bombe zerrissen wurde. Der IS hatte behauptet, den Absturz herbeigeführt zu haben.

Der russische Generalstab teilte mit, dass 25 weitere Flugzeuge mit großer Reichweite für Einsätze in Syrien bereitgestellt werden. Dies könnte sich auf Tu-160 und Tu-95M beziehen.

Französische Angriffe dauern an

Bereits in der Nacht hatte die französische Luftwaffe erneut Rakka bombardiert, in der viele Führungskräfte und Institutionen des "Islamischen Staats" vermutet werden. Wie das Verteidigungsministerium in Paris mitteilte, wurden dabei ein Kommandoposten und ein Trainingszentrum der Terrororganisation zerstört.

Zehn Kampfflugzeuge vom Typ "Rafale" und "Mirage" seien dafür aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien gestartet - dies wären alle Maschinen, die der französischen Luftwaffe derzeit in der Region zur Verfügung stehen.

Wer vom IS ist noch in Rakka?

Derzeit ist unklar, ob der IS auf die intensiveren Luftangriffe auf Rakka reagiert und seine Führungsmitglieder aus der Stadt gebracht hat. Nach Angriffen am Sonntag und Montag hatte er dies angekündigt und behauptet, französische Angriffe hätten nur leere Stellungen getroffen.

Die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" berichtete, der IS habe Kämpfer in den vergangenen Wochen aus der Region abgezogen. Diese Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar, weil das öffentliche Leben in der Stadt vom IS überwacht und kontrolliert wird. "Polizisten" des IS sollen alle Straßen und Plätze überwachen, um die Verschleierungsvorgaben, das Rauchverbot und andere Regeln zu überwachen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Vor der Einnahme der Stadt durch den IS und den Beginn der Luftangriffe sollen mehr als 200.000 Menschen in der Stadt am Euphrat gelebt haben. Die meisten der Bürger sind sunnitische Muslime. In der sunnitischen Bevölkerung genoss der IS zumindest anfangs am meisten Rückhalt gegen das alawitische Regime in Damaskus.

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